Droht dem Werk IV von Bosch AS in Gmünd das Aus?

Bosch AS Die Gerüchteküche um Schwäbisch Gmünds größten Arbeitgeber brodelt, viele befürchten einen weiteren Stellenabbau. Geschäftsleitung und Betriebsrat nehmen hier Stellung.
  • Steht das Werk IV im Gmünder Westen, direkt an der B29 gelegen, auf der Kippe? Archiv-Foto: Bosch AS

Schwäbisch Gmünd

Eine Betriebsversammlung am 23. September bei Bosch AS wurde von Alessandro Lieb unter- bzw. abgebrochen. Der Betriebsratschef des größten Gmünder Arbeitgebers reagierte verärgert, weil Bereichsvorstand Stefan Grosch und die Werksleiter Markus Zebitsch und Marc Ströbele vom Betriebsrat schriftlich gestellte Fragen zur Zukunft des Lenkungsherstellers, insbesondere ob aufgrund von Auftragsrückgängen ein verschärfter Personalabbau drohe, seiner Meinung nicht ausreichend, sondern nur vage beantworteten.

Bekanntlich gibt es eine bis 2022 laufende Vereinbarung, dass 760 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden dürfen, betriebsbedingte Kündigungen aber ausgeschlossen sind. Zudem soll der Standort Gmünd zum weltweiten Leitwerk für Lenkungstechnik ausgebaut werden. Seit dem 23. September rumort es in der Belegschaft, in der Öffentlichkeit kursieren viele Mutmaßungen. Diese Zeitung hat bei der Geschäftsleitung und beim Betriebsrat nachgefragt. Stephanie Reuter für die Geschäftsleitung und Erika Bresel für den Betriebsrat haben schriftlich geantwortet.

Wann wird die Betriebsversammlung fortgesetzt? Was lief inzwischen in der Kommunikation zwischen der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat?

Bresel: Der Betriebsrat hat sich intern beraten und wird die Betriebsversammlung in diesen Monat fortsetzen. Eine Kommunikation mit der Arbeitgeberseite hierzu hat nicht stattgefunden.
Reuter: Wir als Arbeitgeber haben Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die Entscheidung, ob, wann und wie die Versammlung fortgesetzt wird, liegt beim Betriebsrat.

Es gibt Informationen , dass es im Jahr 2020 rund 15 Schließtage geben soll, zusätzlich eine zweiwöchige Werksschließung im Sommer. Ist das richtig und wenn ja, gibt es dafür eine Urlaubsregelung? Sind davon alle Mitarbeiter betroffen?

Bresel: Wegen der Aufforderung des Arbeitgebers nach einer Planung von Schließtagen im Jahr 2020, werden aktuell Gespräche geführt. Eine genaue Anzahl von Schließtagen wurde noch nicht definiert. Ziel des Betriebsrates ist es, durch den Tarifvertrag T-Zug der IG Metall die Umwandlung des tariflichen Zusatzgeldes (27,5 Prozent) in acht zusätzliche freie Tage für alle Anspruchsberechtigten umzusetzen. Eine zusätzliche zweiwöchige Werkschließung im Sommer ist ausgeschlossen. Die Urlaubsregelung wird durch die geltenden tariflichen und betrieblichen Regelungen bestimmt. Die Maßnahmen gelten standortübergreifend.
Reuter: Für 2020 sind wir in ersten Gesprächen mit dem Betriebsrat. Schließungstage haben keinen Einfluss auf die Urlaubsregelung. Die Maßnahmen betreffen alle Mitarbeiter.

Die Geschäftsleitung hat angekündigt, dass es im vierten Quartal weitere Maßnahmen bezüglich des Personalabbaus geben soll. Wie ist der Stand?

Es gibt noch keine Entscheidungen.

Stephanie Reuter
Sprecherin Bosch AS

Bresel: Genau aus diesem Grund wurde die Betriebsversammlung am 23. September unterbrochen. Der Betriebsratsvorsitzende verlangte Antworten diesbezüglich, die nicht geliefert wurden. Die weitere Vorgehensweise wird von uns noch bestimmt und die dementsprechenden Aktionen werden folgen.
Reuter: Dies ist aktuell in Ausarbeitung. Über die Ergebnisse werden wir die Mitarbeiter im vierten Quartal informieren.

Es soll Bestrebungen geben, das Werk IV in der Lorcher Straße komplett oder teilweise zu schließen und die Aktivitäten zu verlagern. Wie ist der Stand?

Bresel: Von einer Schließung ist dem Betriebsrat nichts bekannt. Das Kompetenzzentrum der Zahnstange, die Ausbildung und die IT sind u. a. Bereiche, die sich in der Lorcher Straße befinden, und die Grundpfeiler unseres Unternehmens darstellen.
Reuter: Aufgrund der aktuellen und voraussichtlich anhaltenden negativen Markt- und Umsatzentwicklung prüfen wir Maßnahmen an allen Standorten weltweit, auch in Gmünd. Dazu gehören u. a. Flächenkonzepte. Es gibt aber noch keine Entscheidungen.

Der Bereich Pumpen soll ausgegliedert und dann verkauft werden. Was bedeutet das für den Standort Gmünd? Wie viele Mitarbeiter sind betroffen?

Bresel: Da die finale Entscheidung noch aussteht, können wir keine belastbare Aussage treffen. Der Betriebsrat wird den Prozess und die Arbeitnehmer eng begleiten. Am Standort Gmünd sind vorrangig die Bereiche Leitung und Entwicklung mit rund 100 Mitarbeitern betroffen.
Reuter: Wie angekündigt, wollen wir unser Pumpengeschäft eigenständig aufstellen und reorganisieren. Daran arbeiten wir zurzeit.

Wie hat sich die Auftragslage im letzten Monat verändert? Gibt es Neuanläufe von Serienproduktionen in Maklar in Ungarn, die ursprünglich in Gmünd geplant waren?

Reuter: Entsprechend dem Zukunftssicherungspakt haben wir zu großen Teilen bereits im Werk Gügling investiert. Auch die zugesagten Neuprojekte laufen in Gmünd an. Für die Standortscheidungen für künftige Projekte ist entscheidend, dass die Zielkosten an den jeweiligen Standorten erreicht werden. Wir spüren in der aktuellen Marktsituation zusätzlich deutlich den Druck der Kunden auf das Preisniveau und den Wunsch nach kostengünstigeren Produkten.

© Wirtschaft Regional 11.10.2019 17:43
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