„Passwörter sind kein Schutz!“

Forum Im B26 erklären Experten, wie digital die Landwirtschaft sein kann – und warum das Thema Cyber-Sicherheit viele Firmen kümmern sollte.
  • Daniel Fuderer von Abtis. Foto: Peter Hageneder

Schwäbisch Gmünd

Mehr als hundert Gäste kamen zum siebten Anwenderforum des Software-Entwicklers A+B Solutions in die Manufaktur B26 nach Gmünd. Die bekamen Einblicke in brandaktuelle Themen, wie etwa Cyber-Angriffe auf Unternehmen, wie es dem Bayer-Konzern zuletzt passierte. Die Leverkusener benötigten ein halbes Jahr, um zu erkennen, dass sie gehackt wurden. Kein Einzelfall, wie Daniel Fuderer vom Software-Dienstleister Abtis feststellt: „Im Schnitt befindet sich der Angreifer rund 100 Tage in der IT-Infrastruktur, bevor die Attacke überhaupt bemerkt wird.“

Gefahrenherd Nummer Eins ist das Phishing, also Versuche, über gefälschte Webseiten, E-Mails oder Kurznachrichten an persönliche Daten eines Internet-Benutzers zu gelangen und dessen Identität zu stehlen. „So kommen Hacker am einfachsten in die Firma rein“, erklärt Fuderer. Diesem Identitätsdiebstahl könne man nicht mit Passwort-Abfragen beikommen: „Passwörter sind kein Schutz.“ Alternativen sind biometrische Lösungen wie der Fingerabdruck, Multi-Faktor-Authentifizierungen oder automatisierte Anomalieerkennungen. „Wichtig ist die Standardisierung der Systeme, die auf dem modernsten Stand gehalten werden sollten.“ So sichert man das Unternehmen nicht nur richtig ab – sondern reduziere auch die Komplexität. Denn: „Inzwischen haben sich bei vielen Firmen IT-Infrastrukturen entwickelt, die die Unternehmen in ihrer Innovationskraft bremsen.“

Die Zyklen bei Betriebssystemen werden kürzer, gleichzeitig gebe es immer mehr Tools, die in die IT-Systeme integriert werden müssen. Eine Herausforderung sei die Datenschutzgrundverordnung, die von den Firmen verlange, „Daten nach dem neusten Stand der Technik zu schützen. Nur: Was ist der neuste Stand?“ Nicht nur durch diese beiden Entwicklungen steigt die Gefahr durch Cyber-Angriffe. Eine zentrale Rolle bei der Lösung spielt die Cloud, die Datenwolke, in die Firmen ihre Daten und Systeme auslagern. „Wer die Cloud richtig einsetzt, kann effizienter, besser und sicherer arbeiten“, betonte Fuderer.

Die Frage, was Digitalisierung die Firmen kostet, ist falsch.

Daniel Fuderer
CTO von Abtis

„Die Frage, was Digitalisierung kostet, ist falsch formuliert. Was kostet es Unternehmen, wenn sie sich nicht digitalisieren?“ Denn die Digitalisierung eröffne Firmen nicht nur die Möglichkeit, effizienter, besser und sicherer zu arbeiten, sondern auch die Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Das Forum wagte überdies spannende Einblicke in andere IT-Bereiche. Das zeigte der Vortrag von Stefan Schuler vom Landmaschinenbauer Claas, der die neusten Entwicklungen seiner Firma rund um das Schlagwort „Farming 4.0“ vorstellte.

Die digitale Landwirtschaft ist schon weiter als viele denken: Dank der beiden Erweiterungssysteme zur Satellitennavigation, EGNOS und RTK, können bereits auf bis 15 Zentimeter (EGNOS) bzw. bis zu 2 Zentimeter (RTK) genaue Spuren erkannt werden. So ist anhand der Satellitendaten eine zentimetergenaue Vermessung der Felder möglich, die per GPS-Pilot verbundenen Landmaschinen können mit EGNOS-Verbindung genauer Gülle oder Dünger ausbringen, per RTK sind sogar Aussaaten effizient zu managen.

Laut Schuler trägt das System zur Ressourcenschonung und gesteigerter Effizienz bei. Anhand neuer Telematiksysteme wiederum würden einzelne Maschinen analysiert. „Die Geräte senden alle fünf Sekunden Daten an einen Webserver“, so Schuler. So können Arbeitstagebücher der Maschinen angefertigt werden. Das hilft den Landwirten etwa beim Antrag auf Subventionen. „Die Digitalisierung nimmt auch in der Landwirtschaft weiter zu“, sagt Schuler. Sie bringe nicht nur neue Möglichkeiten (wie zum Beispiel die Analyse der Ernte), sondern Entlastung – die angesichts der immer höheren Auflagen nötig sei. Ein Problem gibt es aber. Schuler: „Gerade in Bayern und Baden-Württemberg ist die Mobilfunkabdeckung noch nicht gut genug. Die Regierung muss hier schnell reagieren.“

© Wirtschaft Regional 17.05.2019 18:26
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