Kein „Wasserfall-Chef“ mehr

Business-Gespräch Auf Einladung von Arbeitsagentur und IHK diskutieren Unternehmer den Abschied von starren Hierarchien in Unternehmen.
  • Auf dem Podium in der Königsbronner Hammerschmiede (von links): Unternehmensberaterin Gabriele Maier-Güttler, Unternehmer Simon Haag, Arbeitsagentur-Chef Elmar Zillert, Unternehmer Ulrich Betzold, Betriebsseelsorger Dr. Rolf Siedler und Moderator Klaus-Dieter Mayer. Foto: ham

Königsbronn

Wie verändert sich Führungskultur in Zeiten von Digitalisierung, globaler Vernetzung und Fachkräftemangel? Darüber haben Experten und Vertreter der regionalen Wirtschaft beim „Business Talk Faktor A“ in Königsbronn diskutiert. Eingeladen hatten die Arbeitsagentur Aalen und die IHK Ostwürttemberg.

Gabriele Maier-Güttler, Pädagogin und Unternehmensberaterin aus Ludwigsburg, stellte in ihrem Referat klar: Das sogenannte Wasserfallmodell, in dem es eine unumstößliche Weisungshierarchie – von oben nach unten – in den Unternehmen gibt, ist nicht mehr in allen Fällen ideal. Stattdessen plädierte sie für eine „agile Führungskultur“: „Agilität ist eine Grundhaltung, die Flexibilität, Schnelligkeit, Anpassungsfähigkeit, Selbstorganisation und Vertrauen umfasst.“ Sie stellte sieben Wege in eine agile Führungskultur vor: So solle sich Führung am Nutzen der Kunden und nicht an internen Prozessen im Unternehmen orientieren. Führungskräfte müssten „Menschenentwickler, nicht Kontrolleure“ sein, die bereit sind, dazuzulernen, die Energie der Mitarbeiter fördern, Feedback ermöglichen, Vertrauen und Vernetzung anschieben. „Fang an, sei mutig“, sagte Maier-Güttler an die Adresse der Unternehmensvertreter: „Der perfekte Zeitpunkt kommt nie, er ist immer jetzt.“

Ob und wie eine solche agile Führungskultur umsetzbar und wünschenswert ist, wurde anschließend auf dem Podium diskutiert: Die Forderung nach Agilität sei gut, fand der Ellwanger Unternehmenschef und IHK-Vizepräsident Ulrich Betzold: „Manchmal muss man aber auch an Entscheidungen festhalten und sollte sich vorher überlegen, wo man hinwill: Auch Ziele sind wichtig.“

Für den Neulermer Bauunternehmer und Innungsobermeister Simon Haag ist der Agilitätsgedanke nicht neu: „Im Handwerk haben wir bereits jetzt flache Hierarchien und Führungsstrukturen, man kennt sich persönlich und der Mensch steht im Vordergrund.“

Die Zukunft braucht Persönlichkeiten und Charaktere.

Dr. Rolf Siedler
Betriebsseelsorger

Mitarbeiter auf Augenhöhe ansprechen

Elmar Zillert, Leiter der Arbeitsagentur in Aalen, sprach von einem allgemeinen Wertewandel, der immer mehr Unternehmen – vom IT-Unternehmen bis zum Krankenhaus – die Hierarchien flacher gestalten lasse: „Der Mitarbeiter von heute will auf Augenhöhe angesprochen werden, mitgestalten und Freiräume zugestanden bekommen“: Das müsse aber passgenau geschehen.

Wichtig seien Wertschätzung der Mitarbeiter, Vertrauen, eine einheitliche Kommunikation und ein gemeinsames Ziel. „Digital steuern, analog führen“, laute die Devise.

Dr. Rolf Siedler, Betriebsseelsorger und Wirtschaftsmediator, berichtete von eigenen Erfahrungen mit Unternehmen aus der Region. Führung dürfe weder ein „Kanal, der alles mitreißt“, noch ein „flauschiges Geplätscher in alle Richtungen“ sein, so Siedler, der hinzufügte: „Das Gegenteil von flexibel ist nicht nur unflexibel und starr, sondern auch Charakter und Persönlichkeit.“ Deshalb dürfe Führung auch nicht an Zahlenwerke delegiert werden: „Die Zukunft braucht Persönlichkeiten und Charaktere.“ Es sei daher umso wichtiger, dass auch die Führungskräfte selbst gefördert würden, also Möglichkeiten der Schulung und der Reflexion eingeräumt bekämen. Eine Kultur der Wertschätzung könne nicht entstehen, „wenn jeden Tag Müll auf die niederprasselt“, so Siedlers klares Statement.

© Wirtschaft Regional 05.11.2018 13:59
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