NGG warnt vor einer Tarifflucht

Arbeitnehmer Laut Studie werden weniger Menschen in der Nahrungs- und Gastrobranche nach Tarifvertrag bezahlt.

Aalen. Schlechtere Bezahlung, längere Arbeitszeiten, weniger Urlaub: Beschäftigte, die im Ostalbkreis in einem Unternehmen arbeiten, in dem kein Tarifvertrag gilt, sind im Job benachteiligt, erklärt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen. Nach Einschätzung der NGG hält sich ein Großteil der rund 7500 Betriebe im Kreis nicht mehr an Tarifverträge. „Tariflose Firmen haben in puncto Motivation und Produktivität der Mitarbeiter meist schlechtere Karten“, so Gewerkschafterin Karin Brugger. Auch die Suche nach Fachkräften falle schwerer. Sie beruft sich auf Studien der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Brugger ruft die Firmen in der Region dazu auf, sich zur Sozialpartnerschaft und zur Mitbestimmung zu bekennen. „Gerade beim digitalen Wandel der Arbeitsplätze muss man die Belegschaften mitnehmen.“ Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiten 50 Prozent der Beschäftigten im Land in einem Betrieb mit Tarifvertrag. In Westdeutschland liegt die Quote bei 57 Prozent – 2000 waren es 70 Prozent. Laut Brugger greife die „Tarifflucht“ auch im Ostalbkreis um sich: „Immer mehr Betriebe versuchen, sich um Tarifverträge zu drücken. Damit setzten sie Standards aufs Spiel und bieten ein Einfallstor für Dumping-Konkurrenz.“

© Wirtschaft Regional 17.05.2019 18:26
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