Neuer Eigner, neue Ziele

Übernahme Einige Jahre ging es dem Wasserkraftwerkspezialisten Stellba Hydro nicht gut – mit neuem Investor soll das Unternehmen nun aber wieder wachsen.
  • Lutz Juhrig (links), Geschäftsführer von Stellba Hydro, und Unternehmer Dirk Meier Westhoff. Foto: rs

Herbrechtingen

Die vergangenen Jahre waren für Stellba Hydro nicht immer einfach. Doch nun soll mit neuem Eigentümer und bewährtem Team der Neustart gelingen. Zum 1. Mai hat der westfälische Unternehmer Dirk Meier Westhoff den Wasserkraftanlagenspezialist in Herbrechtingen übernommen. Der bisherige Gesellschafter Peter Bürgler ist in den Ruhestand gegangen und hat seine Anteile verkauft. „Stellba Hydro verfügt über ein enormes Know-how und ist ein klassischer Mittelständler, der sich agil in einem Markt mit Zukunft bewegt“, begründet Meier Westhoff sein Engagement.

Er sieht sich indes nicht als klassischen Investor, seine Beteiligung ist „langfristig“ ausgelegt. Erste Ergebnisse sind bereits sichtbar: „Unsere Auftragsbücher sind wieder voll und wir sind wieder auf der Suche nach neuen Mitarbeitern“, erklärt Geschäftsführer Lutz Juhrig, der die Geschicke des Unternehmens bereits seit vielen Jahren operativ leitet – und Stellba Hydro mit Meier Westhoff in die Zukunft führen wird.

Dass es in den vergangenen Jahren etwas ruhiger um Stellba Hydro geworden war, hatte auch mit den politischen Rahmenbedingungen rund um die Energiewende zu tun. Photovoltaik-, Solar- und Windanlagen wurden weiterhin stark subventioniert. Die Wasserkraft fristete nach einem Boom vor einigen Jahren eher ein Nischendasein. Vor allem in den Stammmärkten Deutschland, Österreich und der Schweiz gab es zuletzt nur wenige große neue Projekte.

„Die Energiewende wird ohne Wasserkraft nicht möglich sein“, sagt der Unternehmer. Gegenüber der PV- und Solartechnik habe Wasserkraft den Vorteil, immer – und nicht nur bei Tag und Sonnenschein – Energie zu liefern. „Das ist in einem Land wie Deutschland elementar.“ Wasserkraft füge sich harmonischer (und weniger lärmintensiv) in die Landschaft ein als Windräder und sei eben nicht nur in windreichen Regionen wirtschaftlich zu betreiben. Neben dem Bau neuer Wasserkraftturbinen ist eine Kernkompetenz von Stellba Hydro die Wartung und Modernisierung von bestehenden Anlagen.

Die Energiewende ist ohne die Wasserkraft nicht möglich.

Dirk Meier Westhoff
Stellba-Hydro-Eigner

Aus topografischen Gründen ist zwar der Bau neuer, großer Wasserkraftwerke im deutschsprachigen Raum weitgehend ausgereizt, doch durch neue, optimierte Komponenten wie Laufrädern mit höheren Wirkungsgraden oder neuen Turbinenreglern kann die Stromausbeute erhöht werden.

Meier Westhoff und Juhrig haben überdies die internationalen Märkte im Blick: Stellba Hydro hat bereits zahlreiche Projekte in eher ungewöhnlichen Regionen realisiert. So wurden in Georgien und Armenien Anlagen modernisiert. Auch in der Demokratischen Republik Kongo wurden bereits Turbinenteile für die Modernisierung von 3 Turbinen geliefert. In naher Zukunft wird eine neue Turbine in ein bestehendes Kraftwerk eingebaut. Für die Herstellung, Lieferung und Montage einer neuen 12-MW-Pelton-Turbine wurde Anfang Juni in Kinshasa der Vertrag zwischen dem staatlichen Energieversorger „SNEL“ und der Stellba Hydro unterschrieben. „Wir fühlen uns in diesen Nischen sehr wohl und bekommen immer wieder Anfragen aus diesen Ländern“, erklärt Juhrig. Afrika sei für Stellba Hydro ein sehr interessanter Markt. „Die dringend benötigte Infrastruktur entwickelt sich erst mit der Verfügbarkeit von Energie“, erklärt Meier Westhoff, für den der Kontinent mehr als nur ein potenzieller Absatzmarkt ist: Er ist stellvertretender Vorsitzender der gemeinnützigen Stiftung FuturAfrica, die mit karitativen Projekten, etwa zur Trinkwasserversorgung in Sierra Leone, der Bevölkerung hilft.

Gut für Stellba Hydro: „Die europäischen Märkte sind nach einer Flaute wieder da“, stellt Juhrig fest. Nach England und Frankreich hat das Unternehmen seine Fühler ausgestreckt, die ersten Schritte in Skandinavien unternommen. „Die erste Resonanz ist gut“, sagt Meier Westhoff. „Wir sind optimistisch, dass wir mit unserem Know-how dort überzeugen.“ Deshalb wird in der 3000 Quadratmeter großen, mit einem modernen Maschinenpark ausgestatteten Fertigungshalle eifrig gearbeitet. An der 2011 gebauten Fabrik will Meier Westhoff festhalten: „Einen besseren Standort kann ich mir nicht vorstellen.“

Mit neuem Eigentümer soll Stellba Hydro nun also wieder wachsen. Meier Westhoff hat dabei Erfahrung. Der Unternehmer hatte einst den Hof seiner Eltern übernommen, dann eine Firma für Agrardienstleistungen und –immobilienmanagement gegründet und war schließlich in die Regenerativen Energien eingestiegen. Mit Stellba Hydro forciert er sein Investment in diesem Bereich. Die verschiedenen Firmen sind in einer Holding organsiert. In Herbrechtingen will er „situativ vor Ort sein“, wie er erklärt. Das Ziel ist klar: „Wir wollen, dass Stellba Hydro einen wichtigen Teil zur Energiewende beiträgt – und dabei wieder zu alter neuer Größe findet.“

© Wirtschaft Regional 04.09.2019 20:01
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