„Hier schlägt das Herz von Ziegler“

Interview Finanzchef Bernd Geiselmann über die Zukunft des Feuerwehrausstatters aus Giengen sieht die Zugehörigkeit zum chinesischen CIMC-Konzern als Segen für die Mitarbeiter.
  • Bernd Geiselmann, Geschäftsleiter Finanzen und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Albert Ziegler GmbH in Giengen. Foto: ham

Die Albert Ziegler GmbH in Giengen ist als Ausrüster für Feuerwehrfahrzeuge und Anbieter von Feuerwehrtechnik weit über die Region hinaus bekannt. Nach einer Kartellstrafe in Millionenhöhe, von der neben Ziegler auch andere Feuerwehrausrüster betroffen waren, musste das Unternehmen 2011 Insolvenz anmelden. Im Dezember 2013 wurde Ziegler vom chinesischen Container- und Logistikkonzern CIMC übernommen. Seither geht es am Stammsitz Giengen wieder aufwärts – zuletzt wurden Teile des Werksgeländes neu hergerichtet. Bernhard Hampp hat mit Bernd Geiselmann, Geschäftsleiter Finanzen und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Albert Ziegler GmbH, gesprochen.

Ziegler hat das Firmengelände in Giengen für rund eine Million Euro mit einem neuem Eingangsbereich und Shop umgestaltet. Hat die Betriebsamkeit dadurch zugenommen?

Etwas mehr ist schon los. Die Feuerwehren, die ihre Fahrzeuge abholen, nehmen die neuen Gebäude gut an. Auch im neuen Ziegler-Shop kaufen sie gern T-Shirts, Jacken oder andere Fanartikel ein. Allerdings ist der Shop nur als zusätzliches Angebot für unsere Kunden im neuen repräsentativen Eingangsbereich gedacht, nicht als der große Besuchermagnet.

Wie viele Fahrzeuge verlassen denn pro Jahr das Werksgelände in Giengen?

Es sind jährlich zwischen 200 und 250 Fahrzeuge. Allerdings sind die Vertreter der Feuerwehren, die bei Ziegler ein Fahrzeug in Auftrag geben, meistens öfter als einmal bei uns. Es gibt ja auch Vorbesprechungen und Gespräche zur Auftragsklärung, Rohbauabnahme bis hin zur Endabnahme. Schließlich hat jede Feuerwehr ihre eigenen Vorstellungen, was die Ausstattung und Beladung der Fahrzeuge angeht.

Wie können solche Vorstellungen aussehen?

Wir kaufen die Fahrgestelle mit den Fahrerkabinen zu, auf denen wir sämtliche Aufbauten projektieren, teils selbst herstellen und komplett montieren. Also die Mannschaftskabine, den Gerätekoffer, den Tank, die Schläuche und die Pumpe. Zugekauft werden Ausrüstungsgegenstände wie Kettensägen, Äxte oder zum Beispiel Stromerzeuger. Neben der Realisierung von Sonderwünschen ist den meisten Feuerwehren wichtig, dass die Fahrzeuge robust, zuverlässig, bedienungsfreundlich und anpassungsfähig sind. Hierfür sorgen wir mit unserem patentierten Aluminium-Aufbausystem ALPAS. Die Fahrzeuge besitzen dadurch eine Haltbarkeit von bis zu 30 Jahren und mehr. Die Feuerwehren nehmen auch gerne unser breites Serviceangebot in Anspruch.

Auftraggeber für Feuerwehrautos sind ja meist die Kommunen, die bei ihren Anschaffungen sparsam sein müssen. Ist das nicht ein Spagat?

Es hängt extrem davon ab, wie die öffentlichen Ausschreibungen für ein neues Feuerwehrfahrzeug gestaltet sind. Worauf wird der Fokus gelegt? Wenn es hauptsächlich der Preis ist, sind wir sicher nicht immer der richtige Partner. Wenn aber Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Qualität stark gewichtet werden, sind wir gut aufgestellt.

Nach überstandener Insolvenz wurde Ziegler Ende 2013 vom chinesischen Konzern CIMC aufgekauft. Wie gestaltet sich das Arbeiten in diesem Konzern?

Unser Eigentümer unterstützt uns in allen Bereichen. Ein Beispiel sind die Kundenkontakte und der Marktzugang in China. Kurz nach dem Verkauf, 2014, ist bereits eine eigene Vertriebs- und Servicegesellschaft von Ziegler in China gegründet worden. Dort wird vertrieben, was in Deutschland und Europa produziert wird – also umgekehrt, als es sonst oft der Fall ist.

Profitieren auch die Mitarbeiter davon?

Ja, definitiv. Beim Verkauf der Ziegler-Gruppe an CIMC Ende 2013, waren in Giengen rund 580 Mitarbeiter beschäftigt. Nun liegen wir in Giengen und im Servicecenter im benachbarten Bachhagel bei rund 680. Die gesamte Ziegler-Gruppe, zu der auch Standorte in Mühlau bei Chemnitz, Rendsburg, den Niederlanden, Kroatien, Indonesien und die erwähnte Vertriebsgesellschaft in China gehören, wuchs im gleichen Zeitraum von 880 auf mehr als 1300 Mitarbeiter.

Sind weitere Investitionen bei Ziegler in Giengen geplant?

Derzeit ist keine große Expansion angedacht, aber eine sukzessive Modernisierung und Instandhaltung der Gebäude wird es geben. Vor allem konzentrieren wir uns derzeit auf die Interschutz, die vom 15. bis 20. Juni 2020 in Hannover stattfinden wird. Die Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen, Bevölkerungsschutz und Sicherheit findet nur alle fünf Jahre statt. Unsere Entwicklung ist derzeit auf diesen Termin ausgerichtet. Unser Fokus wird hier vermehrt auf modernen Löschtechniken und alternativen Antriebssystemen liegen.

Immer wieder sind Klagen zu hören, dass Feuerwehren in ihrer Arbeit von Schaulustigen behindert oder gar angegriffen werden. Reagiert Ziegler darauf?

Wir müssen uns zwangsläufig damit auseinandersetzen. Beispielsweise rüsten wir Fahrzeuge mit transportablen Sichtschutzwänden aus, die gegen Gaffer eingesetzt werden können. Wir versuchen auch sonst auf alle Belange der Feuerwehren einzugehen. Deshalb unterstützt unsere Werkfeuerwehr auch die Tagesbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr Giengen und rückt bei Alarmierungen mit aus.

Wie lautet Ihre Zukunftsprognose für den Standort Giengen?

Sehr positiv – sonst hätten wir sicher nicht erst kürzlich in das Firmengelände am Standort investiert. Hier in Giengen werden die kompliziertesten Fahrzeuge für den deutschen Markt gefertigt, hier steht unsere Pumpenfertigung, hier schlägt das Herz von Ziegler. Das soll auch so bleiben. Das heißt nicht, dass sich die Standortgröße verdoppeln wird, aber wir werden weiter modernisieren und die Zahl der Mitarbeiter mindestens halten, vielleicht sogar leicht steigern.

© Wirtschaft Regional 03.06.2019 10:25
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