EU gibt Varta grünes Licht

Akquisition Die AG darf das Batteriegeschäft von Varta Consumer übernehmen – mit Auflagen. Der Vollzug des Kaufs ist für Anfang 2020 geplant.
  • Die kleinen Varta-Batterien für den Hausgebrauch werden künftig unter dem Dach der Varta AG produziert – die EU-Kommission hat die Übernahme nun genehmigt. Foto: Varta Consumer

Ellwangen

Rund 17 Jahre hat es gedauert: Nun sind zwei der drei Varta-Sparten bald wieder vereint. Die Europäische Kommission hat die Übernahme der Varta Consumer durch die Varta AG genehmigt. Bereits vor einigen Monaten hatte Letztere erklärt, das Geschäft mit Haushaltsbatterien und Ladegeräten kaufen zu wollen.

Dafür zahlt die Varta AG rund 100 Millionen Euro an den US-amerikanischen Energizer-Konzern. Dazu kommen rund 80 Millionen Euro an Schulden, die die Ellwanger übernehmen. Energizer wiederum hatte seinerseits Varta Consumer verkaufen müssen – dies war Voraussetzung für die Übernahme der Batterienmarke Rayovac von Spectrum Brands.

Allerdings knüpft die EU ihrerseits Auflagen an den Varta-Kauf. Diese betreffen den Markt für Hörgerätebatterien. „Die Verpflichtungszusagen ermöglichen auch anderen Unternehmen einen Markteintritt, indem sie ähnliche Belieferungskonditionen der Varta AG in Anspruch nehmen“, teilte die EU-Kommission mit. Eine Varta-Sprecherin erklärte auf Anfrage: „Wir freuen wir uns, dass die Kartellbehörden grünes Licht für die Akquisition gegeben haben. Hier kommt zusammen, was zusammen gehört.“ Die Auflagen hingen mit der Stärke der neuen Varta im Bereich der Hörgerätebatterien zusammen.

Weitere Informationen – etwa, was die konkrete Einbindung der Varta Consumer in den bestehenden Konzern oder die Pläne für die regionalen Standorte in Ellwangen und Dischingen angeht – teilte Varta nicht mit. „Das eigentliche Closing der Transaktion wird erst für Anfang nächsten Jahres erwartet“, so die Sprecherin weiter. Früher werde sich Varta „nicht zum geeinten Unternehmen und dessen Strategie und Zielen äußern können und dürfen“.

Hier kommt zusammen, was zusammengehört.

Statement der
Varta AG

Mit der Übernahme sichert sich die AG das Europa-Geschäft mit Haushaltsbatterien und Kleinelektrogeräten. Varta verspricht sich in diesem Bereich steigende Umsätze, zudem gilt der Bereich als rentabel – wie der Rest des Konzerns. Der Jahresumsatz der Varta AG dürfte sich durch die Übernahme um 300 Millionen auf 600 Millionen Euro verdoppeln. Das operative Ergebnis wird auf 100 Millionen Euro steigen – für 2019 rechnet die AG mit einem Plus von rund 67 Millionen Euro.

Die deutsche Industriellenfamilie Quandt hatte die Varta im Jahr 2002 in drei Teile zerschlagen. Das Geschäft mit Autobatterien gehört dem US-Autozulieferer Johnson Controls, die Haushaltsbatterien- und Kleinelektrosparte Varta Consumer wiederum war lange des Mischkonzerns Spectrum Brands.

Die Sparte mit Mikrobatterien kaufte damals der österreichische Industrielle Michael Tojner, der Varta nach stetem Wachstumskurs 2017 an die Börse brachte. Dort gehört die Firma zu den Shooting-Stars des neuen Marktes. Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass Apple zu den Kunden der Ellwanger gehört.

Der US-Konzern rüstet seine Ohrhörer mit Namen Airpods mit Kleinstbatterien aus Ostwürttemberg aus. Aktuell notiert die Aktie bei mehr als 120 Euro – ein Plus von mehr als 350 Prozent im Vergleich zu Anfang des Jahres.

© Wirtschaft Regional 04.12.2019 15:19
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