Schleich ist verkauft

Eigentümer Die Schweizer Beteiligungsfirma Partners Group hat die Mehrheit am Schwäbischer Gmünder Spielzeughersteller übernommen.
  • Die Nachfrage nach Spielfiguren von Schleich wächst seit Jahren. Allein in Deutschland hat das Unternehmen seinen Umsatz 2018 um ein Viertel gesteigert. Foto: Schleich

Schwäbisch Gmünd-Herlikofen

Nach einigen Monaten der Käufersuche ist der Verkauf des Spielzeugherstellers Schleich unter Dach und Fach. Der bisherige Eigentümer Ardian, eine französische Beteiligungsgesellschaft, hat ihre Anteile an Schleich an die Schweizer Partners Group übergeben. Zum Kaufpreis wurde nichts bekannt. Allerdings dürfte der Preis bei weit mehr als 300 Millionen Euro liegen. Für die Franzosen ein gutes Geschäft mit satter Rendite: Ardian hatte das Unternehmen vor knapp fünf Jahren für 220 Millionen Euro von HG Capital übernommen.

Seither hat Schleich – traditionell als äußerst renditestark bekannt – den Umsatz um rund 70 Prozent gesteigert. 2014 lag der Umsatz bei 104 Millionen Euro, im vergangenen Jahr erlösten die Herliköfer rund 183 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im selben Zeitraum von 340 auf heute 400. Bereits im Januar war bekannt geworden, dass Ardian den Ausstieg plant und die Bank Morgan Stanley mit der Käufersuche beauftragt hat.

Schleich ist aktuell einer der größten deutschen Spielzeughersteller, der seine Produkte in mehr als 50 Ländern verkauft. „Schleich befindet sich auf Produkt- und Unternehmensebene mehr denn je auf Augenhöhe mit den ganz großen Marken der Spielwarenbranche und ist gleichzeitig seiner Tradition und seinen Werten treu geblieben“, erklärt Schleich-Chef Dirk Engehausen anlässlich der Übernahme. Ohne die Unterstützung Ardians wäre die Entwicklung „nicht in dieser Geschwindigkeit und Konsequenz“ möglich gewesen. Man bedanke sich deshalb beim früheren Eigentümer. „Wir sind bestens vorbereitet und hoch motiviert, nun mit Partners Group den nächsten Schritt auf dem eingeschlagenen Weg zu gehen und freuen uns auf die Zusammenarbeit“, so Engehausen über den neuen Eigentümer.

Die Partners Group wurde im Jahr 1996 gegründet, hat ihren Sitz in Baar im schweizer Kanton Zug und verwaltet aktuell ein Vermögen von 73 Milliarden Euro. Niederlassungen befinden sich unter anderem in Denver, Houston, Toronto, New York, London, Paris und München sowie in Asien und dem Nahen Osten. Das Unternehmen ist an der schweizer Börse SIX notiert und gehört nach Börsenwert zu den 20 größten Firmen der Schweiz.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Dirk Engehausen
Schleich-Chef

2018 hat Partners mehr als 15 Milliarden Euro investiert

Trotz dieser Größe und rund 1200 Mitarbeitern weltweit ist das Unternehmen kaum bekannt – dabei aber kaum weniger umtriebig als die größten (und bekannteren) Firmen aus dem Beteiligungsgeschäft wie zum Beispiel Blackstone, KKR oder Carlyle. Während diese nämlich gerne größere und prominentere Unternehmen übernehmen, hat die Partners-Gruppe mittelgroße Firmen weltweit im Visier.

Was die Schweizer hingegen mit der prominenten Konkurrenz eint: Auch sie verfolgen einer eher kurz- bis mittelfristigen Ansatz. Das primäre Ziel ist, das Unternehmen einige Jahre nach der Übernahme gewinnbringend weiter zu verkaufen. Bei einigen Firmen griff Partners jedoch in das operative Geschäft ein – indem etwa das Management ausgetauscht wurde.

Allein 2018 hat die Partners Group weit mehr als 15 Milliarden Euro in neue Firmen investiert. Zu den Kunden, die Partners ihr Vermögen anvertrauen, gehören vornehmlich institutionelle Anleger wie etwa Pensionskassen. Das Geschäft von Partners Group läuft gut. Das spiegelt der Börsenkurs wider. 2006 ging das Unternehmen an die Börse. Damals kostete die Aktie 70 Euro, heuer notiert das Papier jenseits der 650 Euro.

© Wirtschaft Regional 09.07.2019 15:10
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