Ostalb-Krankenstand bleibt stabil

Statistik Der Ostälbler hat sich 2019 im Schnitt 1,82 mal krankschreiben lassen. Zahlen zur Gesundheitsregion stellte die AOK vor. Wie es 2020 weiter geht, ist nicht absehbar. Der Grund: Corona.

  • Die AOK legt jedes Jahr ihre Statistiken zum Krankenstand in der Region vor. Die Krankenkasse ist die größte in Ostwürttemberg. Grafik: Bettina Opferkuch/SDZ
  • Hans-Joachim Seuferlein.Foto: AOK

Schwäbisch Gmünd

Rund 145 Milliarden Euro kosteten kranke Mitarbeiter die deutsche Volkswirtschaft im Jahr 2018. Das vergangene Jahr dürfte auf einem ähnlichen Niveau gelegen haben.

Nun hat die AOK als größte Krankenkasse der Region Zahlen veröffentlicht. 2019 lag der Krankenstand bei 5,2 Prozent – und damit auf demselben Level wie 2018. Die Statistik der AOK ist repräsentativ, der Marktanteil in der Region liegt bei mehr als 40 Prozent. In Ostwürttemberg sind 173 000 Menschen AOK-versichert. Im Ostalbkreis sind es mehr als 50 000 Beschäftigte und deren Familien.

Der Vergleich Mit 5,2 Prozent liegt der Ostalbkreis über dem baden-württembergischen Schnitt von 5,1 Prozent, aber deutlich hinter dem Nachbarkreis Heidenheim (5,9 Prozent). Damit sind die Heidenheimer in Baden-Württemberg Schlusslicht, führend sind Waldshut (4,3 Prozent) und Freiburg (4,4 Prozent). Der Krankenstand beschreibt jenen Prozentsatz aller Beschäftigten, die krank fehlen.

Am gesündesten sind die Bundesländer Hamburg (4,5 Prozent) und Bayern (4,8 Prozent), am kränksten die Brandenburger (6,3 Prozent) sowie Sachsen-Anhalt und Thüringen (je 6,2 Prozent).

Krankheitsdauer Großen Anteil an dieser Position haben in Heidenheim die Muskel- und Skeletterkrankungen, wegen derer ein Arbeitnehmer im Schnitt 42,8 Tage fehlt, wie Hans-Joachim Seuferlein, Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, erklärt. Zum Vergleich: Im Ostalbkreis liegt dieser bei 37,4 Tagen. Durchschnittlich fehlte ein Arbeitnehmer im Ostalbkreis 10,4 Kalendertage pro Krankschreibung.

Rund 70 Prozent der Ausfälle dauern jedoch sieben Tage oder kürzer. Nur 3,2 Prozent der Arbeitsunfähigkeits-(AU)-Fälle dauerten länger als sechs Wochen – allerdings verursachten sie mehr als ein Drittel aller AU-Tage.

So wird der Schnitt vor allem durch langwierige Erkrankungen nach oben gezogen. „Die meisten Krankschreibungen entfielen auf den Bereich Atemwegserkrankungen“, erläutert Seuferlein, „die meisten Ausfalltage jedoch auf Muskel- und Skelett-Krankheiten.“

Die Fehlzeiten sind multifaktoriell.

Kathrin Schumann
AOK Ostwürttemberg

Branchen Den höchsten Krankenstand nach Branchen verzeichnete auf der Ostalb 2019 der Bereich Transport und Verkehr. Dort liegt er bei 6,5 Prozent. Den niedrigsten haben Banken und Versicherungen, wo im Schnitt nur 3,5 Arbeitnehmer pro 100 ausfallen.Wichtig zu wissen: Nur rund 60 Prozent der Beschäftigten haben sich 2019 mindestens einmal krankgemeldet. Heißt: 40 Prozent waren nicht einmal arbeitsunfähig bei ihrer Krankenkasse gemeldet. Nicht erfasst werden von der AOK Krankmeldungen ohne AU-Bescheinigung eines Arztes.

Tipps für Arbeitgeber Etwaige Schwerpunkte bei Arbeitsunfähigkeitsfällen sind nicht nur Kostenfaktoren und potenzielle Störfaktoren für Unternehmen, sondern können auch als Signal verstanden werden, etwas ändern zu müssen, betont Kathrin Schumann, Themenfeldmanagerin bei der AOK. „Die Fehlzeiten in Unternehmen sind multifaktoriell.“

Sie hängen also nicht nur vom Alter oder der Art und Schwere der Arbeit ab. „Auch das Gruppenklima oder die Führungskraft eines Teams können den Krankenstand beeinflussen.“

In der Analyse der Fehlzeiten von Arbeitnehmern lägen auch Chancen, denn dies könne auch der Ausgangspunkt für die Veränderung von Arbeitsbedingungen sein. Die AOK unterstütze die Betriebe vor Ort mit Hilfen und Programmen.

Der Corona-Faktor Kaum abzusehen sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Denn zum einen sollte die aktuelle Wirtschaftskrise die Krankheitsfälle eigentlich abnehmen lassen. „Während der Finanzkrise 2008 sank der Krankenstand in Deutschland auf 4,6 Prozent im Vergleich zu aktuell 5,5 Prozent“, erklärt Seuferlein. Die Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren, führt zu sinkenden Fehlzeiten.

Andererseits dürfte sich die vereinfachten Krankschreibungen (wer an den Atemwegen erkrankt ist, durfte sich ohne Behandlung zunächst für sieben, nun für 14 Tage arbeitsunfähig melden) spürbar auf die Statistik auswirken.

Und: Corona hat seit einigen Wochen einen eigenen Code auf der AU-Bescheinigung der Ärzte: U07.1.

© Wirtschaft Regional 26.03.2020 15:16
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