Mapal kündigt Kurzarbeit an

Automobilbranche Beim Präzisionswerkzeughersteller aus Aalen wird ab Februar weniger gearbeitet. Grund ist die Krise in der Autoindustrie. Was Mapal jetzt plant – und wie es weiter gehen soll.
  • Blick in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Mapal. Foto: Mapal

Aalen

Die deutschen Autohersteller streichen Zehntausende Stellen, die Branche steckt mitten in der Krise. Das bekommen auch Zulieferer wie der Präzisionswerkzeughersteller Mapal zu spüren. Wie das Unternehmen am Dienstag ankündigte, werden rund 75 Prozent der Belegschaft am Aalener Stammsitz ab Februar kurz arbeiten. Zunächst sei die Maßnahme für sechs Monate geplant, so Mapal-Chef Dr. Jochen Kress. „Gemeinsam werden wir alle Anstrengungen unternehmen, um die Auswirkungen der Krise so gering wie möglich zu halten.“

Wie kompliziert die Gemengelage in der Branche ist, zeigt ein Blick aufs Jahr 2019. „Es war ein Jahr, wie wir es in unserer Firmengeschichte bisher nur einmal erlebt haben“, so Kress. Das Unternehmen startete mit vollen Auftragsbüchern und guter Auslastung ins Geschäftsjahr. Im zweiten Quartal habe die Krise durchgeschlagen. So lag der Auftragseingang im Jahr 2019 laut Kress in einigen Monaten 20 Prozent unter jenen des Vorjahres, als Mapal in zwölf Monaten rund 640 Millionen Euro erzielte. Aufs Jahr 2019 gerechnet, geht Kress von einem Umsatzminus von fünf Prozent aus. 2020 prognostiziert er einen weiteren Rückgang. „Allerdings sind unsere Standorte unterschiedlich von diesem Rückgang betroffen.“ Während einige Fabriken noch bis Mitte kommenden Jahres voll ausgelastet sind, macht sich die Autokrise vor allem am Stammsitz bemerkbar. Rund 50 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Mapal mit der Branche, der Rest verteilt sich auf Bereiche wie die Luft- und Raumfahrtindustrie oder den Werkzeug- und Formenbau. Weltweit beschäftigen die Aalener mehr als 5500 Mitarbeiter, zwei Drittel in Deutschland.

Krise in China

Die Gründe für die anhaltende Flaute sind vielfältig, erklärt Kress. Die weltweite Automobilproduktion sei bereits das zweite Jahr in Folge gesunken ist. Besonders in Deutschland mit zehn Prozent und in China mit rund 20 Prozent sei der Rückgang signifikant – und stärker als in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009. „Damals hat uns das Wachstum in China schnell aus der Krise geholfen“, sagt Kress. Dieser Sondereffekt entfalle. Mehr noch: „In China stehen ganze Autofabriken still“, erklärt der Gesellschafter. Was zum zweiten zentralen Grund für die Unsicherheit führt: der abnehmenden politischen Stabilität in vielen Regionen, etwa durch den Handelsstreit zwischen China und den USA, durch labile Regionen wie den Nahen Osten sowie durch Unsicherheiten bezüglich des Brexits.

Erschwerend käme die Unsicherheit in der Branche hinzu. Die weiß nämlich schlicht nicht, auf welches Pferd – sprich: welches Antriebssystem – sie in Zukunft setzen soll. Aktuell werden etwa in einigen Märkten Elektroautos stark subventioniert. Entfalle diese Förderung, könne der Markt wieder einbrechen, wie jüngst in China gesehen: Die Regierung in Peking kürzte die Subventionen für den Kauf von E-Autos, prompt sackte der Verkauf um mehr als 50 Prozent ab. „Aus diesen Unsicherheiten resultieren ein Investitionsstopp sowie die Streichung zahlreicher Modelle – und damit ein sinkendes Produktionsvolumen“, sagt Kress. „Den Königsweg hat noch kein Hersteller gefunden.“ Allerdings trifft Mapal die Krise nicht unvorbereitet, wie Kress betont.

Die Jahre 2020 und 2021 werden eine Zäsur sein.

Dr. Jochen Kress
Geschäftsführender Gesellschafter

„Zwar haben wir uns auf die absehbaren Entwicklungen gut vorbereitet und neue Technologien und Branchen wie die Elektromobilität, den Werkzeug- und Formenbau oder die Luftfahrtindustrie erschlossen, allerdings kann das den abrupten Rückgang in der Automobilindustrie noch nicht kompensieren“, so Kress.

So habe sich der Umsatz im Teilsegment der Elektromobilität in den vergangenen zwei Jahren vervierfacht. „Wir werden von den Herstellern als technologisch absolut führend angesehen. Dieser Bereich wird wachsen.“ Allerdings bewegt sich der Anteil an den Gesamterlösen im einstelligen Prozentbereich.

Deshalb reagiert Mapal mit einem Sparprogramm. Erste Maßnahmen, wie der Abbau von Überstunden, die Reduzierung der Zeitkonten und ein Einstellungsstopp wurden bereits an mehreren Standorten der Gruppe umgesetzt. „Wir werden alles tun, um ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen“, sagt Kress. Dies war dem Unternehmen schon während der Krise 2008 und 2009 gelungen. „Kurzarbeit ist ein probates Mittel, um konjunkturelle Schwankungen auszugleichen und alle Mitarbeiter mit an Bord zu halten.“ So sei die Maßnahme zunächst für ein halbes Jahr geplant.

Neben der Kurzarbeit hat Mapal eigenen Angaben zufolge bereits umfassende Sparmaßnahmen umgesetzt. Diese reichten von geringen Sachkosten bis zu großen Einsparungen, wie dem Verzicht auf die Teilnahme an einigen Messen, die bereits eingeplant waren. Alle geplanten Investitionen sollen genauestens überprüft werden. „Hier kommt uns zugute, dass wir mit unseren Maschinen und Systemen auf dem neusten Stand sind“, sagt Kress. Um weitere Kosten einzusparen, werden zudem die internen Abläufe, Prozesse und Strukturen im Unternehmen optimiert. Kress: „Die Jahre 2020 und 2021 werden eine Zäsur sein. Aber ich bin mir sicher, dass wir die Krise gemeinsam erfolgreich meistern werden.“

© Wirtschaft Regional 03.12.2019 17:54
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