Das Aus für Gmünder Gießerei

Insolvenzverfahren Geschäftsbetrieb der Gmünder Stahl + Edelstahlguss GmbH & Co. KG, früher Gatter, wird eingestellt. 43 Beschäftigte bald arbeitslos.
  • Steht vor dem Aus: Die Gießerei Gmünder Stahl- und Edelstahlguss in der Mutlanger Straße. Foto: Tom

Schwäbisch Gmünd.

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden: Zwar wurde am 1. Juni das Insolvenzverfahren der Gmünder Stahl + Edelstahlguss GmbH & Co. KG eröffnet, aber die 1881 von Ferdinand Gatter und Georg Klein begründete Gießerei-Tradition in der Mutlanger Straße steht vor dem Aus. Der vom Amtsgericht Aalen zum Insolvenzverwalter der Nachfolgefirma der früheren Gießerei Gatter bestellte Anwalt Fritz Zanker von der Pluta Rechtsanwalts-GmbH in Ulm musste nun eingestehen, dass seine Bemühungen als vorläufiger Verwalter, einen Investor zur Fortführung zu finden, ergebnislos blieben. Die Konsequenz: „Der Geschäftsbetrieb muss stillgelegt werden, bestehende Aufträge werden voraussichtlich bis Ende September abgearbeitet“, ließ Zanker mitteilen. Danach werde die Firma liquidiert und die Vermögenswerte veräußert. Die 43 Mitarbeiter wurden über die bevorstehende Stilllegung informiert. Ein Teil der Belegschaft sei sofort freigestellt worden, sagte eine Pluta-Sprecherin, die genau Zahl wurde nicht genannt. Kündigungen seien noch nicht erfolgt. Damit ist aber demnächst zu rechnen. Fritz Zanker erklärte, er bedaure die Entwicklung für die Gießerei und für die motivierten Mitarbeiter“. Die deutsche Gießereibranche stehe aktuell stark unter Druck, da unter anderem die hohen Energiekosten die Betriebe belasten.

Die Mitarbeiter, die mit Lohnverzichten und dennoch hoch motiviert um den Fortbestand ihrer Arbeitsplätze kämpften, stehen nun vor einem Scherbenhaufen. „Weil es in der Gießerei keinen Betriebsrat gibt und das insolvente Unternehmen angeblich ohne Vermögen ist, haben die Beschäftigte keine Chance auf einen Interessenausgleich und einen Sozialplan“, sagte Peter Yay-Müller auf Anfrage. Der 2. Bevollmächtige der IG Metall will jetzt versuchen, für die wenigen IG-Metallmitglieder unter den Beschäftigten neue Arbeitsplätze zu finden.

Jörg Titus Wisser, Eigner der AZ-Gießerei-Gruppe in Mönchweiler, zu der die Gmünder Gießerei gehört, war am Dienstag erneut nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Er hatte der 2013 in Schieflage geratene Gießerei Gatter in deren erstem Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung für einen Sozialplan 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. So wurden 54 von 90 Arbeitsplätzen gerettet. Die Sanierung misslang aber. Wisser übernahm 2017 alle Anteile an Gatter und firmierte die Gießerei zum 1. Januar 2018 auf Gmünder Stahl + Edelstahlguss GmbH & Co. KG um. Auch mit Petra Heinrich als Geschäftsführerin gelang der Turnaround nicht. Weshalb Wisser noch Anfang 2019 ankündigte, mit dem Bau einer Lagerhalle im Gewerbegebiet Gügling-Nord zu beginnen und den Umzug von der problematischen Lage an der Mutlanger Straße einzuleiten, bleibt nicht nur Peter Yay-Müller ein Rätsel. Wisser sprach von neuen Großaufträgen von Komponenten für Meerwasserentsalzungsanlagen. Was Wisser mit dem von der AZ-Beteiligungs-GmbH gekauften 10.000 Quadratmeter große Grundstück plant, will Alexander Groll „schnell klären“. Der städtische Wirtschaftsbeauftragte will mit Wisser auch über die Zukunft der Immobilie und des Areals der Gießerei an der Mutlanger Straße sprechen: „Das ist infrastrukturell für Gmünd ja von großer Relevanz“.

Das Amtsgericht hat auch das Insolvenzverfahren der Gmünder Gießereibeteiligung GmbH, der operativ nicht tätigen Komplementärin der Gmünder Stahl + Edelstahlguss, eröffnet.

© Wirtschaft Regional 04.06.2019 19:19
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