Der Schulterschluss blieb aus

Schieflage Das Traditionsunternehmen Bullyland ist insolvent. Nun äußert sich der geschäftsführende Gesellschafter zu den Gründen der Schieflage.
  • Holger Schmitz. Archiv-Foto: Tom

Spraitbach

Vergangene Woche musste der Spielzeughersteller Bullyland beim Amtsgericht Aalen Insolvenz anmelden. Dem Unternehmen ist eine Verkettung unglücklicher Umstände zum Verhängnis geworden, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Holger Schmitz im Gespräch mit dieser Zeitung.

Umsatz. „Insbesondere in vielen ausländischen Märkten sind unsere Erlöse in den zurückliegenden Monaten unerwartet stark zurückgegangen. Dabei bleiben vor allem die aktuellen Neuprodukte im Bereich der internationalen Lizenzen deutlich hinter den Erwartungen zurück“, erklärt Schmitz. Traditionell sinken die Umsätze in der Branche im Sommer, ziehen aber im dritten Quartal normalerweise wieder an. Diese Belebung sei in diesem Jahr unerwarteterweise ausgeblieben. Noch vor wenigen Wochen, betont Schmitz, habe man auf allen maßgeblichen Messen, äußerst positive Rückmeldungen bekommen. „Am Produkt-Portfolio, das wir in den vergangenen Monaten kontinuierlich ausgebaut und modernisiert haben, liegt es nicht.“

Lieferanten. Beim massiven, plötzlichen Umsatzminus blieb es nicht. Vor wenigen Wochen kündigte ein wichtiger Bullyland-Lieferant fristlos den Vertrag. Der Grund: ein Gesellschafterwechsel. „Das Unternehmen wurde an eine europäische Spielwarengruppe verkauft“, sagt Schmitz. Die habe kein Interesse daran, Konkurrenten zu beliefern und zielte auch auf eine sehr zeitnahe Beendigung des entsprechenden Vertrages ab. Deswegen steckt Bullyland doppelt in der Klemme: Auf der einen Seite sind die Lager voll, auf der anderen herrscht bei den Kunden Verunsicherung, wie sich die Versorgung mit diesen Produkten im weiteren Verlauf entwickeln wird. Schmitz: „Das ist Gift für unsere Umsätze und die Liquiditätssituation.“

Altlasten. Für ein Unternehmen der Größe Bullylands (50 Mitarbeiter) ist die Kombination dieser Entwicklungen besonders belastend. Der Preis- und Wettbewerbsdruck ist in der Branche riesig. Hinzu kommt: Es sind nicht die einzigen Probleme. „Wir haben noch immer mit umfangreichen finanziellen und organisatorischen Altlasten zu kämpfen, die aus der Zeit vor der Übernahme stammen. Und der Veränderungsdruck für unser Unternehmen ist trotz der intensiven Arbeit der vergangenen Monate weiterhin enorm hoch“, erklärt Schmitz, allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. KonSens hatte Anfang 2017 die Mehrheit am Spraitbacher Unternehmen übernommen. „KonSens ist kein Finanzinvestor, sondern verfolgt als Holding das klare Ziel, Firmen wie Bullyland eigenständig unternehmerisch weiterzuentwickeln. Ein zentraler Bestandteil unseres Ansatzes ist dabei ein belastbares Geschäftsmodell mit deutlich erkennbaren Differenzierungsmerkmalen sowie eine möglichst hohe personelle und organisatorische Kontinuität bei der Unternehmensnachfolge zum Schutz der geschaffenen Unternehmenswerte.“ Dies bedeute unter anderem, „dass wir bei einer Unternehmensnachfolge grundsätzlich die ausscheidenden Gesellschafter – als vertrauensbildende Maßnahme nach innen und außen – noch in einem relevanten Maß in die neue Anteilseignerstruktur einbinden.“ Der vorherige Hauptgesellschafter besitzt demnach weiterhin noch (mittelbar) Anteile.

Fehlender Schulterschluss. Um Umsatzminus und Lieferantenverlust auszugleichen, hätte es laut Schmitz eines „Schulterschlusses aller Gesellschafter“ bedurft. Der blieb seitens der vorherigen Gesellschafter aus. „Wir mussten nach intensiven Diskussionen erkennen, dass es von Seiten der Mitgesellschafter keine Bereitschaft gab, weitere Investitionen zu tätigen, um die bestehenden Unternehmenswerte zu schützen und die sich in der Zukunft bietenden Chancen des Unternehmens zu nutzen“, sagt Schmitz. Deshalb habe man in der vergangenen Woche den Entschluss fassen müssen, das Unternehmen über ein Insolvenzverfahren zu sanieren. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, beteuert der Geschäftsführer. „Allerdings sahen wir uns in der Verantwortung, diesen Schritt zu gehen. Aus unserer Sicht ist es die einzige Chance, das Unternehmen nach den jüngsten massiven Rückschlägen auf neue, gesunde Beine zu stellen.“

© Wirtschaft Regional 14.09.2018 18:19
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