Kammern prämieren Städte

Wirtschaftsförderung IHK und Handwerkskammer haben den Großen Kreisstädten auf den Zahn gefühlt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
  • Im Bild von links: Markus Schmid, Michaela Eberle, Wolfgang Weiß, Georg Würffel, Dr. Tobias Mehlich, Verena Kiedaisch, Julius Mihm und Dr. Stefan Rössler. Foto: rs

Heidenheim

Um die Zusammenarbeit von Kommunen und Unternehmen zu verbessern, haben die IHK Ostwürttemberg und Handwerkskammer Ulm (HWK) die Auszeichnung „Attraktiver Wirtschaftsstandort“ initiiert. Um das Siegel zu erhalten, müssen sich die entsprechenden Städte einem sogenannten Audit unterziehen, einer Untersuchung, wie gut die Kommunen in bestimmten wirtschaftlichen Themen unterwegs sind.

Das Ergebnis der ersten regionalen Untersuchung: Die Städte Aalen, Schwäbisch Gmünd, Ellwangen sowie Heidenheim dürfen in den nächsten drei Jahren das Siegel „Attraktiver Wirtschaftsstandort“ führen. Das gaben IHK und Handwerkskammer am Freitag bekannt.

„Die Analyse beschränkt sich nicht auf harte Standortfaktoren, sondern untersucht das Zusammenspiel von Gesellschaft und Wirtschaft“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle. Es sei wichtig, dass die Schnittstelle von Kommunen und Firmen gut funktioniere. „Mit dem Wettbewerb geben wir Impulse für die weitere Zusammenarbeit“, so Eberle weiter. „Wenn es den Betrieben gut geht, geht es auch den Menschen und damit der Region gut“, unterstrich Dr. Tobias Mehlich, HWK-Geschäftsführer.

Im Frühjahr diesen Jahres hatten die Kammern den Startschuss für den Wettbewerb gegeben. Ein externer Dienstleister, die Imakomm Akademie aus Aalen, war für die Zertifizierung zuständig. Das Audit umfasste einen Prüfbogen mit 44 Kriterien in sechs Handlungsfeldern. So wurde etwa überprüft, wie gut und nachhaltig die Konzepte und Strategien der Wirtschaftsförderungen oder wie wirtschaftsfreundlich die Verwaltungen der Kommunen aufgestellt sind. Zusätzlich zum Prüfbogen wurden die Internet-Angebote sowie die Service-Qualität überprüft. Insgesamt konnte eine Kommune bis zu 69 Punkte sammeln. Wer mindestens 70 Prozent davon erreichte, bestand die Prüfung – in diesem Fall alle vier Kommunen.

Wir wussten, dass wir gut sind. Nun wissen wir auch, warum.

Verena Kiedaisch
Stadt Ellwangen

„Wir freuen uns über diese Auszeichnung, vor allem da sie von einem unabhängigen externen Dienstleister ermittelt wurde“, erklärte Aalens Wirtschaftsförderer Wolfgang Weiß. Das Audit habe die Stadt weitergebracht. „Wir wissen nun noch besser, was Firmen von einer Verwaltung erwarten.“ Ähnlich sieht das Verena Kiedaisch von der Stadt Ellwangen. Sie fügte hinzu: „Das Siegel ist in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiges Signal nach innen und nach außen.“ Für Gmünds Baubürgermeister Julius Mihm ist die Studie „ein tolles Format, um die Bewusstseinsbildung bei den Kommunen kontinuierlich fortzusetzen. IHK und Handwerkskammer sind für uns die Unternehmensflüsterer.“ Für Heidenheims Wirtschaftsförderer Georg Würffel ist das Audit eine „wichtige Richtschnur“.

„Wir empfehlen auch anderen Kommunen und Städte in der Region, sich um die Auszeichnung zu bewerben“, betont Eberle. Man sei bereits in entsprechenden Gespräche und wolle die nächste Runde des Audits im kommenden Jahr starten.

Zudem planen sie und Mehlich über die Netzwerke der Kammerorganisationen bundesweit für das Projekt werben. Zusätzlich wollen sie einen kommunalen Erfahrungsaustausch anbieten, damit Städte und Kommunen sich über Best-Practice-Erfahrungen austauschen und voneinander lernen können.

© Wirtschaft Regional 05.10.2018 14:54
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