Arbeitsagentur hilft in der Krise

Corona-Pandemie Die Türen der Agentur für Arbeit sind geschlossen, Hotlines und Online-Center arbeiten aber auf Hochtouren: „Oberste Maxime ist die Versorgung unserer Kunden mit Geld.“

  • Für Besucher geschlossen, aber telefonisch erreichbar: die Arbeitsagentur Aalen. Foto: Arbeitsagentur

Aalen

Die Corona-Pandemie trifft den Arbeitsmarkt mit Wucht: Arbeitnehmer fürchten um ihre Jobs, Selbstständige und Betriebe um ihre Existenz. Obwohl die Arbeitsagentur Aalen seit Mittwoch wegen Infektionsgefahr für den Publikumsverkehr geschlossen ist, arbeiten die Mitarbeiter der Telefon-Hotlines und Online-Beratungen auf Hochtouren.

„Die Telefone stehen nicht still“, sagt Helmut Gerlach, Sprecher der Arbeitsagentur Aalen. Derzeit beantworteten mehr als 35 Mitarbeiter Fragen an der zusätzlich eingerichteten lokalen Service-Hotline, ihre Zahl soll noch aufgestockt werden. Weil man dabei mitunter an technische Grenzen stoße, bittet Gerlach die Betroffenen um Geduld.

Seine wichtigste Botschaft: „Wir versorgen die Kunden mit Geld, damit sie ihren Lebensalltag gestalten können.“ Die Jobcenter, Arbeitsagenturen und Familienkassen konzentrierten sich in der aktuellen Lage darauf, Geldleistungen wie Arbeitslosengeld I und II, Kurzarbeitergeld, Kindergeld und Kinderzuschlag sowie alle weiteren Leistungen auszuzahlen.

Für die momentane Sondersituation gilt: Kunden müssen einen vereinbarten Termin nicht absagen, weder telefonisch noch per Mail. Es entstehen hierdurch keine Nachteile, keine Rechtsfolgen und keine Sanktionen. Gesetzte Fristen werden vorerst ausgesetzt: Ändert sich dies wieder, so werden die Kunden vorher informiert. Die Auszahlung der Geldleistung ist sichergestellt. „Wir bitten darum, auch nicht telefonisch nachzufragen, ob etwa Unterlagen und Anträge angekommen sind“, fügt Gerlach hinzu.

Einer anderen Tätigkeit, dem Vermitteln von Arbeitslosen in neue Jobs, kann die Arbeitsagentur derzeit kaum noch nachkommen. Zum einen, weil es für die meisten um die existenziellen Fragen wie „Wie komme ich finanziell über die Runden?“ gehe. Zum anderen, weil die Unternehmen in der Krise mit Neueinstellungen derzeit sehr zurückhaltend und vorsichtig seien. „Der vermittelnden Tätigkeit werden wir uns dann verstärkt widmen, wenn der Markt uns wieder Leute abnimmt“, so Gerlach.

Extrem viele Anfragen zur Kurzarbeit

Extrem hohen und intensiven Beratungsbedarf gebe es derzeit beim Kurzarbeitergeld: „Hier explodiert die Zahl der Anfragen.“ Rückwirkend zum 1. März hat der Gesetzgeber die Hürden für diese Überbrückungsleistung heruntergesetzt. Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht nun, wenn im Unternehmen mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als zehn Prozent haben. Anfallende Sozialversicherungsbeiträge werden für ausgefallene Arbeitsstunden zu 100 Prozent erstattet.

Arbeitnehmer in Kurzarbeit erhalten von der Bundesagentur für Arbeit einen teilweisen Ausgleich für den Verdienstausfall. Dieser liegt derzeit bei rund zwei Dritteln, ob er weiter aufgestockt wird, ist in der politischen Diskussion. Dem ersten Schritt der Beratung kann in einem zweiten die Anzeige der Kurzarbeit folgen, welche die Arbeitsagentur in einer „Entscheidung dem Grunde nach“ genehmigt oder nicht. Kommt es dann tatsächlich zu Kurzarbeit, werden die Leistungen ausgezahlt.

Die Zahl der Anfragen explodiert.

Helmut Gerlach
Agentur für Arbeit Aalen

Über die genaue Zahl der Kurzarbeit-Anfragen und Beratungswünsche kann die Arbeitsagentur derzeit noch keine Auskünfte geben: Zu sehr sind die Mitarbeiter momentan mit der Bearbeitung drängender Probleme beschäftigt.

Info: Da die zentralen Rufnummern der Arbeitsagentur nur eingeschränkt erreichbar sind, ist die Arbeitsagentur Aalen unter der Rufnummer 07361/575-900 und das Jobcenter Heidenheim unter der Rufnummer 07321/345-590 zu erreichen.

Arbeitslosengeld I kann online beantragt werden: www.arbeitsagentur.de/antrag-arbeitslosengeld

Arbeitslosengeld II können Betroffene jederzeit formlos telefonisch oder schriftlich beim Jobcenter beantragen. Ferner haben sie derzeit auch die Möglichkeit, den bereits ausgefüllten Antrag ohne persönliche Vorsprache in den Hausbriefkasten des Jobcenters einzuwerfen. Der Neuantrag auf Arbeitslosengeld II ist hier zu finden: www.arbeitsagentur.de/antrag-arbeitslosengeld2

Wer bereits Arbeitslosengeld II bezieht und einen Weiterbewilligungsantrag stellen will, kann dies online unter www.jobcenter-digital.de erledigen. Nach der Registrierung wird per Post eine PIN zugestellt. Über dieses Portal können auch Veränderungen mitgeteilt werden.

Tutorials und Flyer zur Hilfe bei den Online-Anträgen gibt es hier: www.arbeitsagentur.de/eservices

Informationen für Arbeitnehmer zum Kurzarbeitergeld: www.arbeitsagentur.de/finanzielle-hilfen/kurzarbeitergeld-arbeitnehmer

Arbeitgeber finden alle Informationen zu Kurzarbeit hier: www.arbeitsagentur.de/kurzarbeit

© Wirtschaft Regional 19.03.2020 15:31
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