Zeiss stellt Jena-Pläne vor

Neubau Rund 300 Millionen Euro investieren die Oberkochener an ihrem zweitgrößten Standort. Ein Bau der Superlative soll entstehen. Von Robert Schwarz
  • So soll der neue Zeiss-Standort in Jena im Jahr 2023 aussehen. Visualisierung: Carl Zeiss AG

Oberkochen/Jena

Mehr als 700 Millionen Euro hat der Zeiss-Konzern in den vergangenen sieben Jahren in den Stammsitz in Oberkochen investiert – und wird das auch weiter tun, wie Vorstandschef Prof. Dr. Michael Kaschke jüngst im Interview erklärte. „Oberkochen spielt eine große Rolle für Zeiss. Bis 2020 werden wir weitere 200 Millionen Euro hier am Stammsitz in die Infrastruktur aufwenden und einen gleichen Betrag in Technologie.“ Aber auch der Standort Jena wird kräftig ausgebaut.

Rund 300 Millionen Euro investiert der Konzern in Jena und hat nun das Ergebnis des Architektenwettbewerbs vorgestellt. Ziel sei es, am Gründungsstandort einen Hightech-Komplex zu schaffen, der alle, auch in künftigen Arbeitswelten, für Zeiss nötigen Funktionen auf moderne und vernetzte Weise integriert. „Mit dem Neubau kann sich der Gründungsort von Zeiss als führender Innovationsstandort auch weltweit wieder sehen lassen“, erklärte Kaschke.

Der Konzern hatte vom Schott-Konzern ein Betriebsgelände erworben. Auf den rund 80 000 Quadratmetern Fläche sollen effiziente Gebäude entstehen, die zu einer neuen Infrastruktur und moderneren Arbeitsbedingungen beitragen. Bis 2023 soll der Neubau realisiert werden, der die bisherigen Jenaer Standorte zusammenführt.

In den neuen Standort ziehen die Einheiten der Sparten Industrial Quality & Research, Medical Technology, Semiconductor Manufacturing Technology sowie der Zentralfunktionen wie die Konzernfunktion Research & Technology und der gemeinsamen Produktionseinheit der Gruppe ein. Ausgelegt ist das Gebäude für bis zu 2500 Mitarbeiter. Zudem sei eine noch engere Vernetzung mit Wissenschaft, Lehre und lokaler Wirtschaft geplant. Mit dem neuen Gebäude wollen die Oberkochener „eine gute Wachstumsumgebung für junge Unternehmen und Ausgründungen schaffen“.

Eine „Jahrhundertinvestition“

Die Gebäudestruktur gliedert sich in zwei in den Berghang integrierte Grundgeschosse für Fertigung, Labore und Infrastruktur sowie sieben darauf aufgesetzte Korpusse. Die oberen Gebäudeteile bilden ein in alle Richtungen vernetztes Areal. Hier werden Büroflächen entstehen. Zwei überdachte Atrien reichen von der oberen Dachebene bis auf die Grundplatten und bringen so viel Licht in alle Funktionsbereiche.

Wolfgang Tiefensee (SPD), Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Thüringens, schwärmte bei der Vorstellung der Pläne laut der „Sächsischen Zeitung“ von einer „Jahrhundertinvestition“. Der Neubau werde Jena „in die nächsthöhere europäische Liga katapultieren“. Thüringen unterstützt das Projekt mit rund 11,5 Millionen Euro Fördermitteln. Zudem soll das alte Zeiss-Gelände nach dem Umzug saniert und entwickelt werden. Auch Jenas OB Albrecht Schröter (SPD) sagte Zeiss volle Unterstützung für das „historische Vorhaben“ zu. Der Impuls sei vergleichbar mit der Gründung der Jenaer Universität 1558.

© Wirtschaft Regional 06.11.2018 20:34
377 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?