100 Jahre Bansbach Easylift

Jubiläum Zwei Erfinder, eine Werkstatt, viele Innovationen: Was vor 100 Jahren als Wagnis begann, entwickelte sich zu einem internationalen Mittelständler mit mehr als 400 Mitarbeitern.
  • Der Stammsitz von Bansbach Easylift in Lorch. Foto: Bansbach Easylift

Lorch

Mehr als acht Millionen Euro hat Bansbach Easylift in den Stammsitz investiert. Damit beschenkte sich der größte Arbeitgeber der Stadt sich nicht nur selbst zum 100. Geburtstag, sondern stellte auch die Weichen für zukünftiges Wachstum. Bansbach ist heute weltweit ein Begriff für hochwertige Gasfedern.

Das Unternehmen mit 400 Mitarbeitern konzentriert sich auf die Fertigung von Gasfedern. Heute wird das Unternehmen in der dritten und vierten Generation von der Familie Bansbach geführt. Gegründet wurde es – klassisch für einen schwäbischen Mittelständler – in einer kleinen Werkstatt in Bad Cannstatt. Allerdings in einer Epoche, in der ein Unternehmen mehr Wagnis als Chance war.

Hermann Bansbach sen. und sein Schwiegervater Gottlieb Schramm gründeten das Unternehmen 1919 kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs. Weltwirtschaftskrisen folgten. Schramm und Bansbach ließen sich nicht beirren, meldeten zahlreiche Patente an – und stellten einfach das her, was gefragt war: von Mikroskopen über Großsägen bis hin zu Regenschirmen der Marke Knirps. Bahnbrechend war die Erfindung einer Pferdeputzmaschine in den 1920er-Jahren. Mit ihrer Innovationskraft prägten die Gründer die noch heute gültige Firmenphilosophie.

Auch Hermann Bansbach junior orientierte an den Bedürfnissen der Märkte. Er übernahm das Ruder 1954. Damals lag der Schwerpunkt auf Mengendrehteilen, Vorrichtungen und Werkzeug- und Entgratschnitten. In Cannstatt wurde der Platz zu klein. Auf der Suche nach einem Standort wurde Bansbach in Lorch fündig, wohin die Firma 1958 zog. Bansbach junior war es, der 1966 die Gasfeder einführte – und den Grundstein für das heutige Geschäft legte.

Zu diesem Zeitpunkt war das Grundprinzip der Gasfeder bekannt, nicht jedoch die Maschinen, um die Einzelteile zu einer funktionierenden Gasfeder zu verbinden. Bansbach jun. entwickelte eine Füll- und Verschließvorrichtung, die er patentieren ließ: die Geburtsstunde der Bansbach-Gasfeder. Gemeinsam mit seiner Frau Annemarie Bansbach, einer Unternehmertochter formte er die Firma zu einem Mittelständler. Die Gasfedern wurden weiterentwickelt, Funktionen und Anwendungen erweitert.

So erschloss Bansbach die internationalen Märkte, 1975 begann die Zusammenarbeit mit dem ersten ausländischen Vertriebspartner (mit Albert Jagger, kooperieren die Lorcher seit 44 Jahren). Bansbach investierte in das Geschäftsfeld, baute das Portfolio Schritt für Schritt aus.

Unser Ziel war stets, das Unternehmen unabhängig zu führen.

Edgar Hahn-Bansbach
Bansbach Easylift

Die Folge: 1980 wurde der Stammsitz vergrößert. Vier Jahre später übernahm man das angrenzende Grundstück der Firma Lauber, 1986 die Immobilien der Firma Tast. Die Produktionsfläche verdreifachte sich. 1984 trat Edgar Hahn-Bansbach ins Unternehmen ein, nachdem er Mitte der 1970er-Jahre Ferienjobs im Betrieb übernommen hatte. Er arbeitete nicht nur an der Internationalisierung, sondern führte Bansbach ins IT-Zeitalter. 1989 wurde die erste, zu großen Teilen eigenentwickelte Roboteranlage zur Fertigung von Gasfedern in Betrieb genommen. Parallel erschlossen die Lorcher Märkte wie die Türkei, China oder Russland.

Zum 75. Geburtstag des Unternehmens übernahmen Silke Bansbach und Edgar Hahn-Bansbach 1994 im Rahmen eines Management-Buy-Outs die Firma. Bei jeder Expansion ins Ausland stellte Hahn-Bansbach vor Ort die Weichen. In Singapur wurde 1995 eine eigene Vertriebsgesellschaft gegründet, um den asiatischen Markt zu erschließen.

Mitte der 2000er war Bansbach in jedem Industrieland vertreten. 2007 übernahmen die Lorcher in der Schweiz die Bansbach Feinmechanik AG und bauten drei Jahre später in der Nähe von Zürich eine neue Fertigungshalle. Zwei Jahre später wurde der nordamerikanische Vertriebspartner Easylift in die Gruppe integriert. „Durch die Übernahme konnten wir neue Potenziale im nordamerikanischen Markt heben“, so Hahn-Bansbach. Heute arbeiten mehr als 50 Menschen für Bansbach in den USA. Selbst die Finanzkrise 2008 brachte Bansbach nicht aus dem Konzept: Statt den Rotstift anzusetzen, investierte das man in den Neubau einer 3000 Quadratmeter großen Fertigungshalle am Stammsitz.

„Unser Ziel war stets, das Unternehmen unabhängig von einzelnen Märkten und Branchen und vor allem unabhängig von Investoren und sonstigen Geldgebern zu führen. Und uns war immer wichtig, ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein“, erklärt er. Produktionsverlagerungen ins billige Ausland, Kurzarbeit oder gar Entlassungen standen nie zur Debatte. Unter seiner Führung stieg die Zahl der Mitarbeiter von 39 im Jahr 1984 auf aktuell 400, der Umsatz verzwanzigfachte sich in dieser Zeit.

Seit dem Jahr 2002 steht die vierte Generation, Anna Bansbach, bereit. Wie es bei Bansbach üblich ist, hat sie das Geschäft von der Pike auf gelernt, startete mit einer Ausbildung zur Industriemechanikerin, ehe sie nach Abitur und Studium in die Geschäftsführung eintrat.

© Wirtschaft Regional 12.06.2019 10:22
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