Franke geht die Arbeit nicht aus

Technologie Die Nachfrage nach Computertomografen steigt in der Pandemie weltweit. Davon profitiert auch die Aalener Firma Franke. Sie stellt für die Anlagen wichtige Komponenten her.

  • Bei Franke arbeiten inzwischen 280 Menschen. Foto: Franke GmbH

Aalen

Dem Aalener Traditionsunternehmen, Hersteller von Speziallagern und Linearsystemen für viele Branchen weltweit, kommt die seit zwei Jahren laufende Umsetzung mehrerer Projekte zur Digitalisierung in der Krise zugute. Denn die Corona-Pandemie hat auch bei Franke die Art zu Arbeiten komplett umgekrempelt. „Die Investitionen und Aktivitäten zur Digitalisierung zahlen sich nun aus“, erklären die Geschäftsführer Daniel Groz und Sascha Eberhard, „dadurch können wir heute großflächig ohne direkten Kontakt arbeiten und kommunizieren.“

Das Unternehmen geht beim Krisenmanagement in drei Stufen vor. In der ersten Stufe ging es darum, im Eiltempo Notfallpläne umzusetzen, so die Geschäftsführer. Dies sei bei Franke gut gelungen. Die Schichten in der Produktion wurden strikt getrennt, in der Verwaltung wurden für zahlreiche Mitarbeiter Voraussetzungen für das mobile Arbeiten zuhause geschaffen. In Stufe zwei wurden die Maßnahmen und Entscheidungen bezüglich des Schichtmodells und des mobilen Arbeitens, sowie Kontakt- und Hygienevorschriften nachjustiert und weiter verfeinert. „Das gelang nur durch die große Kooperationsbereitschaft der Teams und unseres Betriebsrates“, erklärt Daniel Groz. Die mittlerweile auf 280 Mitarbeiter angewachsene Belegschaft habe ausgezeichnet mitgezogen. Die dritte Stufe werde darin bestehen, die eingeleiteten Maßnahmen auf das zukünftige Arbeiten in der neuen Normalität mit Corona zu übertragen. „Wir versuchen, möglichst viel aus den vergangenen Wochen zu lernen“, so Sascha Eberhard, „und das Unternehmen für die Zeit nach der Krise fit zu machen.“ Im Gegensatz zu anderen Firmen arbeitet Franke in der Coronakrise zu hundert Prozent weiter.

Produktion ist ungleichmäßig ausgelastet

Die Investitionen in die Digitalisierung zahlen sich nun aus.

Daniel Groz
geschäftsführender Gesellschafter

Zwar sind die Auftragsbücher gut gefüllt, die Auslastung sei allerdings alles andere als homogen. Ein Grund: Franke ist Weltmarktführer bei Lagern für Computertomografen (CT). „Die Corona-Krise steigert die Nachfrage nach Speziallagern und Linearsystemen für medizinische Geräte und Laboreinrichtungen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Daniel Groz. Die Kunden aus der Medizintechnik, von denen viele in China ansässig sind, erhöhen derzeit ihre Bestellungen. Schließlich ist das Röntgen von lungenerkrankten Menschen für die Therapie extrem wichtig. Neue Hersteller drängen in den Markt, um die Bedarfe zu decken und die Marktführer denken sich neue Strategien aus. So liefert beispielsweise Siemens inzwischen komplette CT-Behandlungsräume in Containern aus, die schnell und einfach vor Kliniken oder Notunterkünften platziert werden können. Bei den Absätzen in andere Branchen wie Maschinenbau, Robotik oder Luft- und Raumfahrt ist Franke genauso konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt wie andere Unternehmen. Speziell der Maschinenbau schwächelt spürbar. „Glücklicherweise sind unsere Mitarbeiter sehr flexibel“, so Eberhard, „Teams, die gerade weniger zu tun haben, können in den Bereichen aushelfen, in denen die Kapazitäten ausgeschöpft sind.“ Allen bei Franke sei klar, dass das kein Normalzustand sein kann und man hofft auf eine baldige Rückkehr zu einer gleichmäßigen Beschäftigung in allen Unternehmensbereichen. „Wir werden gebraucht und unsere Produkte werden gebraucht“, betont Groz. „Das ist ein Glücksfall für uns alle – wir müssen aufmerksam bleiben, uns derzeit jedoch keine Sorgen machen.“

Für die „neue Normalität“ nach der Krise sieht man bei Franke große Veränderungen, beispielsweise in der Marktbearbeitung. „Die Kommunikation wird sich verändern“, sind beide Geschäftsführer sicher. Der Akquise-Kanal über Messen beispielsweise werde einen geringeren Stellenwert bekommen. „Wir müssen darüber nachdenken, noch mehr Ressourcen in die digitale Präsenz zu stecken, ohne den persönlichen Bezug dabei zu verlieren“, sagt Eberhard. Deshalb will sich Franke künftig noch digitaler aufstellen. Begriffe wie Webinar, virtueller Showroom, digitale Messe, Chatbots, Podcasts oder ähnliche sollen zukünftig keine Fremdwörter mehr sein.

© Wirtschaft Regional 18.05.2020 20:28
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