Kältekick als Geschäftsmodell

Start-up Der Dewanger Patrick Meloni eröffnet im März eine Kryosauna im Aalener Sportstudio Active Gym.
  • Patrick Meloni testet die Kryosauna. In Aalen eröffnet er demnächst selbst eine. Foto: M3

Aalen

Frieren als Geschäftsmodell. Mit einer sogenannten Kryosauna wagt der 31-jährige Dewanger Patrick Meloni den Sprung in die Selbstständigkeit. Im Aalener Sportstudio Active Gym soll die Kältesauna im März in Betrieb gehen. Weil der Kältekick im Trend ist, träumen Meloni und seine Mitstreiter bereits von einer Expansion.

Die Kryosauna ähnelt einer Wärmesauna – anders ist vor allem die Temperatur. Der Gast begibt sich in eine Stehkabine, in die ein bis zu 160 Grad Minus kaltes Luft-Stickstoff-Gemisch eingeblasen wird. Maximal drei Minuten verharrt er in der Kälte und spürt – das ist die Idee – die Lebensgeister erwachen. „Das ist ein Reset-Button für den Körper“, sagt Meloni, der im Vertrieb tätig war und es versteht, Produkte anzupreisen. Früher haben sich Sportler gerne in Eistonnen gelegt – doch nasse Kälte belastet das Herz. Das trockene Gasgemisch aber, heißt es, sorge dafür, dass sich der Organismus gut an die Kälte gewöhne.

Die Kabine, die demnächst nach Aalen geliefert wird, ist ein Modell aus den USA. Dort ist der Trend entstanden. Profisportler schwören auf Kälte, um ihren Muskelkater zu lindern. Neben Fitness und Entspannung versprechen sich Kryo-Anhänger aber auch Hilfe bei Arthrose und Rheuma, Schuppenflechte und Schmerzerkrankungen.

In Deutschland erobert die Kryosauna gerade die Großstädte – die nächsten Einrichtungen finden sich in Ulm und Ludwigsburg. Meloni und seine Freunde, die ihn bei der Umsetzung der Geschäftsidee unterstützen, haben etliche Anlagen getestet. Auf der Fitnessmesse Fibo in Köln sahen sie Geräte an.

Ich wollte mich schon immer selbstständig machen.

Patrick Meloni
Gründer

Dann fiel der Entschluss zur Gründung. „Ich wollte mich schon immer selbstständig machen“, sagt der ausgebildete Industriemechaniker, der vorher in Dortmund arbeitete. Meloni hat sich von einem Start-up-Coach beraten lassen, einen Businessplan aufgestellt und die Kreditfinanzierung gesichert. Er gründete die Firma M3, in der außer ihm als Unternehmer auch Jonas Lutz und Martin Szczepek engagiert sind. Grafikdesigner Kevin Zora kümmert sich um die Außendarstellung.

Im Active Gym hat Patrick Meloni einen Raum gemietet: „Die Kampfsportler, die dort trainieren, greifen gern auf die Kryosauna zur Entspannung zurück“, sagt er. Gemeinsam mit der Kabine schickt der Hersteller ein Schulungsteam, das Meloni und seine Mitstreiter im sicheren Umgang mit der Kryosauna schult. Kunden füllen einen Anamnese-Bogen aus, damit Risiken ausgeschlossen werden. Schwangere, Menschen mit Blutdruck- oder Herzproblemen dürfen die Kryosauna nicht benutzen. Fühlt sich ein Saunagänger unwohl, kann das Gerät innerhalb von zwei Sekunden abgeschaltet werden, die Kälte wird herausgezogen. Um Kritikern zu begegnen, die an gesundheitsfördernden Effekten zweifeln oder Risiken durch Erfrierungen fürchten, hat sich Meloni genau informiert und medizinische Studien gelesen. Nun geht er auf Überzeugungstour, besucht Reha-Zentren und Krankenkassen, um sie als Partner zu gewinnen. Eine Kooperation mit Therapiezentrum Michael Kurz in Wasseralfingen steht bereits. Meloni, früher aktiver Ringer beim TSV Dewangen, tritt auch an Sportvereine heran, führt Gespräche mit dem VfR Aalen, dem FC Heidenheim und dem Fitnessstudio Vita Sports.

Seinen Job als Objektschützer behält Meloni vorerst bei. Auch Jonas Lutz arbeitet weiter in der Hotelbranche: Ist die Kryosauna erfolgreich, soll er Leiter eines zweiten Standorts in der Region werden. Langfristig, so der Plan, könnte aus der Idee vielleicht ein Franchise-Unternehmen werden.

Eröffnet wird die Kryosauna mit einem Tag der offenen Tür. Ab März ist sie dann täglich abends geöffnet.

© Wirtschaft Regional 15.01.2020 19:11
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