Kurzarbeit entlastet Arbeitsmarkt

Beschäftigte Die Zahl der Arbeitslosen in der Region stagniert, die Kurzarbeit nimmt aber wieder zu. Warum Agenturchef Elmar Zillert nicht nur wegen der Folgen des Lockdowns mahnt.
  • Nach dem verhältnismäßig starken Anstieg im Sommer 2020 stagniert die Zahl der Arbeitslosen in der Region. Doch Agenturchef Elmar Zillert fürchtet einen Anstieg in den kommenden Monaten. Grafik: Carmen Apprich

Aalen.

Der Lockdown light im November hat zu keinem deutlichen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen in der Region geführt. Die traditionelle Winterbelebung fällt auf dem Arbeitsmarkt zwar aus, dennoch stagniert die Quote bei 4,0 Prozent. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg liegt sie aktuell bei 4,2 Prozent, im Ostalbkreis bei 3,6 Prozent. Die derzeitige Lage bezeichnet Elmar Zillert, Chef der Agentur für Arbeit in der Region, als „stabil“. Dennoch richtet er einen Appell an „alle Akteure auf dem Arbeitsmarkt“. Ihn treibt nicht nur die Sorge vor den Folgen der Pandemie um.

„Der Lockdown wird in den kommenden Wochen in vielen Branchen weitere Spuren hinterlassen und für eine Eintrübung auf dem Arbeitsmarkt sorgen“, erklärt Zillert. Doch nicht nur die Viruskrise werde der Region weiter zu schaffen machen. „Auch die Auswirkungen der strukturellen Veränderungen werden uns noch länger beschäftigen, wenn wir diesen Strukturwandel nicht in notwendigem Umfang mitgestalten.“ Damit meint Zillert zum Beispiel die Folgen des Wandels in der Autoindustrie, der sich angesichts der neuen politischen Rahmenbedingungen fortsetzen wird. Er mahnt deshalb, „sich dem Thema Qualifizierung und Weiterbildung zu widmen, um auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorbereitet zu sein“.

Die aktuelle Lage: „Der Dezember bescherte Ostwürttemberg ein leichtes Minus bei den Arbeitslosenzahlen“, zieht Zillert ein Fazit. In Ostwürttemberg sank die Zahl der Erwerbslosen um 117 auf 10 049, rund 6500 davon im Ostalbkreis. Die Arbeitslosenquote sank hier um 0,1 Prozentpunkt auf 3,6 Prozent, während die Quote im Kreis Heidenheim bei 4,8 Prozent stagnierte. Blickt man auf die einzelnen Regionen, bleibt Heidenheim jene mit der höchsten Quote (4,8 Prozent), Ellwangen diese mit der niedrigsten (1,9 Prozent). Dazwischen gruppieren sich Schwäbisch Gmünd (4,3), Bopfingen (3,6) sowie Aalen (3,5).

Der Lockdown wird deutliche Spuren hinterlassen.

Elmar Zillert
Agentur für Arbeit Aalen

Weniger neue Jobs: Die Zahl der neuen Arbeitsplätze, die der Agentur gemeldet wurden, geht weiter zurück. Im Dezember lag deren Zahl bei 637, ein Minus von 13,7 Prozent im Vergleich zum November. Der Vorjahresvergleich fällt mit einem Rückgang an neu gemeldeten Stellen um 21 Prozent noch deutlicher aus. „Dies drückt die Zurückhaltung der Firmen in unserer Region hinsichtlich der im neuen Jahr zu erwartenden Entwicklungen aus“, sagt Zillert. „Der erneute Lockdown und die Spekulationen über eine Verlängerung der harten Maßnahmen verunsichern den Markt zusätzlich.“

Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt: „Bedauerlich ist“, so der Agenturchef, „vor allem die Zahl der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Personen.“ Deren Anzahl ist um 41 Prozent höher als im Dezember 2019. Zum Vergleich: Die Zahl der Arbeitslosen stieg in diesem Zeitraum um ein Viertel. Das ist deshalb kritisch, weil es Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, deutlich schwerer haben, wieder Arbeit zu finden. „Unter all den Baustellen, die wir derzeit auf dem Arbeitsmarkt haben, dürfen wir diese Personengruppe nicht aus dem Fokus verlieren.“

Kurzarbeit rettet Beschäftigung: Mit dem „Lockdown light“ Anfang November haben wieder deutlich mehr Betriebe Kurzarbeit bei der Agentur angemeldet, nachdem es in den Sommermonaten einen Rückgang gab. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden in Ostwürttemberg für 82 106 Beschäftigte in 5217 Betrieben Kurzarbeit beantragt. 60 623 Betroffene mit 3795 Anzeigen gab es im Ostalbkreis und 21 483 im Landkreis Heidenheim mit 1422 Anzeigen.

© Wirtschaft Regional 05.01.2021 13:09
491 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?