Handwerk wächst – und hat Zukunft

Handwerkskammer Ulm Bei der Jahresbegegnung in Gmünd werden die Zukunftspreise 2019 vergeben. Jörg Heynkes erklärt, warum das Handwerk auf die Digitalisierung vorbereitet sein muss.
  • ...und einen Sonderpreis an Simon Haag aus Neuler. Fotos:wh
  • Bürgermeister Joachim Bläse übergibt Zukunftspreise. An Alfred Keller aus Überlingen und Peter Stelzer aus Ellwangen...

Schwäbisch Gmünd

Bei der „Jahresbegegnung“ der Handwerkskammer Ulm (Ostalbkreis, Landkreise Heidenheim, Alb-Donau, Biberach, Ravensburg, Bodensee und Stadt Ulm) begrüßt Joachim Krimmer am Freitag in der B26 Oldtimer Manufaktur zahlreiche Partner aus Politik, Schule und Gesellschaft.

„Das Handwerk wächst“, berichtet der Präsident: Die Zahl der Mitgliedsbetriebe steigt seit 2014 um fünf Prozent, die der Azubis zum fünften Mal in Folge um zehn Prozent (trotz sinkender Schülerabgangszahlen). Daraus folgert Krimmer: „Die Ausbildung im Handwerk bringt Perspektive. Das verstehen immer mehr junge Menschen, auch 450 Geflüchtete, die eine Ausbildung absolvieren, und Abiturienten, deren Anteil auf 15 Prozent gestiegen ist.“ Gleichzeitig steigen auch die Erwartungen der Kunden ans Handwerk und der Anspruch an die handwerkliche Ausbildung. Investitionen in die berufliche Bildung sind nötig, wie die 8,6 Millionen Euro in die Bildungsakademie Ulm. Krimmer: „In diesem lernenden Gebäude ist erlebbar, wofür Digitalisierung im Handwerk steht.“ Durch die Zusammenarbeit mehrerer Gewerke würde dem Handwerk Wertigkeit gegeben. Krimmer ruft die Handwerker auf, sich wieder an der Wertschöpfung zu beteiligen und verloren gegebene Inhalte im Planerischen wieder zurückzuholen, durch Lernen und Bildung.

Aktiv um Fachkräfte werben

Von der Politik erwart das Handwerk bessere Rahmenbedingungen. Krimmer meint die digitale Datenübertragungsnetze, Breitband und 5G, die Grundsteuerreform oder das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz. Letzteres soll arbeitsmarktorientiert sein, damit auch Handwerker leichter Fachkräfte anwerben können. „Der erfolgreiche Handwerksbetrieb von morgen bringt sich aktiv auf dem Fachkräftemarkt ein, weiß der Präsident: „Nur werden qualifizierte Fachkräfte gebunden“. Mit Genugtuung registriert Krimmer, dass die Bundespolitik über die Änderung der Handwerksordnung und die Wiedereinführung der Meisterpflicht diskutiert und nach 15 Jahren den „Sündenfall am Handwerk“ von 2004 wieder gut machen will. Aufgabe der Fachverbände sei es, zu argumentieren, warum ihr Gewerk wieder in die Meisterpflicht wandern soll.

Der MeisterSTUDENT

Politik korrigiert Sündenfall am Handwerk.

Joachim Krimmer
Präsident

Die Änderung der Handwerksordnung könne zu einer Erfolgsgeschichte werden, wenn der Bund die Ausdehnung des Meister-BAföGs beschließt. „Das ist für das Handwerk in Kombination mit der Meisterprämie auf Landesebene interessant“, betont Krimmer. Mit der Meisterprämie und der Ausdehnung des BAföGs für die Meister wäre ein großer Schritt getan hin zu mehr Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung – Joachim Krimmer: „Schließlich kostet eine Meisterausbildung rund 12 000 Euro, für ein akademischen Studium trägt der Staat nahezu alle Kosten. Deshalb sprechen wir vom MeisterSTUDENTEN, weil niemand verstand, was sich hinter MeisterSCHÜLER verbirgt.

Nach einem Grußwort von Gmünds Bürgermeister Dr. Joachim Bläse werden die Zukunftspreise 2019 des Handwerks vergeben (siehe Infokasten). Vor dem Abendessen und einem Konzert der „Art of Ease“ spricht Jörg Heynkes (57) zum Thema „Zukunft 4.1 – Die große digitale Transformation.“

Kommt wie ein Tsunami ...

Der Zukunftsmacher aus Wuppertal sagt, dass die Digitalisierung „wie ein Tsunami“ auf uns zurollt und unser Leben verändern wird wie es Google, Apple, Amazon oder Facebook bereits taten: „Wir müssen darauf vorbereitet sein, Daten sind das Öl von morgen.“ Heynkes wägt Chancen und Risiken ab. Nicht Angst, aber Sorgen machen würden Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, „weil wir nicht über die notwendige Kompetenz verfügen, um mit diesen Systemen seriös umzugehen“. Deshalb müssten Spielregeln und ein Kontrollsystem geschaffen werden. Dafür brauche es Kompetenz und Entschlossenheit, daran mangelt es noch.

Der Zukunftspreis der Handwerkskammer Ulm belohnt Handwerksbetriebe, die engagiert die Themen Innovationsfähigkeit, Digitalisierung, Nachfolgeregelung, Fachkräftesicherung und Nachhaltigkeit verbinden.
1.: Gabriel GmbH, Ebersbach-Musbach, Heizungstechnik.
2. Weber-Zahntechnik, Owingen.
3.: Alfred Keller GmbH, Überlingen, Sanitär-Heizung-Lüftung.
3.: Flaschnerei Stelzer, Ellwangen, 18 Mitarbeiter, Flaschnerarbeiten und Abdichtungen. Besondere Innovation: Stelzer verwendet Theodolit zur Vermessung von Fassaden.
Sonderpreis Nachwuchswerbung·: Haag Bau GmbH, Neuler, 118 Mitarbeiter, Straßen-, Tief- und Erdbau. Besondere Innovation: Digitale Geländemodelle zur Planung und Abrechnung.

© Wirtschaft Regional 05.07.2019 20:14
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