Voith will digital wachsen

Umsatz sinkt wegen Währungseffekten - Zukäufe angekündigt
  • Dr. Toralf Haag, seit Anfang November neuer Voith-Chef

Der Voith-Konzern ist im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 sowohl beim Auftragseingang als auch beim Umsatz auf währungsbereinigter Basis trotz einer temporären Schwäche des Konzernbereichs Hydro solide gewachsen. Diese war auch für den Rückgang des operativen Ergebnisses im Kerngeschäft des Konzerns verantwortlich, der jedoch durch ein sehr gutes Ergebnis von Paper abgefedert werden konnte. Der Jahresüberschuss des Konzerns stieg gegenüber dem um den Effekt des KUKA-Verkaufs bereinigten Vorjahreswert signifikant an. Die Finanzlage von Voith ist weiterhin stark. Die Eigenkapitalquote erreichte einen historischen Höchststand und die Nettoliquidität ist ebenfalls nach wie vor sehr hoch.

„Der Voith-Konzern ist weiter in robuster Verfassung. Wir haben in den vergangenen Jahren strukturelle und finanzielle Herausforderungen gemeistert, wichtige strategische Weichen gestellt, unsere operative Ertragskraft verbessert und die Finanzlage des Unternehmens erheblich gestärkt. Nun geht es darum, durch eine Stärkung des Kerngeschäfts und den Ausbau der digitalen Aktivitäten die Wachstumsdynamik zu verstärken und dabei unsere Profitabilität nachhaltig weiter zu steigern“, erklärte Dr. Toralf Haag, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung.

Seine strategischen Schwerpunkte für eine neue Phase nachhaltig profitablen Wachstums hat Voith in den vergangenen Monaten geschärft. Wachsen will Voith zum einen aus eigener Kraft – vor allem durch die organische Weiterentwicklung des Kerngeschäfts und eine erhebliche Ausweitung der digitalen Aktivitäten des Konzerns. Zum anderen will das Unternehmen gezielte Akquisitionen realisieren – in erster Linie zur Ergänzung der bestehenden Kernaktivitäten, aber auch zur möglichen Erschließung neuer Geschäftsfelder. Für Zukäufe stehen Voith aufgrund der starken Finanzlage unverändert erhebliche Mittel zur Verfügung.

Bei seiner Wachstumsstrategie setzt Voith auf den Ausbau seiner Kompetenzen für das digitale Industriezeitalter über alle Konzernbereiche und Kundengruppen hinweg. Felder mit für Voith hohem Potenzial sind zum Beispiel Energiespeicherung, elektrische Antriebssysteme und digitale Anwendungen im industriellen Kontext wie etwa digitales Asset-Management, aber auch neue Bereiche wie Sensorik und Optik.

Seine 2016 initiierte digitale Agenda treibt Voith im Rahmen seiner Wachstumsstrategie weiter voran und hat die Ausrichtung seines Konzernbereichs Digital Ventures weiter geschärft. Dieser steuert künftig sämtliche digitalen Venture-Aktivitäten von Voith – inklusive der neuen Einheit Voith Robotics, die im Zuge des Einstiegs bei Franka Emika als Joint Venture mit dem Münchener Spezialisten für kollaborative Roboter gebildet wurde. Digital Ventures forciert darüber hinaus als Inkubator für das gesamte Unternehmen neue, digitale Geschäftsmodelle. Mit seinen vielfältigen digitalen Aktivitäten, die aus eigener Kraft oder mit Partnern entwickelt werden, erzielt Voith mittlerweile sichtbare Erfolge am Markt. Digital Ventures ist bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr sehr stark gewachsen und entfaltet eine zunehmende Dynamik, von der der gesamte Voith-Konzern dauerhaft profitieren wird.

Bereits im Laufe des aktuellen Geschäftsjahres sollen sowohl eine weitere Konkretisierung der Wachstumsstrategie des Voith-Konzerns erarbeitet als auch erste Fortschritte bei der Umsetzung sichtbar werden. Verbunden ist die strategische Agenda mit klaren Finanzzielen. Mittelfristig strebt Voith ein Umsatzwachstum an, das im Schnitt deutlich oberhalb des jährlichen Wachstums der Weltwirtschaft liegt.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich das operative Geschäft von Voith insgesamt zufriedenstellend entwickelt. Dabei hat sich einmal mehr die breite Aufstellung des Konzerns ausgezahlt. Denn der unterplanmäßigen Entwicklung bei Hydro standen ein hervorragendes Jahr von Paper mit Bestwerten bei allen wichtigen Kennzahlen und eine solide Performance von Turbo gegenüber. Insgesamt ist der Auftragseingang des Voith-Konzerns 2017/18 auf währungsbereinigter Basis trotz der temporären Schwäche von Hydro um 2 Prozent gewachsen. Unter Berücksichtigung der Währungseffekte ging er leicht auf 4,29 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,37 Milliarden Euro) zurück. Der Auftragsbestand betrug zum Geschäftsjahresende 5,17 Milliarden Euro und blieb damit gegenüber dem hohen Vorjahresstand (5,19 Milliarden Euro) nahezu unverändert. Der Konzernumsatz stieg währungsbereinigt um 4 Prozent, unter Berücksichtigung der negativen Währungseffekte blieb er mit 4,21 (Vorjahr: 4,22) Milliarden Euro nahezu stabil.

Auf der Ergebnisseite bestätigte sich auch im abgelaufenen Geschäftsjahr die robuste Verfassung des Kerngeschäfts. Trotz eines erheblichen Ergebnisrückgangs bei Hydro blieb das addierte Betriebsergebnis der drei Kernbereiche mit 267 Millionen Euro nur moderat unter dem Vorjahreswert (304 Millionen Euro), weil insbesondere Paper sein sehr gutes Vorjahresergebnis weiter steigern konnte. Die Umsatzrendite im Kerngeschäft sank auf 6,4 (7,3) Prozent, der ROCE reduzierte sich auf 15,1 (15,9) Prozent. Das ausgewiesene Betriebsergebnis des Voith-Konzerns aus fortgeführten Aktivitäten lag wegen der weiterhin hohen Anlaufinvestitionen für die Umsetzung der digitalen Agenda bei 211 Millionen Euro, nach 254 Millionen Euro im Jahr zuvor. Das Konzernergebnis nach Steuern erreichte 53 Millionen Euro, eine Steigerung um 61 Prozent gegenüber dem um den KUKA-Effekt bereinigten Vorjahreswert (33 Millionen Euro).

Vom laufenden Geschäftsjahr an wird Voith statt des Betriebsergebnisses auf das EBIT als zentrale Kennzahl für das operative Ergebnis umstellen. Das EBIT bildet die operative Performance noch genauer ab, weil sie anders als das Betriebsergebnis den betrieblichen Zinsertrag nicht enthält. Infolge dessen sind die EBIT-Zahlen etwas niedriger als die entsprechend bisher ausgewiesenen Werte für das operative Ergebnis.

Die Finanzlage des Voith-Konzerns ist nach dem soliden Abschneiden im abgelaufenen Geschäftsjahr nach wie vor sehr stark. Die Eigenkapitalquote erreichte den historischen Höchstwert von 28,7 Prozent, nach 27,3 Prozent ein Jahr zuvor. Die Nettoliquidität ist weiterhin sehr hoch: Sie betrug zum Stichtag 30.9.2018 557 Millionen Euro (Vorjahr: 648 Millionen Euro).

© Wirtschaft Regional 06.12.2018 15:19
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