Sie setzt auf schlaue Logistik

Hochschule Aalen Das Programm „Explor“ der Stiftung Kessler + Co. fördert Alice Kirchheims Forschungen zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Logistikprozessen.
  • Prof. Dr. Alice Kirchheim lehrt an der Hochschule Aalen Prozessmanagement und forscht zum Thema „Automatisierung in der industriellen Logistik“. Foto: Hochschule Aalen/Saskia Stüven-Kazi

Aalen

Wer im Internet Schuhe bestellt oder im Supermarkt nach der Packung Spaghetti greift, vergisst schnell, dass im Hintergrund ein immenser Aufwand an Planung und Logistik betrieben wird. „Die Effizienz solcher Prozesse ist einer der zentralen Punkte für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen“, sagt Prof. Dr. Alice Kirchheim. Die Professorin, die im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Aalen lehrt, beschäftigt sich mit der Optimierung von Prozessketten in logistischen Systemen.

Mit Unterstützung durch das Förderprogramm „Explor“ der Stiftung Kessler + Co. für Bildung und Kultur aus Abtsgmünd baut Alice Kirchheim derzeit eine Forschungsgruppe zu diesen Themen auf. Rund 40 000 Euro gehen jetzt an sie.

Im Mittelpunkt der Forschung steht die automatische Be- und Entladung von Stückgütern. Denn in vielen Bereichen der Industrie und des Handels mit hohem Güterumschlag werden zwar moderne und hochautomatisierte förder- und lagertechnische Geräte eingesetzt. Doch bei der Übergabe an den Transport hört die Automatisierung meist auf – und Gabelhubwagen oder Stapler kommen zum Einsatz. Das ist teuer. „Die wirtschaftliche Optimierung muss technisch umgesetzt werden“, betont Kirchheim.

Sensoren helfen, Lücke in der Automatisierung zu schließen

In der Logistikbranche würde bereits seit einigen Jahren über Sensoren eine gewaltige Menge an Daten zu Größe, Form und Gewicht des Stückguts erfasst. Diese Daten seien bislang allerdings nur unzureichend analysiert worden. Um diese Lücke in der Automatisierung der Be- und Entladeprozesse zu schließen, möchte die Wissenschaftlerin jetzt Methoden des Machine Learning einsetzen. „Mit den Sensordaten steht uns ein wahrer Schatz zur Verfügung – wir können sozusagen aus der Vergangenheit für die Zukunft der Logistik lernen“, sagt die 40-Jährige begeistert.

„Das ist ein großer Anschub für die eigenen Forschungsaktivitäten“, freut sich die Wissenschaftlerin über die Unterstützung der Stiftung. Der Transfer von grundlagenorientierten Forschungsergebnissen in die industrielle Anwendung treibt sie an. „Das finde ich unglaublich spannend und interessant, der Elfenbeinturm ist nicht so meine Welt. Am Ende muss etwas herauskommen, das funktioniert“, sagt die gebürtige Hamburgerin.

Logistik ist sexy. 

Alice Kirchheim
Hochschule Aalen

Faszination für Computersysteme  

„Die Forschungsstärke der Hochschule war für mich das ausschlaggebende Kriterium, diese Professur anzunehmen“, erzählt sie. Dabei standen Sensordaten, Algorithmen, Logistik und Forschung zunächst nicht auf dem Zukunftsplan von Prof. Dr. Alice Kirchheim. Nach dem Abitur wusste sie erst nicht so richtig, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollte und entschied sich für eine Lehre zur Bankkauffrau. Aber ein ganzes Berufsleben bei der Bank verbringen, das konnte sie sich dann doch nicht vorstellen. „Ich bin aber froh, dass ich die Ausbildung durchgezogen habe. Von dem Wissen, ob beruflich oder privat, profitiere ich heute noch“, stellt Alice Kirchheim fest. Schließlich betreffe das Thema Finanzen alle möglichen Lebensbereiche. Anschließend studierte sie an der Technischen Universität Hamburg Informatikingenieurwesen. „Schon während meiner Bankausbildung fand ich die Aufgaben der EDV und wie die Computer miteinander vernetzt sind, total interessant.“

Und mit einem Funkeln in den Augen erinnert sich die Professorin an den Jahreswechsel 2000 und die hochspannende Frage, ob die Computersysteme abstürzen würden. „Damals herrschte ja sozusagen Weltuntergangsstimmung“, sagt Kirchheim und lacht.

Algorithmen sind ein Thema, das die dynamische Frau schon lange fasziniert: „Programmieren ist toll – da wird Informatik greifbar und richtig lebendig! Etwas gestalterisch zu tun, was einen Effekt hat, macht großen Spaß.“

Im Anschluss an ihre Promotion am Bremer Institut für Produktion und Logistik ging sie zunächst für ein paar Jahre in die Industrie, arbeitete unter anderen für die Dematic GmbH und die Still GmbH. „Doch der Sirenengesang der Wissenschaft wurde immer lauter“, schmunzelt Kirchheim.

© Wirtschaft Regional 06.02.2020 13:35
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