Soforthilfen gegen den Bankrott

Corona-Krise Tausende Unternehmen aus der Region beantragen Hilfen aus dem Programm des Landes bei IHK und Handwerkskammer – Erste Gelder sind schon ausbezahlt.

  • Geschlossen: Der Shutdown belastet viele Unternehmen finanziell schwer. Foto: Adobe Stock

Heidenheim/Ulm

Das Soforthilfeprogramm der Landesregierung soll kleinen und mittleren Unternehmen über die schlimmsten Folgen von Shutdown und Corona-Krise hinweghelfen und sie vor dem Bankrott bewahren. Die Nachfrage ist enorm. Das berichten IHK und Handwerkskammer: Die Kammern nehmen die Anträge an, bearbeiten sie und leiten sie an die L-Bank zur Auszahlung weiter.

Bis zu 30 000 Euro können Unternehmen, Solo-Selbstständige und Freiberufliche bei Liquiditätsengpässen erhalten. 9000 Euro für drei Monate gibt es für antragsberechtigte Solo-Selbstständige und Antragsberechtigte mit bis zu fünf Beschäftigten, 15 000 Euro für drei Monate für Antragsberechtigte mit bis zu zehn Beschäftigten, 30 000 Euro für drei Monate für Antragsberechtigte mit bis zu 50 Beschäftigten.

Mehr als 80 Prozent der Anträge gingen bisher bei den Industrie- und Handelskammern ein, welche auch die freien Berufe bearbeiten, knapp 20 Prozent entfielen auf die Handwerkskammern.

Rund 3506 Anträge in einer Gesamthöhe von circa 36,4 Millionen Euro wurden bis zum 2. April landesweit von der L-Bank ausbezahlt. Die gewaltige Antragswelle der ersten Woche solle noch an diesem Wochenende bewilligt werden, sodass bis kommenden Dienstag die bei der L-Bank vorliegenden Anträge alle ausbezahlt werden könnten, soweit sie in der Sache bewilligungsfähig seien, heißt es.

Allein bei der IHK Ostwürttemberg sind seit dem Start am 25. März insgesamt 6301 Anträge zur Prüfung der Plausibilität eingegangen. Davon hat die IHK bereits 5095 Anträge geprüft. 2695 Anträge wurden an die L-Bank zur finalen Entscheidung weitergeleitet. 2400 Anträge müssen von den Unternehmen nachgearbeitet werden.

Ein dreizehnköpfiges Team der IHK mit Sitz in Heidenheim prüft unter Hochdruck die eingegangenen Anträge auf Plausibilität. IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle sagt: „Gründlichkeit muss vor Schnelligkeit gehen.“ Laut dem IHK-Experten Markus Schmid ist es für die Antragsteller unerlässlich, Pflichtfelder wie Steuernummer und Gründungsdatum auszufüllen: Sonst muss nachgearbeitet werden.

Ganz wichtig sei die plausible Beschreibung der existenzbedrohenden Lage durch die Coronakrise. Es muss dargestellt werden, dass die laufenden Kosten der kommenden drei Monate nicht durch die laufenden Einnahmen gedeckt sind. „Die Masse der Antragsteller sind kleine Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern“, so Schmid.

Wir wissen sehr genau, dass wir hier mit wertvollen Steuergeldern umgehen.

Dr. Tobias Mehlich
Handwerkskammer Ulm

Ein elfköpfiges IHK-Beraterteam widmet sich ausschließlich den zwischenzeitlich weit mehr als 3500 eingegangenen Anfragen im Verfahren. Beratungsbedarf haben laut Schmid vor allem Vertreter der „am meisten gebeutelten Branchen“ Dienstleistungen (54 Prozent) sowie Handel (27 Prozent).

Händler und Gastronomen haben viele Fragen

Fragen tauchen nicht nur zu den Soforthilfen selbst auch, sondern auch zu Entschädigungen, neuen Anordnungen und Regeln, arbeitsrechtlichen Aspekten – oder auch bei Problemen mit Versicherungen. Wer unmittelbar und sofort vom Shutdown betroffen war – Schausteller, Messebauer, Händler, Gastronomen und Tourismusbetriebe – habe den höchsten Beratungsbedarf.

Handwerker, die Soforthilfen des Landes brauchen, wenden sich an die Handwerkskammer Ulm. Bei ihr sind bislang knapp 4600 Anträge der insgesamt 19 500 Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee eingegangen. „80 Prozent der Soforthilfeanträge kommen von kleinen Betrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern“, heißt es dort, „elf Prozent von Betrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern und neun Prozent von Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitern“.

Die Handwerkskammer Ulm hat 2779 Anträge verarbeitet, geprüft und entweder zur Auszahlung an die L-Bank empfohlen oder abgelehnt. Manche von ihnen befänden sich noch in Abstimmung und Nachbearbeitung mit den Antragstellern. Insgesamt 1744 Anträge seien der L-Bank zur Zahlung empfohlen worden. Das, so die Kammer, entspreche einer bearbeiteten und zur Auszahlung empfohlenen Fördersumme von mehr als 20 Millionen Euro.

„Wir wissen sehr genau, dass wir hier mit wertvollen Steuergeldern umgehen“, betont Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Er fügt hinzu: „Auch in der besonderen Situation darf niemand Geld bekommen, für den es nicht gedacht ist. Unsere Lösung in Baden-Württemberg, dies die Kammern schnell und unbürokratisch bearbeiten zu lassen, hat große Vorteile gegenüber Bayern. Wir kennen aus unserer Handwerksrolle die Sprache und die Situation der Antragsteller, sind nah dran und können somit zügig einschätzen, wer die Zuschüsse wirklich braucht und wer nicht.“

© Wirtschaft Regional 03.04.2020 16:48
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