Kampf dem Masken-Mangel

Coronavirus Zwei Unternehmer haben einen mobilen Apparat entwickelt, der Mundmasken und Schutzkittel zur Wiederverwendung sterilisiert.

  • Markus Köger (hinten) und Marcel Krull mit dem Prototypen ihrer Anlage. Foto: VMS

Aalen

Wie können gebrauchte Mundschutzmasken und OP-Bekleidung in Zeiten der Coronakrise wieder aufbereitet werden? Zwei Unternehmer aus dem Raum Schwäbisch Hall haben dafür jetzt eine Technik entwickelt. Sie hoffen, dass ihre Geräte möglichst bald in Kliniken, Pflegeheimen und anderen kritischen Einrichtungen zum Einsatz kommen können.

Die Idee kam dem IT-Spezialisten Marcel Krull bei einem Krankenbesuch im Aalener Ostalb-Klinikum. „Der Mangel an Masken und Schutzbekleidung war dort ein großes Diskussionsthema“, erinnert sich der Unternehmer, dessen fünfköpfige Firma auf Softwareentwicklung, Automatisierung und Digitalisierung für Maschinenbau und Industrie spezialisiert ist. Warum also nicht gebrauchte Schutzausrüstung keim- und virenfrei machen, statt sie gleich wegzuwerfen?

Krull kontaktierte seinen Schwager Markus Köger, der in Obersontheim gemeinsam mit Simon Trittner die VMS Maschinenbau GmbH leitet. Dort ist man auf die Herstellung aseptischer Abfüllanlagen, hauptsächlich für die Lebensmittelindustrie – beispielsweise für Joghurts –, spezialisiert.

Apparate könnten in Serie gehen

Die Keime, die durch den Apparat abgetötet werden, sind härter als Coronaviren.

Marcel Krull
Softwareunternehmer

Gemeinsam entwickelten und bauten die beiden eine transportable Anlage, die mit Hilfe von Peroxid Masken, Schutzkittel und andere medizinische Textilien sterilisiert. „Das Material wird einfach in einen Behälter geworfen und Dampf wird mit entsprechender Temperatur hindurchgeleitet“, beschreibt Marcel Krull die Verfahrensweise vereinfacht.

Mithilfe von Testbeuteln und Teststreifen haben die Tüftler die Keimfreiheit des gereinigten Materials bereits belegt. Für den Einsatz in der Praxis müsste ein Virenlabor sein Okay geben, Krull sieht hier allerdings keinerlei Probleme: „Die Keime, die durch den Apparat abgetötet werden, sind deutlich härter als Coronaviren.“ Wichtig sei nur die entsprechend passgenaue Programmierung der Maschinen und die richtige Dosierung des Peroxids, das nur in kleinen Mengen zum Einsatz komme. Krull und Köger hoffen nun, bald von politisch Verantwortlichen, Behörden, Kliniken und Heimbetreibern Rückmeldung zu bekommen. Der Prototyp sei einsatzbereit, die Produktion könne jederzeit in Serie gehen.

„Wir könnten sicher fünf solcher Apparate in der Woche bauen, von denen dann jeder 100 Masken pro Stunde sterilisieren kann“, meint Krull. Der Protoyp, der noch etwas sperrig daherkommt, schafft derzeit etwa zehn Masken pro Stunde.

© Wirtschaft Regional 07.04.2020 11:50
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