Gewerkschaft erhebt Vorwürfe

Insolvenz Der Investor Bregal, Eigentümer der insolventen SAM-Gruppe, soll nicht ausreichend investiert haben, so die IG Metall. Rund 1800 Arbeitsplätze sind weiter in Gefahr.
  • Die Hauptverwaltung der SAM-Gruppe in Steinheim. Archiv-Foto: SAM

Der Schock sitzt noch immer tief am Stammsitz in Steinheim und den Standorten etwa in Böhmenkirch: Ende August hat SAM Insolvenz angemeldet. 1800 Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze. Es ist die größte Insolvenz eines deutschen Autozulieferers in diesem Jahr. Während der Eigentümer vor allem die Folgen eines Brandes im Werk Böhmenkirch als Grund für die Insolvenz anführt, erhebt die IG Metall Vorwürfe gegen die Investment-Gesellschaft Bregal.

„Der Brand und die Folgekosten haben das Fass nur zum Überlaufen gebracht“, sagt Gewerkschaftssekretär Manuel Schäfer von der IG Metall. Er sieht den Eigentümer Bregal in der Verantwortung. Dieser hatte das Unternehmen vor nicht ganz zwei Jahren von der Unternehmerfamilie Binder übernommen: „Bregal war nicht bereit, vernünftig zu investieren.“ Dabei sei der Sanierungsstau im Unternehmen enorm gewesen. „Bregal war sich wohl sicher, ein Schnäppchen gemacht zu haben“, sagt Schäfer und spielt dabei auf Medienberichte an, wonach Bregal für das Traditionsunternehmen nur einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag bezahlt habe. „Bregal hat die Situation unterschätzt. Stattdessen hätte der Investor „zwei Jahre nur Stückwerk fabriziert“.

So habe sich der Investor ebenfalls gescheut, das Unternehmen auf neue Beine zu stellen und die Organisation umzubauen. „SAM ist ein klassischer schwäbischer Mittelständler, der über die Jahre stark zugelegt hat.“ Den vorherigen Eigentümern sei das Konstrukt irgendwann über den Kopf gewachsen. Sie seien zuletzt nicht mehr bereit gewesen, die notwendigen Investitionen zu finanzieren. „Auch deshalb hat SAM in den vergangenen Jahren nur niedrige Gewinne oder gar Verluste erwirtschaftet.“

Laut den veröffentlichten Bilanzen im Bundesanzeiger hat die SAM-Gruppe im Jahr 2016 bei einem Umsatz von 291 Millionen Euro einen Konzernjahresfehlbetrag von fast elf Millionen Euro erwirtschaftet. Unter anderem daraus ergebe sich, so die Geschäftsleitung in ihrem Bilanzbericht, ein negatives Eigenkapital von 15,2 Millionen Euro. Schon damals hieß es, dass der „Fortbestand der Gruppe von der auch zukünftigen Aufrechterhaltung der Finanzierung durch die Kreditgebenden Banken und Finanzinstitute abhängig“ ist. 2017 sei aber von einer „deutlichen Ergebnisverbesserung“ auszugehen. Allerdings sei die Konzentration des Geschäfts auf wenige Großkunden „ein Risiko“. Zu diesen gehört etwa der VW-Konzern, der die Dachrelingsysteme von SAM verbaut. Bregal wiederum erklärte in einer Stellungnahme nach der Insolvenz: „Bregal Unternehmerkapital hat gemeinsam mit dem Management von SAM intensiv an der Stabilisierung des Unternehmens gearbeitet und in den vergangenen Jahren insbesondere in die Optimierung von Prozessen und Organisation, Akquise von Neugeschäft sowie in die Erneuerung der Unternehmenssubstanz investiert“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Dank des Engagements aller Beteiligten habe man dabei auch „beachtliche Erfolge erzielt“.

Bregal war nicht bereit, vernünftig zu investieren.

Manuel Schäfer
IG Metall

Auch die Vorwürfe der Gewerkschaft, der Investor habe quasi den Geldhahn zugedreht, will man in München nicht gelten lassen. „Bregal war bereit, einen signifikanten finanziellen Beitrag zu leisten, um das Unternehmen zu stabilisieren; auch die anderen Parteien waren bereit, signifikante Beiträge zu leisten.“ Der Investor hat laut eigener Aussage mit allen wesentlichen Parteien, vor allem mit der finanzierenden Bank sowie wichtigen Kunden, „über Monate hinweg intensiv an verschiedenen Lösungsmöglichkeiten außerhalb einer Insolvenz gearbeitet“. Das Ergebnis: „Leider hat sich aber letztlich herausgestellt, dass der Liquiditätsgesamtbedarf in den kommenden Jahren angesichts der Absatzsituation und der Brandfolgen zu hoch war, um eine für alle beteiligten Parteien gangbare Finanzierungslösung zu finden.“ Letztlich, so erklärte die SAM-Geschäftsführung, sei die Zeit zu knapp gewesen, um eine Möglichkeit außerhalb der Insolvenz zu realisieren

Gewerkschaftssekretär Schäfer ist sicher, dass die Firma einen neuen Investor findet. „SAM ist für viele in der Branche ein interessantes Unternehmen. Die Bücher sind gut gefüllt, viele Aufträge langfristig.“ Entscheidend sei, schnell Folgeaufträge zu generieren. Insolvenzverwalter Holger Leichtle mache aber einen „guten Job“, sagt Schäfer. „Er versucht Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter bei der Stange zu halten.“ Die 1800 Mitarbeiter der SAM-Gruppe erhalten Insolvenzgeld und sind auf diese Weise bis Ende Oktober abgesichert. Leichtle sucht unterdessen nach einem Investor – und natürlich auch nach den Gründen der Schieflage.

© Wirtschaft Regional 01.10.2018 16:56
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