Gmünds erfolgreichste Uhrmacher

Expansion Die Uhren von Qlocktwo sind längst weltweit erfolgreich. Das Gmünder Unternehmen hat nun eine Tochterfirma in den USA gegründet. Das Führungstrio hat aber noch einiges mehr vor.
  • Die Geschäftsführung von Qlocktwo: Marco Biegert, Jens Adamik und Andreas Funk. Foto: Qlocktwo

Schwäbisch Gmünd.

Seit Mitte des Jahres läuft das operative Geschäft der Schwäbisch Gmünder Qlocktwo in Nordamerika über eine Gesellschaft mit Sitz in Kalifornien. „Von dort aus bearbeiten wir die Märkte USA, Kanada und die Karibik“, erklärt Jens Adamik, der seit Beginn des Jahres offiziell Geschäftsführer jenes Unternehmens ist, das seit einigen Jahren mit der zunächst als Kunstprojekt gedachten Uhr Qlocktwo nicht nur in der Region, Deutschland und Europa große Erfolge feiert - sondern auch weltweit für Aufsehen sorgt.

Die Uhr, die die Zeit so anzeigt, wie Zeit zwischen Menschen kommuniziert wird (Bsp.: 20 nach 8), ist nicht nur Blickfang für all jene, die in Gmünd am Bahnhof ankommen, sondern ein Produkt, das es inzwischen in zahlreichen Ausführungen gibt. Von der mehrere Meter großen Installation an Gebäuden hin zu klassischen Wanduhren, Touch-Wecker und Armbanduhren, die auch mit dem Smartphone verbunden werden können und zuletzt den if-Design-Award gewonnen haben.

Im vergangenen Jahr hat Qlocktwo rund 16.000 dieser Uhren verkauft. Angaben zu Umsatz oder Gewinn machen Adamik und die beiden Gründer und Gesellschafter Marco Biegert und Andreas Funk - die weiter die strategische Ausrichtung verantworten, das operative Geschäft aber Adamik überlassen - nicht. „Wir sind schwäbisch solide eigenfinanziert“, erläutert er.

Ausruhen auf dem Erfolg der vergangenen Jahre will sich das Gmünder Unternehmen nicht, sondern entwickelt das eigene (einzige) Produkt konsequent weiter, wie der Geschäftsführer betont. „Technisch haben die heutigen Uhren nichts mehr mit den ersten zu tun“, sagt Adamik. Das Innenleben werde stetig verbessert und auf den neusten Stand gebracht, zuletzt wurde der Helligkeitssensor der Armbanduhr runderneuert. Zudem arbeite man seit geraumer Zeit an smarten Lösungen.

Die Entwicklung findet in Gmünd statt. Die Einzelteile, das ist Adamik wie den Gründern wichtig, bezieht das Unternehmen fast vollständig aus der Region: Die Fronten der Uhren werden von Kunsthandwerkern aus dem Umkreis gebaut, die Elektronik kommt von einem Zulieferer aus Stuttgart. „So stellen wir nicht nur die Qualität unserer Uhren sicher, sondern agieren so nachhaltig wie nur möglich“, erklärt Adamik, der vor seiner Zeit bei Qlocktwo, die vor knapp vier Jahren begann, beim fränkischen TV-Bauer Loewe gearbeitet hatte.

Inzwischen sind bei der Qlocktwo Manufacture GmbH insgesamt 60 Menschen beschäftigt, der Großteil davon an den beiden Gmünder Standorten in der Goethestraße, wo die Verwaltung sitzt, sowie in Straßdorf, wo Produktion und Lager beheimatet sind. Hinzu kommen eigene Stores in Stuttgart und Hamburg. Bald soll zudem Berlin folgen. „Dort werden wir Ende November eine Niederlassung im Kaufhaus des Westens eröffnen“, sagt Adamik.

Wir sind schwäbisch solide finanziert.

Jens Adamik
Geschäftsführer

Die Qlocktwo ist württembergisches Kulturgut

Weltweit sind die Uhren aus Gmünd bei 850 Handelspartnern erhältlich, rund 300 davon in Deutschland. Inzwischen wird das Gmünder Kunstwerk, das in Serie ging, in mehr als 30 Ländern verkauft, die wichtigsten Märkte in Fernost sind beispielsweise China, Hongkong, Taiwan und Australien. In den USA hat das Unternehmen nun Vertrieb, Service und Logistik in die eigene Hand genommen.

Weitere Tochterfirmen sind zunächst nicht geplant, sagt Adamik. Neue Märkte sollen zunächst mit externen Handelspartnern erschlossen werden. Die Uhren gibt es inzwischen in mehr als 20 Sprachen, weitere werden folgen. Manche Märkte indes sind wegen der sprachlichen Barriere nur schwer zu bedienen. „Dazu gehört etwa Finnland und Ungarn“, sagt Adamik. Der Grund: Die Wörter der finno-ugrischen Sprachen sind schlicht zu lang, um sie auf einer Qlocktwo abzubilden.

Probleme mit Produktpiraterie haben die Gmünder übrigens nicht. „Die Qlocktwo ist kein normales Produkt“, erklärt Adamik, „sondern ist ein Objekt der angewandten Kunst.“ Der Urheberrechtsschutz geht über das reine Patentrecht weit hinaus - die Gestaltung ist bis 70 Jahre nach dem Tod der Gründer hinaus geschützt. Nicht nur das: Die Qlocktwo wurde württembergisches Kulturgut ernannt und 2018 in die Ausstellung des Landesmuseums Württemberg aufgenommen - als erste Uhr seit dem Jahr 1936.

„Das war für uns natürlich ein Ritterschlag“, sagt Marco Biegert, der die Uhr gemeinsam mit Andreas Funk geschaffen hat. Für beide stand damals auch die Kunst, nicht ein mögliches Produkt im Vordergrund. „Das war überhaupt nicht unsere Intention“, sagt Funk. Beide sind im Gmünder Stadtteil Hussenhofen aufgewachsen, haben bereits in den 1980er-Jahren Kunstwerke an ihrem Commodore C64 erschaffen. „Die Qlocktwo war nicht als Business-Modell gedacht, sondern eine rein intrinsische Motivation“, sagt Funk. Die beiden beschäftigen sich seit einigen Jahren mit den Themen Zeit und Vergänglichkeit. Biegert: „Die Qlocktwo soll dem Betrachter deutlich machen, dass es nur einen Moment gibt - und zwar diesen einen Augenblick. Wir finden diesen Gedanken schön.“

© Wirtschaft Regional 29.11.2019 15:20
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