Corona-Pandemie: Hartmann produziert mehr Desinfektionsmittel

Die Nachfrage ist riesig. Entsprechend haben die Heidenheimer die Kapazitäten hochgefahren.

  • Hartmann fährt die Produktion von Desinfektionsmitteln, etwa der Marke Sterilium, weiter hoch.

Heidenheim. Desinfektionsmittel sind europaweit knapp. Der Heidenheimer Hartmann-Konzern hat deshalb schon vor Wochen die Produktion deutlich erhöht. Das hat das Unternehmen bei seiner Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Heidenheim mitgeteilt. „Der Bedarf ist in den vergangenen Wochen explosionsartig gestiegen“, erklärte Vorstandschefin Britta Fünfstück. Man habe deshalb die Produktion umgehend auf das Maximum erhöht. Alle Desinfektions-Produktionsstätten arbeiteten rund um die Uhr.

Selbst ein Werk des Tochterunternehmens Kneipp in Würzburg produziert aktuell keine Seifen, Duschgels und Shampoos, sondern wurde auf die Fertigung von Desinfektionsprodukten umgerüstet. Die Preise hat Hartmann trotz der großen Nachfrage nicht erhöht. „Für uns steht in dieser Frage nicht die Profitabilität, sondern die schnelle Versorgung der Krankenhäuser im Vordergrund“, erklärt Fünfstück. Kliniken beliefere Hartmann zudem als erstes.

Ob die Corona-Pandemie Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2020 haben wird, lasse sich aber „aktuell nicht seriös abschätzen“, wie Fünfstück erklärt. Zwar steige die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln deutlich, andererseits würden im Zuge der Coronakrise europaweit auch zahlreiche Operationen verschoben, was wiederum zu Rückgängen bei der Nachfrage nach anderen Produkten von Hartmann führe.

2019 hat das Unternehmen seinen Umsatz um 3,2 Prozent auf 2,187 Milliarden Euro gesteigert. Rund 90 Prozent des Erlöses erzielt Hartmann in Europa, der wichtigste Markt bleibt Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte Vorstandschefin Fünfstück ein umfassendes Transformationsprogramm gestartet. Hartmann soll sich künftig noch stärker auf seine Kernsegmente Inkontinenz-, Desinfektions- sowie Wundmanagement. konzentrieren. Hinzu kommen weitere Konzernaktivitäten wie etwa die jüngst sehr erfolgreiche Tochterfirma Kneipp. Das ebenfalls zum Konzern gehörende Handelsunternehmen Sanimed hat Hartmann deshalb verkauft. Das Unternehmen beschäftigt aktuell rund 11000 Mitarbeiter weltweit, 5200 davon in Deutschland. 

© Wirtschaft Regional 24.03.2020 15:58
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