Bosch AS: Weiterer Stellenabbau droht

Automobilindustrie Der Gmünder Lenkungshersteller ist vom weltweiten Rückgang der Fahrzeugproduktion spürbar betroffen. Was sind die Ursachen für die Krise und was plant der Konzern?
  • Das Gmünder Bosch-Werk im Schießtal ist vom Auftragseinbruch in der Automobilindustrie betroffen. Noch gilt ein Zukunftssicherungspakt – aber ein weiterer Stellenabbau ist möglich. Foto: tom

Schwäbisch Gmünd.

Der Rückgang der weltweiten Automobilproduktion liegt 2019 bei über fünf Prozent - und wird sich nach Experteneinschätzung noch erhöhen. Dies sei keine kurzfristige Delle, erklärte Volkmar Denner in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Der Bosch-Vorstandschef kündigte einen Stellenabbau an. Besonders betroffen wird der Unternehmensbereich Mobility Solutions sein, zu dem der Gmünder Lenkungshersteller Bosch Automotive Steering (AS) gehört.

Für Gmünd gilt aber der Ende 2017 zwischen der Geschäftsleitung und den Arbeitnehmervertretern vereinbarte Zukunftssicherungspakt. Demnach werden bis 2022 rund 760 der 5400 Stellen sozialverträglich abgebaut, gleichzeitig soll Gmünd zum Leitwerk ausgebaut werden.

Entscheidung noch offen

„Wir erwarten einen weiteren Personalabbau“, erklärte nun Bosch AS-Sprecherin Stephanie Reuter auf Anfrage. An Konzepten werde gearbeitet, vor dem vierten Quartal würden aber keine Entscheidungen fallen. Roland Hamm, der Bevollmächtigte der IG Metall dazu: „Ich gehe davon aus, dass der Pakt wie vereinbart umgesetzt wird.“

Die angespannte Situation in der Automobilindustrie, verursacht vor allem durch die Schwäche des chinesischen Markts sowie die Handelskonflikte (USA, China, Brexit), habe den Wettbewerbsdruck erneut erhöht, teilte Reuter mit. Die Folgen: „Das für 2019 erwartete leichte Umsatzplus ist ausgeblieben, in unserem Lenkungsgeschäft gibt es wegen der geringeren Fahrzeugverkäufe spürbare Umsatzrückgänge, die vor allem Gmünd betreffen“.

Bosch gehe davon aus, „dass die aktuelle Marktentwicklung anders als bei der letzten Autokrise kein vorübergehender Einbruch sein wird. Im Gegenteil: „Am niedrigeren Marktvolumen wird sich nach unserer Einschätzung nichts ändern“, sagte Reuter. Darauf müsse sich Bosch AS einstellen: „Neben dem technologischen Wandel in der Mobilität hin zu elektrifizierten Fahrzeugen ändert sich auch das Nutzerverhalten. Car Sharing und andere Formen der Mobilität, die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmittel oder Zweirädern werden schneller und in größerem Umfang kommen als erwartet“, erklärte Reuter. Es werde künftig weniger darum gehen, ein Fahrzeug zu besitzen, und stärker darum, mobil zu sein. Dahinter steckten neue Mobilitätskonzepte, „an denen Bosch seit Längerem intensiv arbeitet“.

Auch das Auto von morgen braucht Lenkungen.

Stephanie Reuter, Bosch AS

Nach wie vor suche Bosch AS allerdings für einzelne Funktionen Spezialisten, insbesondere in der Software-Entwicklung. „Und wir werden in Gmünd den Zukunftssicherungspakt konsequent umsetzen“, betont Stephanie Reuter. Sie schränkt allerdings ein: „Wir haben noch nicht alle Ziele erreicht“. Zudem müsse Bosch AS auf das niedrigere Marktvolumen und geringere Kundenabrufe reagieren. Für 2019 seien mit den Arbeitnehmervertretern bereits 15 Schließungstage vereinbart. „Derzeit prüfen wir weitere Optionen“, ließ Reuter wissen.

Unstrittig sei, das Bosch AS weltweit die Strukturen an das anhaltend niedrigere Markt- und Kundenauftragsvolumen anpassen müssen: „Auch für Gmünd brauchen wir ein Konzept, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das gilt sowohl für die Fertigung, als auch besondere für den Verwaltungs-, Vertriebs- und Entwicklungsbereich“, sagte Stephanie Reuter. Wichtig für den Fertigungs- und Entwicklungsverbund innerhalb von Bosch AS und den Bosch-Geschäftsbereichen sei, so Reuter, „dass mittlerweile viel Bewegung in den Know-how-Transfer gekommen ist.“ So würden auch Mitarbeiter unter anderem von Gmünd nach Maklar in Ungarn und umgekehrt wechseln.

Überzeugende Produkte

Um den Auftragsrückgang zu kompensieren, „setzen wir an vielen Stellen an“, erklärte Reuter, „ wir brauchen deshalb wettbewerbsfähige Kosten, aber auch überzeugende Produkte“. Die Rückmeldungen der Kunden auf neue Produktgenerationen seien sehr positiv“, berichtete Reuter, „außerdem arbeiten wir eng mit anderen Bosch-Geschäftsbereichen zusammen, um den Kunden in Zukunft noch bessere Systeme anbieten zu können. Und nicht zuletzt investieren wir trotz der schwierigen Lage in moderne Arbeitsformen und unsere Teams“. Die Bosch AS-Sprecherin gewinnt der aktuellen Lage einen positiven Aspekt ab: „Lenkungen sind ein Produkt, das man auch in der übernächsten Fahrzeuggeneration braucht“.

Neuausrichtung bei Pumpen
Bosch AS plant eine Neuausrichtung des Geschäfts mit Lenkungspumpen für Pkw und Nkw sowie Getriebepumpen. Es soll eigenständig innerhalb der Bosch AS GmbH aufgestellt werden. Dafür werden strategische Optionen geprüft, auch einen Verkauf. Der Produktbereich soll sein wirtschaftliches Potenzial besser erschließen und wieder nachhaltig profitabel werden. Mitarbeiter und Arbeitnehmervertreter wurden Anfang August informiert.
Der Markt für hydraulische Lenkungen ist wegen der Zunahme von Elektrolenkungen stark rückläufig. Mit der Getriebepumpe für Pkw und der elektrifizierten Nkw-Lenkungspumpe EHPS laufen bei Bosch AS vielversprechende Produkte an. Dennoch befindet sich das Geschäft mit Lenkungspumpen derzeit in einer schwierigen Situation. Leitung und Entwicklung des Produktbereichs sind mit rund 100 Mitarbeitern vorrangig in Gmünd angesiedelt, produziert wird in Berlin, Nanjing/China und in Sorocaba/Brasilien. Weltweit beschäftigt der Bereich rund 1020 Mitarbeiter. -wh-

© Wirtschaft Regional 12.08.2019 18:08
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