Bosch AS: Fronten sind verhärtet

Zukunftskonzept Wieso die Geschäftsleitung beim geforderten Abbau von 1000 Stellen nun betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausschließt. Was Bosch AS in den Gmünder Werken produziert.

Schwäbisch Gmünd.

Die Fronten zwischen der Geschäftsleitung und den Belegschaftsvertretungen bei der Robert Bosch Automotive Steering (AS) GmbH verhärten sich. Der von den Geschäftsführern Christian Sobottka, Dr. Marcus Parche, Dr. Hanns Bernd Ketteler und Arbeitsdirektor Stefan Grosch am 24. Oktober den 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angekündigte weitere Abbau von 1000 Stellen soll nur dann sozialverträglich erfolgen können, wenn die Verhandlungen mit dem Betriebsrat „bis Ende 2019 zu einer Lösung und zu einer Umsetzung führen“.

Pistole nicht auf Brust setzen

Dies erklärte auf Anfrage Bosch AS-Pressesprecherin Stephanie Reuter. „Wir lassen uns die Pistole nicht auf die Brust setzen, und sind erst zu Gesprächen bereit, wenn wir belastbare Daten zur Beurteilung der Gesamtlage bekommen und diese geprüft haben“, reagierten darauf Betriebsratsvorsitzender Alessandro Lieb und Roland Hamm, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall, verärgert.

Es scheint nicht nur ein Wettlauf um Lösungen zu werden, sondern auch um Zeit – denn: „Wenn wir in diesem Jahr nicht zu einem Ergebnis kommen, dann sind wir aufgrund der Marktentwicklung gezwungen, die Standortvereinbarung zu kündigen und damit wären betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausgeschlossen“, ließ Reuter wissen.

Das im Herbst 2017 verabschiedete und ursprünglich bis 2022 befristete Zukunftskonzept reiche bei den neuen Rahmenbedingungen mit Auftragseinbrüchen zwischen 15 und 20 Prozent gegenüber der Planung nicht aus, die Kosten am Standort auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu bringen. „Deshalb brauchen wir schnell eine Anpassung des bestehenden Zukunftskonzepts, deutlich vor Ende 2022“, sagt Reuter und unterstreicht: „Wir wollen zügig Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen, da die äußerst kritische Situation schnell entsprechende Maßnahmen erfordert“. Und: „Wir stehen zu Schwäbisch Gmünd und wollen am ursprünglichen Ziel des Zukunftskonzepts festhalten, den Standort Gmünd wieder wettbewerbsfähig und damit zukunftsfähig zu machen.“

Der im Herbst 2017 vereinbarte Abbau von 760 Jobs plus 200 Leiharbeiterstellen wird nicht erst 2022, sondern bereits Ende 2019 abgeschlossen sein. Überwiegend waren davon Beschäftigte in der Produktion betroffen. Damit sind aktuell in der Produktion noch 3000 von den 5000 Mitarbeitern am Standort Schwäbisch Gmünd beschäftigt.

Der weitere Abbau von den 1000 Stellen soll nun, wie Christian Sobottka verlauten ließ, je zur Hälfte die Produktion sowie die Bereiche Vertrieb, Verwaltung und Entwicklung betreffen. „Wir haben bezüglich der näheren Aufschlüsselung entsprechende Konzepte erarbeitet, die wir in den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern vorlegen werden“, sagte Reuter.

Was Bosch AS produziert

Wir wollen zügig über Lösungen verhandeln.

Stephanie Reuter, Bosch AS

Welche Lenksysteme für Pkw und Nutzfahrzeuge in den Gmünder Werken im Schießtal, auf dem Gügling und in der Lorcher Straße produziert werden, beschreibt Stefan Grosch:

Servolectric, Achsparalle Servoeinheit (EPSapa) für Fahrzeuge der Oberklasse, Sportwagen, SUVs und leichte Nutzfahrzeuge (zum Beispiel Sprinter). Diese Elektrolenkung zeichnet sich durch einen hohen Wirkungsgrad und niedrige Systemreibung aus.

Servoelectric Servoeinheit an einem zweiten Ritzel (EPSdp) für Fahrzeuge der Mittelklasse. Diese Elektrolenkung lässt sich flexibel einbauen, ist robust und wartungsfrei.

RB-Servocrum. Ein hydraulisches Lenksystem für schwere Nutzfahrzeuge. Diese wird in Gmünd schon seit über 30 Jahren produziert, bislang wurden weit über zehn Millionen Stück verkauft. Servotwin. Ein elektro-hydraulisches Lenksystem für schwere Nutzfahrzeuge. Die Lenkung verfügt über eine gesteigerte Lenkpräzision, einen verbesserten Lenkkomfort und ermöglicht Fahrer-assistenzfunktionen.

Zu weiteren Detailfragen machte Bosch AS keine Angaben. Zum Beispiel, wie hoch der Anteil der einzelnen Lenksysteme an der Gesamtproduktion ist, in welchen Werken diese Lenkungen produziert werden oder welche Komponenten Bosch selbst fertigt und welche zugekauft werden.

Was wird verlagert?

Zu den Befürchtungen der Belegschaftsvertretungen, dass Produktionslinien an ausländische Standorte wie insbesondere in das neu aufgebaute Werk in Maklar/Ungarn verlegt werden, erklärte Stephanie Reuter: „Wir reagieren auf einen nachhaltigen Marktrückgang. Das löst man nicht durch Verlagerung. Wir wollen Schwäbisch Gmünd wieder wettbewerbsfähig machen durch Produkt- und Prozessinnovationen“. Auch werde der Bereich Einkauf nicht komplett nach Feuerbach verlagert – Reuter: „Wir haben in Gmünd schon vor längerer Zeit ein großes Projekt gestartet, bei dem das Thema Materialkosten im Fokus steht. Hier konnten bereits wichtige Erfolge erzielt werden. Nun gilt es, diese Maßnahmen konsequent weiterzutreiben.“

Wie berichtet wird Bosch den Bereich Pumpen in eine eigenständige Firma überführen. In Gmünd sitzen derzeit vorrangig Leitung und Entwicklung dieses Produktbereichs, in Summe etwa 100 Mitarbeiter. Produziert werden Pumpen in Berlin, Nanjing/China und Sorocaba/Brasilien.

© Wirtschaft Regional 01.11.2019 21:01
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