Südwestmetall: Heimische Wirtschaft wetterfest machen

Jahresausklang Bezirksvorsitzender Michael Fried warnt angesichts weltpolitischer Risiken vor zu hoher Belastung der Unternehmen.
  • Michael Fried, Vorsitzender der Bezirksgruppe Ostwürttemberg des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, fordert unter anderem flexiblere Arbeitszeitregeln. Foto: Bernhard Hampp

Aalen

Allgemein sei die wirtschaftliche Entwicklung 2018 positiv. In einigen Betrieben der Region zeigten sich jedoch „dunkle Wolken am Himmel“: Das sagte der Vorsitzende der Bezirksgruppe Ostwürttemberg des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Dr. Michael Fried, beim Jahresausklang des Verbands in Aalen. Sowohl weltpolitische Entscheidungen als auch die Politik der Bundesregierung erschwerten Unternehmern das Geschäft, so Fried. Er mahnte, die heimische Wirtschaft „wetterfest zu machen“.

„Zwar mussten wir im dritten Quartal erstmals seit längerer Zeit wieder einen Rückgang des Wirtschaftswachstums erleben, aber insgesamt dürften wir dieses Jahr nochmals ordentliches Wachstum sehen“, sagte der Verbandschef. Die von US-Präsident Donald Trump angefeuerten Handelsauseinandersetzungen und der bevorstehende EU-Austritt Großbritanniens hätten auch auf die ostwürttembergische Metall- und Elektroindustrie Auswirkungen, fügte er hinzu: „Es ist ein Ammenmärchen, zu glauben, dass von einem ungeordneten Brexit ab dem 29. März kommenden Jahres vor allem die Briten selbst getroffen werden.“ Für die heimische Wirtschaft würden damit Verbindungen zu einem der wichtigsten Absatzmärkte gekappt.

Hart ging Fried mit der Politik der schwarz-roten Bundesregierung ins Gericht. Deren Regierungsprogramm erwecke den Eindruck, „zum großen Teil von Sozialpolitikern geschrieben“ worden zu sein. Er kritisierte hohe Sozialbeiträge, den jüngst verabschiedeten Rentenpakt und die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenkassenbeiträge, die Unternehmen mit zusätzlich fünf Milliarden Euro jährlich belaste. Er forderte überdies eine flexiblere Neugestaltung der Arbeitszeit. Starre Regeln passten nicht mehr zu einer digitalisierten Wirtschaft. Südwestmetall-Geschäftsführer Markus Kilian pflichtete Fried bei.

Für einige Unternehmen sind dunkle Wolken am Himmel.

Dr. Michael Fried
Südwestmetall

Für die IHK Ostwürttemberg lobte Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle die enge Zusammenarbeit mit Südwestmetall in der Dualen Ausbildung. Dass diese ein Erfolgsmodell sei, zeigten die aktuellen Zahlen: Im zweiten Jahr in Folge konnte die IHK 2018 mehr neue Ausbildungsverhältnisse zählen. Insgesamt gibt es 1900 Berufsneueinsteiger, davon 730 in Metall- und Elektroberufen.

Der Regensburger Neurowissenschaftler und Psychotherapeut Dr. Volker Busch, der anschließend über „Richtig entscheiden in Zeiten von Big Data“ referierte, nahm den Ball auf. Für ihn sei die Duale Ausbildung ein Beispiel für die Verbindung von Wissen und praktischer Erfahrung. Diese Kombination ermögliche gute Entscheidungen. Busch, der vor Denkfallen und Vorurteilen warnte, bekräftigte: Entscheidungen müssten gleichzeitig mit dem Kopf – durch Selbstdenken – und mit dem Bauch - durch Intuition, die auf Erfahrungen beruht – getroffen werden. Statt auf Big Data sollten Unternehmer auf Expertise setzen und sich Zeit nehmen, Entscheidungen zu reflektieren.

© Wirtschaft Regional 07.12.2018 11:04
193 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?