Maschinenbauer im Krisenmodus

Studie Eine Analyse der LBBW geht von einem Produktionseinbruch in der Branche von bis zu 30 Prozent in diesem Jahr aus – allerdings gibt es auch zarte Hoffnungsschimmer.

  • Bereits 2019 mussten viele Maschinenbauer Kurzarbeit anmelden. Foto: Pixabay

Stuttgart

Bereits während der vergangenen Finanzkrise von 2008 und 2009 gehörte der Maschinenbau zu jenen Branchen, die der Konjunktureinbruch am ärgsten gebeutelt hat. Die jetzige Coronakrise dürfte noch dramatischere Folgen haben. Das ist das Ergebnis einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Analysten um Stefan Maichl, CFA Senior Investment Analyst Maschinenbau & Industrie bei der LBBW, halten für das Jahr 2020 gar einen Produktionseinbruch von bis zu 30 Prozent vorstellbar. Zum Vergleich: 2009 war die deutsche Maschinenproduktion um rund ein Viertel geschrumpft. „Die Coronavirus-Krise hat das Potenzial von weitaus gravierenderen und länger anhaltenden Beeinträchtigungen als während der Finanzkrise 2008/09“, schreiben die Experten. Sie stelle „einen exogenen Schock für die globale Gesamtwirtschaft dar, ohne historischen Vergleich.“

Zum einen seien aufgrund der Pandemie (anders als 2009) direkte Kundeninteraktionen kaum mehr möglich, entsprechend leide auch das Servicegeschäft. Die Industriemessen seien alle komplett abgesagt. Ganze Lieferketten sind unterbrochen oder zumindest gestört, vor allem in Asien und Europa. Produktionsstätten wurden von Behörden, etwa in Italien und Spanien, zeitweise geschlossen. Und während 2009 die expansive Geld- und Fiskalpolitik bei der schnellen Bewältigung der Krise half, dienten die jetzigen staatlichen Hilfen lediglich der Lagestabilisierung. Daraus entstehende Investitionsimpulse seien aufgrund der Unberechenbarkeit des Pandemie-Verlaufs nicht zu erwarten, notieren die Banker. Ihr Fazit: „Die Coronavirus-Krise hat das Potenzial von weitaus gravierenderen und länger anhaltenden Beeinträchtigungen für den deutschen Maschinenbau.“

Das zeigen auch Umfragen des Maschinenbauverbands VDMA. Der befragte im zeitlichen Abstand von zehn Tagen rund 1000 Firmen. Am 18. März spürten bereits 60 Prozent der Betriebe wegen der Pandemie „nennenswerte Beeinträchtigungen im Betriebsablauf“, am 28. März waren es 84 Prozent. Rund 96 Prozent der Unternehmen erwarten in diesem Jahr einen Umsatzrückgang, 60 Prozent schätzen den Einbruch zwischen 10 und 30 Prozent. Nur 5 Prozent der Unternehmen spürten keine Störungen der Lieferkette. 41 Prozent der Firmen konstatierten bereits Ende März geringe, 21 Prozent merkliche und 3 Prozent „gravierende Liquiditätsengpässe“. Probleme mit den Lieferketten gebe es vor allem in Italien, Deutschland und China.

Ein exogener Schock, ohne historischen Vergleich.

LBBW-Studie zur Coronakrise im deutschen Maschinenbau

Zwar ist die Krise dramatischer als 2009, allerdings prognostizieren die Analysten den deutschen Maschinenbauern, eine „weitgehend günstigere Ausgangsposition und bessere Rahmenbedingungen“ als während der Finanzkrise. So attestieren die Banker den Firmen im Schnitt eine höhere Eigenkapitalquote sowie eine höhere Liquidität als vor zehn Jahren. Deshalb befänden sich viele Unternehmen in einer „weitaus günstigeren bilanziellen Ausgangsposition“, wie Maichl erklärt.

Einen Wermutstropfen gibt es aber auch hier, denn die Profitabilität der Unternehmen sei bereits durch die Konjunkturabkühlung vor der Corona-Pandemie „angegriffen“. Viele Unternehmen aus dem Zuliefererbereich hätten wegen der schlechten Branchenkonjunktur bereits im Frühjahr 2019 Kurzarbeit angemeldet, erklärte Dietrich Birk, Geschäftsführer des Landesverbandes Baden-Württemberg des VDMA, vor einigen Tagen dem „Südkurier“. Die Ursachen von damals sind indes noch immer aktuell, werden indes von Corona überlagert, nämlich die weltweiten Handelskonflikte sowie der gravierende Strukturwandel in der Automobilindustrie.

Was Hoffnung macht: Demgegenüber stützen der schwache Euro und das dauerhaft niedrige Zinsniveau eine mögliche Erholung für die traditionell so exportorientierte Branche, so die Experten. Auch der Tarifabschluss zwischen IG Metall und den Arbeitgebern ohne Gehaltserhöhung in diesem Jahr könnte sich positiv auswirken. „Wenn es darauf ankommt, ziehen Arbeitgeber und Gewerkschaften im Metall- und Elektrobereich an einem Strang“, sagt Birk. Auch dass die Große Koalition in Berlin das Kurzarbeitergeld über zwölf Monate hinaus verlängert hat, kommt beim VDMA gut an. „Damit können viele Maschinenbauer aufatmen, die bereits im letzten Jahr aus konjunkturellen Gründen Kurzarbeit eingeführt haben“, erklärt Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. „Ohne eine solche Verlängerung müssten die Unternehmen Tausende von Beschäftigten entlassen. Wegen der Corona-Krise wären die allermeisten von ihnen unmittelbar von Arbeitslosigkeit betroffen.“ So fällt das Fazit des LBBW-Experten Maichl Fazit trotz der Unwägbarkeiten verhalten optimistisch aus: „Es wird eine Zeit nach dem Coronavirus geben. Der deutsche Maschinenbau wird nicht untergehen und vielleicht sogar gestärkt diese Zeit mitgestalten.“

© Wirtschaft Regional 15.04.2020 14:24
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