Warnstreik für mehr Lohn

Voestalpine Die Mitarbeiter des Gmünder Werks legen für zwei Stunden die Arbeit nieder. Sie fordern, dass ihr Lohn dem Flächentarif angepasst wird.
  • Warnstreik statt Mittagspause bei Voestalpine. Fotos: tom
  • Peter Yay-Müller, IG Metall

Schwäbisch Gmünd

Zahlreiche Mitarbeiter des Automobilzulieferers Voestalpine im Werk auf dem Gmünder Gügling haben am Donnerstag ihre Schichten zwei Stunden früher beendet und an einem Warnstreik teilgenommen. Arbeitnehmervertreter verhandeln seit mehr als einem Jahr mit der Geschäftsleitung des Unternehmens: Die Löhne der Voestalpine-Mitarbeiter sollen an den geltenden Flächentarifvertrag angeglichen werden.

Die Arbeitsbedingungen sollen nach dem Willen der Arbeitnehmervertreter auf das tarifliche Niveau der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg angehoben werden. Laut Angaben von Peter Yay-Müller, Zweitem Bevollmächtigten der IG Metall Schwäbisch Gmünd verdienen Voestalpine-Mitarbeiter rund 17 Prozent weniger als Arbeitnehmer in tarifgebundenen Unternehmen wie etwa Bosch AS oder Andritz, die ihre Beschäftigten nach der ERA-Tabelle bezahlen. „Der Abstand ist extrem groß“, so der Gewerkschafter. Von beiden benachbarten Unternehmen hatten weitere Mitarbeiter an dem Warnstreik vor den Toren des Güglinger Werks teilgenommen. Auch Alessandro Lieb, Betriebsratschef von Bosch AS in Schwäbisch Gmünd war vor Ort.

Das Ziel, wie es Yay-Müller formuliert: „Die Kollegen wollen 100 Prozent Tarif!“ Bislang sei es in den Verhandlungen nicht geglückt, dies durchzusetzen, deshalb der Warnstreik. „Das Unternehmen hat unter anderem angeboten, die Bezahlung schrittweise an den Tarif heranzuführen.“ Vorgeschlagen hatte das Unternehmen angeblich eine Erhöhung von einem Prozent pro Jahr. Für die Arbeitnehmerseite ist das nicht schnell genug. Die IG Metall fordert, die Bezahlung bei Voestalpine innerhalb von drei Jahren auf die Höhe des Flächentarifs anzuheben. Yay-Müller schlägt deshalb unter anderem die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 35 Stunden bei gleichem Entgelt vor, was eine De-Facto-Lohnerhöhung von 6,3 Prozent bedeute.

Den Warnstreik wertet Yay-Müller als vollen Erfolg: „Die Produktion steht still, die Logistik ebenfalls.“ Angst, dass der aktuelle Konjunktureinbruch, der vor allem die Autoindustrie trifft, sich auf die Lage des Voestalpine-Werks – und damit auf die Verhandlungen – auswirkt, hat Yay-Müller nicht.

Die Kollegen wollen 100 Prozent Tarif.

Peter Yay-Müller
IG Metall

„Die Auftragsbücher sind für die nächsten drei Jahre gut gefüllt. Wir sehen den Zeitpunkt als ideal an, um die Löhne zu erhöhen.“ Da Voestalpine am Standort Gmünd vor allem für das Premium-Segment der Autoindustrie fertige, habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gut verdient. „Voestalpine hat Gewinne erzielt, von denen andere Firmen nur träumen“, sagt der Gewerkschafter.

Den Zeitpunkt für den Warnstreik hatten Gewerkschaft und Betriebsrat nicht zufällig gewählt, denn just an diesem Donnerstag war auch ein Vorstandsmitglied von Voestalpine zu Gast. Harald Traxler, seit 1. Juli Vorstandsmitglied der Metal Forming Division des Unternehmens und zuständig für die Business-Unit Automotive Components, war nach Schwäbisch Gmünd gereist.

„Wir wollen zeigen, dass anlässlich des Besuchs nicht nur die Produktionshallen sauber geputzt werden, sondern, dass die Mitarbeiter ihren Unmut artikulieren können“, so Yay-Müller. Der Warnstreik sei ein „Signal an die Spitze“. In den kommenden Wochen sollen während des Warnstreiks verteilte rote IG-Metall-Wecker in der Produktion darauf aufmerksam machen, „dass es für Fünf vor Zwölf ist. Wir sind nicht länger gewillt, ruhig zu bleiben“, so Yay-Müller.

© Wirtschaft Regional 12.09.2019 14:44
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