Delta Logic: IT-Vorzeigeunternehmen

Firmenbesuch Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut besucht die schwäbische Softwareschmiede in Schwäbisch Gmünd. Die Wirtschaftsministerin will in der Digitalisierung „aufs Tempo drücken“.
  • Hohe Wertschätzung: Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut nahm sich für den Besuch bei Delta Logic zwei Stunden Zeit. Rechts die Chefs Rainer und Petra Hönle. Foto: Tomas Mayr

Schwäbisch Gmünd.

Vor zwei Wochen feierte die Gmünder Delta Logic GmbH ihr 25-jähriges Jubiläum (wir berichteten). Weil sie wegen anderer Termine der Einladung nicht folgen konnte, holte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Dienstag ihren Besuch bei der mit Awards dekorierten schwäbischen Softwareschmiede nach. Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin kam pünktlich (bei ihr normal) aus ihrem Heimatort Balingen ins zapp-Gründerzentrum angereist und nahm sich beim Rundgang durch die Firmenräume und beim lockeren Gespräch mit den Geschäftsführern Rainer und Petra Hönle, Klaus Mayer, Referatsleiter „Industrie 4.0“ im Ministerium, und Journalisten sehr viel Zeit – ein bemerkenswertes Zeichen hohen Wertschätzung.

„Glückwunsch zu Ihrer Innovations- und Kreativitätskraft, Delta Logic ist ein Vorzeigeunternehmen“, lobte Hoffmeister-Kraut, „wir brauchen gerade in der IT Köpfe wie Rainer Hönle, die aus eigener Kraft und unabhängig etwas gestalten wollen“.

Der Delta Logic Gründer stellte den Automatisierungsspezialisten mit seinen 15 Mitarbeitern vor: „Wir produzieren nicht, wir kreieren Werkzeuge, mit den unsere Kunden Lösungen optimieren oder überhaupt realisieren.“ Rainer Hönle erklärte dies exemplarisch am Bau des Mont-Blanc-Tunnels.

Software für Mont Blanc

Da sei eine Software gesucht worden, die im Fall eines Fahrzeugbrandes die Luftbewegungen im Tunnel simuliert. „Siemens hatte keine Lösung, wir schafften es in einer Woche“, berichtete Hönle. „Unser Know-How und unsere technischen Komponenten sind in allen Branchen gefragt, KMUs und Weltmarktführer vertrauen uns gleichermaßen“, sagte Hönle, „denn durch den Einsatz unserer intelligenter Software können die hohen Ansprüche an die Produktqualität, Sicherheit und Flexibilität moderner Anlagen erreicht werden, egal ob es sich um Getränke-Abfüllanlagen, Kühlräume auf Schiffen, Industrieofenanlagen oder vollautomatische Fertigungsstraßen handelt“.

Rahmenbedingungen bessern

„Die Landesregierung will optimale Rahmenbedingungen für Unternehmen wie Delta Logic schaffen“, versicherte die Ministerin und ging auf Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit ein.

Wir wollen industrielle Zukunft selbst gestalten

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut

Digitalisierung: „Wir müssen unser Land mit hohem Tempo digital fit machen. Im Vergleich zu vielen Ländern, z. B. China, aber auch Estland, wo ich kürzlich war, hinken wir hinterher. Außerdem baut Amazon seinen industriellen Bereich immer mehr aus. Wir dürfen nicht in eine Abhängigkeit kommen. Wir haben aber auch Chancen, die USA sind in der Produktion schwächer“.

Breitband: „Wir setzen auf Glasfaser und müssen auch das Mobilfunknetz ausbauen. Das große Problem in Baden-Württemberg ist derzeit, überhaupt genügend Standorte für Masten zu bekommen“.

Fachkräfte: „Wir haben ein spezielle Fachkräfte-Allianz für IT gestartet, denn wir brauchen Spezialisten, die branchenübergreifend tätig sein können“.

 Künstliche Intelligenz: „Da sind wir noch hinten dran, aber nicht abgehängt. Wir wollen unser Land in ein europaweites KIT-Forschungszenrum in Saarbrücken einbinden. Wir brauchen schnell eine Landesinitiative KI. In der Grundlagenforschung sind wir mit dem Cyber Valley in Tübingen gut aufgestellt, aber wir müssen die Ergebnisse künftig noch schneller und noch besser in der Wirtschaft zum Einsatz bringen. In Industrie 4.0 sind wir Leitmarkt und -anbieter“.

E-Mobilität: „Da ist erst einmal mehr Tempo bei der Software-Nachrüstung nötig. Ich bin überzeugt, dass unsere Unternehmen die besten, sichersten, zuverlässigsten E-Autos bauen. Es wird aber einen Strukturwandel bei den Zulieferern geben. Ob Elektromobilität nur eine Übergangstechnologie ist oder ob die Brennstoffzelle kommt, wird sich erweisen. Es ist gut, dass in Thüringen der chinesische Hersteller CATL die größte Batteriezellen-Fabrik für Elektroautos in Europa baut. Wir müssen aber in unserem Land auch eigene Projekte zur Batteriezellfertigung fördern“.

Gründungen: „Mit dem Projekt „Start-up BW Pre-Seed“ wollen wir Gründungen in der heiklen Frühphase bei der Finanzierung helfen“. Das Karlsruher Netzwerk CyberForum ist einer der Projektpartner des Landes“.

© Wirtschaft Regional 07.08.2018 21:20
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