Aalener holen sich smarte Ideen

Hochschule Besucher des Forums „Aalen digital – Wie smart wird die City“ tauchen virtuell in den Blautopf hinab und lernen, wie weit Estland schon mit der Digitalisierung ist.
  • Jonas Kirchner präsentierte eine virtuelle Reise in die Tiefen des Blautopfs.Foto: Bernhard Hampp

Aalen

Abtauchen in die faszinierende Unterwasser-Höhlenwelt des Blautopfs, Erhellendes über die Digitalisierung des öffentlichen Lebens in Estland erfahren und die neuesten Entwicklungen beim Autonomen Fahren kennenlernen – das alles konnten die Besucher des Forums „Aalen Digital - Wie smart wird die City“ in der Aula der Hochschule Aalen. Für Interessierte hatten Stadt und Hochschule ein hochkarätiges Vortragsprogramm zusammengestellt.

Organisatorin Carina Nitschke von der Wirtschaftsförderung der Stadt Aalen leitete ein: „Digitalisierung soll heruntergebrochen werden.“ Die Frage solle sein: Wo finden welche Aspekte der Digitalisierung schon statt?

Oberbürgermeister Thilo Rentschler bekräftigte: „Die Zukunft kann beginnen in der Forschungsstadt Aalen.“ Er wies auf Einrichtungen wie das kürzlich eröffnete Digitalisierungszentrum, den AAccelerator und die Hochschule hin. Nicht umsonst sei Aalen in der Kampagne „Stadt.Land.Digital“ des Bundeswirtschaftsministeriums im Wettbewerb für smarte Städte und Regionen unter Deutschlands sechs Beste gekürt worden.

Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen, berichtete von einer Reise ins chinesische Shenzhen und trat auf die Euophoriebremse: „Ich habe dort viele Kameras gesehen, so smart hätte ich Aalen nicht gerne.“ Die Herausforderungen seien, das Umfeld digitaler zu machen, aber auch die Daten zu schützen.

In einem neu produzierten Video zeigte die Stadtverwaltung, welche smarten digitalen Dienste wie Apps, E-Mobilitätsdienste, und Bezahlservices im Parkhaus die Stadt den Bürgern bereits zur Verfügung stellt.

Auf eine virtuelle Reise in die Tiefen des Blautopfs nahm Jonas Kirchner die Teilnehmer mit. Er gründete seine Firma Pixelcloud 2011, noch als Student an der Filmakademie Ludwigsburg. Mittlerweile entwirft dort ein achtköpfiges Team, auch im Auftrag namhafter Institutionen, Unternehmen und Medien, virtuelle Welten und Anwendungen. Für den Südwestrundfunk nahm Pixelcloud die Karstquelle bei Blaubeuren, die an der Oberfläche charakteristische blau schimmert, unter die Lupe. „Die wenigsten wissen dass sich unter dem Blautopf ein Höhlensystem mit fast 15 Kilometer länge verbirgt“, erzählt Kirchner. Mit Höhlenforschern stieg das Team in das Labyrinth ein, fotografierte und filmte aus allen möglichen Blickwinkeln, um daraus ein fotorealistisches 3D-Modell entstehen zu lassen. Dieses können User jetzt auf verschiedene Weise erleben – als Guided Tour mit der VR-Brille, als Web-Doku oder als interaktives Spiel mit einer VR-Brillen der neuesten Generation: Die Gamer begegnen dabei der sagenhaften Gestalt der „Schönen Lau“, erzählte Kirchner, der auch auf die technischen Hintergründe einging.

Internetzugang ist in Estland als Grundrecht verbrieft.

Florian Marcus
e-Estonia

Wie das tägliche Leben und die Verwaltung smarter werden, demonstrierte Florian Marcus vom e-Estonia Briefing Centre der Regierung Estlands. 99 Prozent der Behördengänge und Dienstleistungen in dem EU-Land können schon digital erledigt werden: Nur zu Heirat, Scheidung und Immobilienverkauf müssen die Vertragspartner noch selbst erscheinen. Wählen dagegen können Esten per App – 45 Prozent von ihnen tun das auch. Für die Steuererklärung seien drei Klicks nötig, eine Firma könne in zehn Minuten angemeldet werden, so Marcus.

Zur Authentifizierung dient unter anderem der digitale Personalausweis, den alle – auch ausländische – Einwohner Estlands bekommen. Jeder Patient kann seine Krankenakte digital einsehen und entscheiden, ob dies im Notfall auch ein Rettungssanitäter darf. „Und wenn sich gerade die Küstenwache nähert, kann ich per Smartphone noch schnell den Angelschein erneuern“, merkte Marcus an. Er betonte: „Internetzugang ist als in Estland soziales Grundrecht verbrieft, kostenloses WLAN ist allgegenwärtig.“

Jürgen Trost spricht über autonome Fahrzeuge

Dr. Andrea Bräuning, bei der Robert Bosch GmbH für Smart Cities zuständig, berichtete aus dem Innovationsnetzwerk Living Lab Ludwigsburg. Zoltan Demeter von der Aalener Syfit GmbH erklärte, wie sich Unternehmen in kleinen Schritten Richtung Digitalisierung bewegen können.

Der Träger des Reinhard-von- Koenig-Förderpreises, Prof. Hendrik Speck von der Hochschule Kaiserslautern, stellte unter dem Motto „Mauern, Silos und feindliche Daten“ eine Anwendung für die Verarbeitung von Vital- und Fitnessdaten vor, die dem Nutzer die Kontrolle über die eigenen Daten gibt.

Prof. Dr. Jürgen Trost, Dekan der Fakultät Maschinenbau und Werkstofftechnik der Hochschule Aalen, sprach abschließend zu „Autonome Fahrzeuge - die innovativen Verkehrsmittel im urbanen Bereich“ und zeigte auf, in welchem Verkehrsszenario es Potenzial für autonome Fahrzeuge gibt, den konventionellen Individualverkehr zu verdrängen.

© Wirtschaft Regional 10.10.2019 20:07
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