Mega-Scheck für Varta

Förderung Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier übergab in Ellwangen den Förderbescheid über 300 Millionen Euro für Batterieforschung und -produktion des Konzerns.

  • Knapp 200 Millionen Euro alleine für den Standort Ellwangen – und 300 Millionen für Varta insgesamt: Die Freude bei Varta Vorstandschef Herbert Schein (Zweiter von rechts) und Aufsichtsratschef Michael Tojner (links) über das Mitbringsel von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeíster-Kraut war groß. Foto: ham

Ellwangen

Großer Empfang für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei Varta in Ellwangen. Sogar Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Bayerns Wirtschafts-Staatssekretär Roland Weigert waren da. Denn diese Scheckübergabe hatte es in sich: Insgesamt 300 Millionen Euro Förderung bekommt der Batteriehersteller bis 2024 im Rahmen des Programms IPCEI, um in Ellwangen und Nördlingen die Lithium-Ionen-Technologie weiterzuentwickeln und größere, leistungsfähigere Batteriezellen zu produzieren.

Insgesamt geben Bund und Länder stolze 1,75 Milliarden Euro für mehrere Projekte, welche die Batterie als CO2-sparende, zukunftsträchtige und jobschaffende Technologie voranbringen sollen. Aber nur bei Varta überbrachte Minister Altmaier selbst den Förderbescheid. Vorschriftsmäßig mit Mundschutz bekleidet stieg er aus der Limousine und ließ sich vom Varta-Vorstandsvorsitzenden Herbert Schein in das Zelt auf dem Konzerngelände begleiten.

Der Varta-Chef machte keine Hehl aus seiner Freude über den Geldsegen. Insgesamt fließen 198,5 Millionen Euro in den Stammsitz Ellwangen – die größte öffentliche Investition, die es in der Stadt je gab – und 101,4 Millionen Euro in die Varta-Produktion im bayerischen Nördlingen. Der Bund übernimmt jeweils 70 Prozent, die beiden Bundesländer steuern den Rest bei. „Wir werden als Konzern selbst in Summe noch einmal das gleiche investieren“, kündigte Schein an, der darauf verwies, dass Varta schon bei früheren Förderungen den erhaltenen Betrag um ein Vielfaches zurückgezahlt habe – in Form von Steuergeldern. Und in Form von Arbeitsplätzen auf der Ostalb und im Ries. 500 zusätzliche Mitarbeiter habe man in den vergangenen Monaten in Ellwangen und Nördlingen eingestellt, in den kommenden 12 Monaten sollen noch 1000 hinzukommen. Derzeit sind 4000 Beschäftigte bei Varta tätig.

Batterien für Roboter und fahrerlose Transportsysteme

Mit dem Geld will Varta zum einen die Leistungsfähigkeit der kleinen Lithium-Ionen-Baterien – hier sind die Ellwanger Weltmarktführer – nochmals erhöhen. Die Energiedichte der kleinen Akkus, die in kabellosen Kopfhörern und anderen tragbaren Geräten stecken, soll noch einmal um 50 Prozent steigen. Ab Anfang 2021 will Varta 200 Millionen Lithium-Ionen-Zellen jährlich produzieren.

Außerdem, so Schein, soll die Lithium-Ionen-Technologie auf größere Batterien übertragen werden: für Energiespeicher, Roboter und fahrerlose Transportsysteme. „Innovationskraft und schnelle Umsetzung in kosteneffiziente Massenproduktion – das ist die DNA von Varta“, sagte der Konzernchef.

Wir zünden die nächste Stufe der Batteriezellenfertigung in Deutschland.

Peter Altmaier
Bundeswirtschaftsminister

Funktionierende Massenproduktion von Zukunftstechnologie in Deutschland – das ist genau nach dem Geschmack von Peter Altmaier. Bei der Reparatur der wirtschaftlichen Schäden der Corona-Pandemie gelte es, in die Zukunft zu investieren, so der CDU-Politiker. Entscheidende Technologien und das entsprechende Geschäft dürfe man nicht wie in der Vergangenheit anderen Weltregionen überlassen, appellierte er und erinnerte an Unterhaltungsindustrie, Computer und Smartphones. Die Frage sei: „Wie sollen unsere Kinder und Enkelkinder Geld verdienen?“

Die Lithium-Ionen-Zelle, so Altmaier, sei eine Technologie, deren Innovationspotenzial noch nicht ausgeschöpft sei, und deren Markt sich gerade exponentiell entwickle. Hier gelte es, ein „Markenprodukt made in Germany für die Zukunft“, zu schaffen.

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut kündigte bereits ihren nächsten Besuch in Ellwangen an: „Ich freue mich schon auf die Einweihung der Pilotfertigung für die Batteriezellen.“ Das Varta-Projekt habe für den Wirtschaftsstandort zukunftsweisende Bedeutung. Sie bekräftigte das Ziel, bis 2030 rund 30 Prozent der weltweiten Nachfrage Batteriezellen aus deutscher und europäischen Produktion zu bedienen. Bislang gehen Schätzungen von lediglich drei Prozent aus.

Aus diesem Grund fließen in Deutschland mehr als 1,7 Milliarden öffentliche Gelder in die sogenannten Important Projects of Common European Interest (IPCEI), mit denen eben diese europäische Infrastruktur für Batteriezellenforschung und -produktion geschaffen werden soll. Der Bund übernimmt 1,22 Milliarden Euro, die beteiligten Bundesländer 524 Millionen Euro. So wird etwa in Kaiserslautern mit Hochdruck an Batterien für E-Autos getüftelt.

Dass Varta in Zukunft auch entscheidend an der Wertschöpfung der E-Autos beteiligt sein wird, ist für Michael Tojner, Aufsichtsratsvorsitzender und Mehrheitsaktionär der Varta AG, ein recht klares Ziel: „Ich werde beides auch noch in zehn Jahren sein. Dann werden wir die europäische Autoindustrie mit unseren Zellen ausstatten“, sagte Tojner.

© Wirtschaft Regional 30.06.2020 16:47
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