„Diese Fabrik wird eine Innovation“

Interview Andreas Lutz, Leiter des Standorts von TE Connectivity in Wört und Dinkelsbühl, über die 50 Millionen Euro schwere Investition, die für den gesamten Konzern extrem wichtig ist.
  • Andreas Lutz, Site-Manager im TE-Werk Wört-Dinkelsbühl. Foto: TE Conncectivity

Wört

TE Connectivity investiert in Wört 50 Millionen Euro in eine Fabrik. Damit will der Konzern zu einem führenden Zulieferer für Hybrid- und Elektro-Autos werden. Im Gespräch erklärt Standortleiter Andreas Lutz die Hintergründe.

Herr Lutz, warum ist die neue Fabrik, die Ihr Konzern für 50 Millionen Euro in Wört baut, so wichtig für TE – und den Standort?

Andreas Lutz: Für den Standort und das gesamte Unternehmen ist diese Investition von signifikanter Bedeutung. Wir erweitern den Standort um 9000 Quadratmeter. Es ist eine Investition in zukünftiges Wachstum und in wichtige Zukunftsfelder wie die Elektromobilität oder Hybridtechnologie. Überdies schaffen wir zusätzliche Kapazitäten, die wir aufgrund des Wachstums benötigen. Für den Standort ist das Invest sogar größer als jener in die neue Galvanik, die wir 2016 in Betrieb genommen haben.

Aktuell ist die Unsicherheit um die Elektromobilität vor allem bei den deutschen Autobauern und deren Zulieferer, zu denen sie auch gehören, recht groß…

Grundsätzlich sind wir mit unserem Produktportfolio sehr breit aufgestellt. Hinzu kommt, dass wir keine speziellen Kunden, sondern die kompletten Märkte bedienen und als innovatives Unternehmen und als ein Marktführer den Wandel kontinuierlich begleiten. Die Elektromobiliät gehört zu den Zukunftsfeldern. Dort wollen wir mit unseren Kunden wachsen. Es ist aber richtig, dass in den Märkten gerade sehr viel Bewegung ist, der klassische Verbrenner ist zwar nicht am Ende, aber die Nachfrage nach Alternativen wächst. Mit der Investition rüsten wir uns für diese und wollen ebenso im Segment der Hybrid-Fahrzeuge wachsen. Wir sehen den Wandel in der Branche eher als Chance.

Einige Hersteller gehen diesen Wandel zögerlich an und wollen weiter auf effizientere Verbrenner setzen…

Es ist nicht unsere Aufgabe, Situationen zu werten, sondern auf die Anforderungen der Kunden und Märkte innovative und nachhaltige Lösungen anzubieten. Dementsprechend werden wir immer unsere Kundenmärkte in die jeweiligen Richtungen begleiten. Überdies sind wir nicht der klassische TIER1-Lieferant, sondern beliefern Zulieferer und OEMs.

Was genau werden Sie in der neuen Fabrik fertigen?

Wir schaffen 70 neue Arbeitsplätze.

Andreas Lutz
Standortleiter TE Connectivity

Wir werden vor allem Verbindungslösungen für Batteriezellen in Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen herstellen. Der Standort wird Teil des Fabrikverbundes in Wört und Dinkelsbühl und stellt sicher, dass wichtige Kunden aus der Automobilindustrie optimal beliefert werden können. Das Spannende an dem Projekt ist aber: Der Standardisierungsgrad ist noch nicht allzu hoch, die Produkte werden komplexer, die Prozesse ebenfalls. Diese Fabrik wird eine echte Innovation.

TE Connectivity ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Wie ist das vergangene Geschäftsjahr gelaufen?

Solide. TE insgesamt hat im vergangenen Geschäftsjahr im Jahresvergleich ein Umsatzwachstum von 15 Prozent auf 14 Milliarden Dollar erreicht. Im Automotive-Bereich gab es auch ein solides Wachstum. Zwar gab es zum Ende 2018 Faktoren wie die Einführung einer neuen Testmethode für Abgasemissionen (WLTP) oder auch die Brexit-Unsicherheiten, die den Absatz von Fahrzeugen negativ beeinflusst haben. TE hat jedoch entgegen dem Trend im Markt ein gutes Wachstum eingefahren.

Wie hat sich der Standort Wört/Dinkelsbühl im Jahr 2018 entwickelt?

Sehr gut. Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Nach der Investition in die Galvanik haben wir im vergangenen Jahr im Innenhof des Standorts eine neue Produktionshalle mit rund 1000 Quadratmetern Fläche gebaut. Nun gab es den Spatenstich zur neuen Fabrik.

Wie wirkt sich das auf die Zahl der Mitarbeiter in Wört/Dinkelsbühl?

Durch die neue Fabrik schaffen wir 70 neue Arbeitsplätze. Zudem ist der Standort in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen: 2016 haben wir noch 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Deren Zahl ist auf zuletzt 1800 gestiegen, 1200 davon in Wört. Primär hatten wir in der Vergangenheit damit zu kämpfen, den generellen Fachkräftebedarf zu decken und natürlich folgt dem physischen Wachstum auch ein Anstieg der Mitarbeiter. Allerdings müssen wir in einem Hochlohnland wie Deutschland den Automatisierungsgrad permanent auf einem sehr hohen Level halten, um wettbewerbsfähig zu sein.

Der Fachkräftemangel hat viele Firmen in der Region im Griff. Wie ist die Lage bei TE?

Sicherlich ist das Thema Fachkräftemangel definitiv auch bei uns angekommen. Wir sind jedoch aufgrund unserer Ausbildung in der Lage, eine große Lücke schließen zu können. Mit mehr als 100 Auszubildenden, einer Ausbildungsquote von 6 Prozent und einer Übernahmequote von fast 100 Prozent sind wir sehr dynamisch unterwegs und bilden schon heute unsere Fachkräfte für morgen und übermorgen aus.

© Wirtschaft Regional 12.06.2019 10:22
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