Röhm will Krisenmodus verlassen

Zukunft Röhm gehört seit 2017 einem österreichischen Konzern. Gerhard Glanz hegt ambitionierte Ziele und will die Sontheimer zu alter Stärke zurückführen.
  • Gerhard Glanz, 59, Röhm-Geschäftsführer. Foto: Benedikt Walther

Sontheim

Seit 2017 ist Gerhard Glanz Geschäftsführer beim größten Arbeitgeber Sontheims, der Röhm GmbH. Im Interview erklärt er, warum die österreichische Dr.-Helmut-Rothenberger-Holding beim kriselnden Spannzeughersteller eingestiegen ist und welche Pläne er verfolgt.

Herr Glanz, warum hat die Rothenberger-Holding im vergangenen September die kriselnde Röhm-Gruppe übernommen?

Die Holding ist eine wohl prosperierende Firmengruppe, deren Geschäfte sehr gut laufen, die wiederum sehr gute Erträge abwerfen. Entsprechend ist die Holding stets auf der Suche nach vielversprechenden Erweiterungen, sowohl aus produktbezogener als auch wirtschaftlicher Sicht. Röhm erfüllt beide dieser Hauptanforderungen.

Welche Ziele verfolgt die Holding?

Röhm ist eine tolle Marke, die auch die vergangenen, schwierigen Jahre nicht kaputt gemacht haben. Sie soll wieder strahlen und erfolgreich sein. Was die Dauer des Engagement angeht: Die Holding ist ein strategischer Investor, kein Finanz-Investor. Die Beteiligung ist absolut langfristig angelegt.

Die Übernahme durch Rothenberger beendete nicht nur eine Ära als Familienunternehmen, sondern war auch die Eskalation einer Krise. Röhm hat in den vergangenen Jahren rote Zahlen geschrieben. Was waren die Gründe?

Misswirtschaft, einfach nur Misswirtschaft!

Was meinen Sie damit?

Alle Mitarbeiter waren zutiefst verunsichert!

Gerhard Glanz
Geschäftsführer von Röhm

Röhm war bis vor 20 oder 25 Jahren mit einer absolut patriarchalischen Struktur erfolgreich, doch man hat versäumt, die Strukturen rechtzeitig an die veränderten Anforderungen anzupassen. Die Entscheidung der Familie Röhm, das Unternehmen familienfremden Geschäftsführern anzuvertrauen, hat vor diesem Hintergrund nicht funktioniert. Entsprechend war die Stimmung in der Belegschaft. Mehr als die Hälfte der Führungsmannschaft war bei der Übernahme bereits weg oder befand sich in der Kündigungszeit. Ebenso hatten viele gute Facharbeiter das Unternehmen infolge der jüngsten Krise verlassen. Niemand wusste, wie es weitergehen wird. Alle waren zutiefst verunsichert, irgendwie auch müde wegen der in den vergangenen zehn Jahren immer wiederkehrenden Probleme. Immer wurde versprochen, nie geliefert. Die Mitarbeiter hatten jedes Vertrauen verloren.

Sie haben einen doch recht umfassenden Umbau angekündigt. Wie weit sind Sie mit diesem?

Ungefähr bis zum Jahresende befinden wir uns im Reparaturmodus. Das heißt, wir suchen die „Quickwins“, wir reparieren alle „Baustellen“, wo wir Geld verlieren. Hier sind wir schon recht weit, etwa bei 75 Prozent. Das kann man daran erkennen, dass wir seit neun Monaten bereits jeden Monat Geld verdienen. Der Turnaround ist also geschafft.

Wie geht es weiter?

Nach dem Reparaturmodus, etwa zu Beginn 2019, schalten wir in den Optimierungsmodus. Da haben wir dann mindestens nochmal so viel zu tun wie dieses Jahr. Fertig ist man zwar mit Optimierung grundsätzlich nie, doch haben wir uns als klares Ziel für die Abarbeitung all unserer Themen Ende 2019 gesetzt – und das werden wir schaffen. Danach wird das Unternehmen in guten Zeiten, so wie jetzt, ordentlich Geld verdienen, wovon einen Teil die Mitarbeiter erhalten sollten. Für kommende wirtschaftlich schlechte Zeiten wird Röhm richtig krisenfest sein.

Eine wichtige Größe bei einer Sanierung sind die Lohnkosten. Ihre Pläne, die Belegschaft stärker als zuvor an Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens partizipieren zu lassen, sind bei der IG Metall auf wenig Gegenliebe gestoßen ...

Die IG Metall hat ihre Interessen nicht nur an Röhm auszurichten. Deren Interessenslage berücksichtigt ein größeres Spektrum an Firmen, Arbeitnehmern und so weiter. Die sind entsprechend vorsichtig bei Verhandlungen und meinen, da Röhm zurzeit Geld verdient, seien Verhandlungen zu Arbeitszeiten und anderem nicht angebracht. Diese Meinung teilen wir nicht. Das Ziel ist: Läuft die Wirtschaft und somit unser Laden richtig gut, sollen auch die Mitarbeiter Gewinner sein. Läuft es schlecht, soll ein heute ausgehandelter Mechanismus greifen, in welcher Form und mit wie viel Geld sich die Mitarbeiter an der Erhaltung ihres Unternehmens beteiligen. Das macht die nächste Krise für alle Röhmler kalkulierbar.

Röhm beschäftigt 1300 Mitarbeiter fast ausschließlich im Inland, 750 in Sontheim, 300 in Dillingen, der Kostendruck ist hoch. Wie lange lässt sich das durchhalten?

Das ist genau der Punkt! Die Zugeständnisse der Mitarbeiter sollen dazu dienen, unsere Produkte billiger anbieten zu können und dadurch mit asiatischer oder osteuropäischer Konkurrenz mithalten zu können. Über die Mengen, die im Verdrängungswettbewerb gewonnen werden, werden wir jene Gewinne erzielen, an denen die Belegschaft partizipieren wird. Im Hause Röhm gibt es mit einem solchen System nur Gewinner. Davon bin ich felsenfest überzeugt und habe dies schon bei anderen deutschen Firmen bewiesen.

© Wirtschaft Regional 08.10.2018 17:37
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