Schock Profilsysteme meldet Insolvenz an

Industrie Beim Hersteller von Kunststoffprofilen in Lorch-Waldhausen sind 100 Mitarbeiter betroffen. Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter.
  • Firmengebäude der Schock Profiltechnik in Waldhausen. Foto: Heinz Joos

Lorch-Waldhausen

Die Schock-Gruppe, Kunststoffverarbeiter mit Sitz in Lorch-Waldhausen, hat für ihre drei Gesellschaften Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen ist auf die Produktion von Sockelleisten und Wandabschlussprofilen für die Küchen- und Möbelbranche, für Baumärkte und Einzelhandelskonzerne sowie Scannerleisten für Preisauszeichnungen im Einzelhandel spezialisiert.

Das Amtsgericht Aalen bestellte Dr. Holger Leichtle (Schock Profilsysteme GmbH & Co. KG), Sebastian Krapohl (MS Profiltechnik GmbH) und Holger Blümle (Schock Verwaltungs GmbH) zu vorläufigen Insolvenzverwaltern.

„Wir halten den Geschäftsbetrieb in allen Gesellschaften ungeachtet der Insolvenzanträge in vollem Umfang aufrecht“, betont Holger Leichtle. Die rund 100 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe sind bis einschließlich August über das Insolvenzgeld abgesichert. Betroffen sind rund 80 Mitarbeiter der Schock Profiltechnik sowie 20 Mitarbeiter der MS Profiltechnik – jeweils am Standort Waldhausen. „Alle bestehenden Aufträge werden fach- und zeitgerecht sowie ohne Abstriche bei den hohen Qualitätsanforderungen erfüllt. Schock ist bereit und in der Lage, neue Aufträge anzunehmen und zu bearbeiten“, so Leichtle.

Suche nach Investor

Der operative Kern der Unternehmensgruppe ist unserer ersten Einschätzung nach intakt und trägt sich.

Sebastian Krapohl
Vorläufiger Insolvenzverwalter

Ursache der wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind nach Unternehmensangaben der Preisdruck bei Kunststoffprofilen am Markt, hohe Altverbindlichkeiten aus der Zeit der Gesellschaftsgründung sowie hohe Kosten interner Restrukturierungsmaßnahmen. Eingeleitete Restrukturierungsmaßnahmen sollen darüber hinaus zu einem Rückgang der Kapazitäten und des Umsatzes geführt haben, sodass nicht mehr ausreichend Liquidität zur Verfügung gestanden habe. „Der operative Kern der Unternehmensgruppe ist unserer ersten Einschätzung nach aber intakt und trägt sich“, berichtet Rechtsanwalt Sebastian Krapohl. „Wir werden in den kommenden Wochen verschiedene Sanierungsoptionen prüfen und darauf basierend erste Maßnahmen ergreifen, um die Schock-Gruppe neu aufzustellen. Zusätzlich werden wir in Kürze eine zielgerichtete Suche nach potenziellen Investoren anstoßen, die sich einen Einstieg bei Schock vorstellen können.“

Die Schock-Gruppe verzeichnete nach eigenen Angaben zuletzt einem Jahresumsatz von etwa 15 Millionen Euro.

Hervorgegangen ist das Unternehmen aus den Schorndorfer Schock-Werken. Mitglieder der Familie Schock hatten dort 1924 eine Fabrik für Holzzierleisten gegründet. Später stieg das Unternehmen zu einem führenden Küchenausstatter auf. 2001 übernahmen Finanzinvestoren das insolvenzgefährdete Unternehmen. 2006 verlegte die Schock GmbH, die Spülen und Becken für Küchen produziert, ihren Sitz ins bayerische Regen. Laut Presseberichten sind dort zurzeit 550 Mitarbeiter beschäftigt.

Ebenfalls 2006 wurde die nun insolvente Schock Profilsysteme ausgegliedert und nach Waldhausen verlegt. Das ehemalige Schock-Plattenwerk in Lorch meldete nach einem Eigentümerwechsel 2009 Insolvenz an und wurde stillgelegt.

© Wirtschaft Regional 01.07.2019 18:33
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