Bei Palm geht es jetzt richtig los

Neubau Die größte Investition in der Region nimmt Fahrt auf. Nach dem Teilabriss steht nun der Bau der riesigen Papierfabrik bevor – von dem auch viele regionale Baufirmen profitieren werden.
  • Ein Besuch auf der Baustelle: (von links) Thilo Rentschler, Klaus Pavel, Wolfgang Palm, Wolfgang Steidle und Winfried Mack. Foto: Oliver Giers

Aalen

Rund eine halbe Milliarde Euro investiert die Papierfabrik Palm in ein neues Werk in Aalener Stadtteil Unterkochen. Am Freitag wurde offiziell der Spaten gestochen für eine der größten Investitionen in der Wirtschaftsgeschichte der Region Ostwürttemberg. Landrat Klaus Pavel freute sich: „Das macht uns natürlich stolz. Diese Investition ist beispielhaft für den Ostalbkreis“, so Pavel. „Wir wollen mit unseren familiengeführten Unternehmen auf der Ostalb alles unternehmen, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.“ Aalens OB Thilo Rentschler erklärte: „Der Geschäftsführung und allen Mitarbeitern der Firma Palm gilt heute mein Respekt. Sie können stolz sein auf alles, was bis jetzt schon für den Bau der neuen Papierfabrik bewegt wurde“

Seit dem 23. Mai liegt Palm die vorläufige Baugenehmigung für Teile des Projekts vor. „Wir sind absolut im Zeitplan. Bei einem Bau dieser Größe ist es üblich, dass die offizielle Baugenehmigung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.“ Die neue Papierfabrik soll bis 2022 entstehen. Sie soll besonders energieeffizient sein, nachhaltig Verpackungspapiere herstellen und am Stammsitz Arbeitsplätze sichern, so Palm. Nicht nur bei dem Unternehmen selbst, das einen Jahresumsatz von rund 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Denn einige regionale Baufirmen durften sich über Großaufträge freuen.

„Wir setzen wenn möglich auf Firmen aus dem Ostalbkreis“, so Palm. Für den Bau der Kläranlage zeichnet etwa das Bauunternehmen Traub verantwortlich. „Wir sind stolz, an diesem Projekt mitarbeiten zu können“, sagte Franz Traub beim Spatenstich. Die Ebnater haben sich zudem mit der Firma Glass aus Mindelheim bei Memmingen zu einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) zusammengeschlossen, um die anderen Rohbauarbeiten zu übernehmen und zum Beispiel die komplexen Papiermaschinenhallen zu erstellen. Der Schornstein wird von der Gmünder Firma Siegle konstruiert. Beim Auftrag für eine Anlage zur Sortierung sowie dem Transport von Altpapierstoffresten kam die SHW Storage and Handling Solutions aus Hüttlingen zum Zug.

Ein Bau der Superlative

Die Aalener Firma Rossaro wiederum baut bereits an den Lkw- und Pkw-Parkplätzen. Dieses Teilprojekt soll als eines der ersten fertig gestellt werden – und damit den Verkehr in Unterkochen spürbar entlasten. „Dann ist nur noch die Ein- und Ausfahrt über die B19 sinnvoll“, erklärt Palm. Das sei die kürzeste Route – „und für die haben Lkw-Fahrer bekanntlich ein feines Näschen“.

Die Investition ist beispielhaft für den Kreis.

Klaus Pavel
Landrat Ostalbkreis

Die große Investitionssumme ist die eine Seite, der bauliche Aufwand und das nötige Know-how die andere. „Es ist ein sehr großer Bau. Die Firmen verbauen sehr viele Fertigbetonteile, die Produktion würde ein durchschnittliches Fertigbetonwerk in Deutschland rund anderthalb Jahre komplett auslasten“, sagt Palm. Neben den regionalen Baufirmen kommen Spezialisten aus allen Gewerken zum Einsatz. Die Elektroinstallation könne aufgrund der schieren Größe nur ein Konzern wie Siemens stemmen. Die Firma Glass sei ein ausgewiesener Experte für Papiermaschinenhallen und habe bereits rund die Hälfte dieser Bauwerke in Europa realisiert.

Palm betonte, sämtliche Anforderungen in Sachen Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Verkehr „überzuerfüllen“. Das neue Kraftwerk werde nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung funktionieren und mit einer Gasturbine einen Nutzungsgrad von 90 Prozent erreichen. „Das Kraftwerk kann sogar die ganze Stadt Aalen mit Stromüberschüssen versorgen“, so der Firmeninhaber.

„Euphorie in der Belegschaft“

Während Wirtschaft und Politik von Anfang an begeistert waren, hatte sich kurz nach der Bekanntgabe der Pläne eine Bürgerinitiative namens „Pro-Uko“ gebildet und Bedenken angemeldet. Die dürften nun ausgeräumt sein. Allerdings versucht noch immer ein harter Kern von wenigen Widersachern, den Bau zu verhindern. „Wir bekommen Anzeigen wegen angeblich unrechtmäßiger Vorgänge auf dem Betriebsgelände“, erzählt Palm. So störte einen Nachbarn, dass die Firma Teile des Altpapiers unter freiem Himmel lagere. „Das tun wir seit 147 Jahren“, sagt Palm. „Wir geben dann unsere Stellungnahmen ab. Und das war es.“ Die Beanstandungen verpufften schnell.

Der Stimmung in der Belegschaft tut das allerdings überhaupt keinen Abbruch. „Ich spüre eine regelrechte Euphorie“, sagt Palm über die rund 300 Mitarbeiter am Standort. Die hatte nur rund um den Erörterungstermin in Aalen einen kleinen Dämpfer erlitten. „Da war natürlich eine Unsicherheit spürbar. Aber unsere Mitarbeiter stehen voll hinter dem Bau. Inzwischen freuen sich alle, dass es endlich richtig los geht.“

© Wirtschaft Regional 07.06.2019 16:23
689 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?