Auf dem Weg zur digitalen Leitregion

Landespolitischer Abend Auf Einladung der IHK Ostwürttemberg diskutieren regionale Unternehmer, Kommunal- und Landespolitiker mit Innen- und Digitalisierungsminister Thomas Strobl.
  • Haben beim Landespolitischen Abend der IHK Ostwürttemberg über Wege zur DIgitalisierung diskutiert (von links): die Landräte Thomas Reinhardt (Heidenheim) und Klaus Pavel (Ostalb), IHK-Vizepräsident Ulrich Betzold, die Landtagsabgeordneten Andreas Stoch (SPD), Dr. Stefan Scheffold (CDU) und Martin Grath (Grüne), IHK-Präsident Markus Maier, Innenminister Thomas Strobl (CDU), IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle und Abgeordneter Winfried Mack (CDU). Foto: ham

Heidenheim

Die Digitalisierung revolutioniert die Wirtschaft: Deshalb muss in Netz-Infrastruktur, IT-Ausbildung und Rahmenbedingungen investiert werden. Über diese Eckpunkte waren sich die Teilnehmer des 3. Landespolitischen Abends der IHK Ostwürttemberg mit Landesinnenminister Thomas Strobl in Heidenheim einig. Diskussionen zwischen regionalen Unternehmern und Landespolitikern gab es aber über Förderpraxis, Hochschullandschaft und die Geschwindigkeit des digitalen Ausbaus. Die Marschrichtung hatte die IHK mit ihrem Positionspapier zur Digitalen Agenda Ostwürttemberg vorgegeben.

„Die Arbeits- und Wirtschaftswelt wird gewaltigen Umbrüchen unterworfen sein“, bekräftigte Innen- und Digitalisierungsminister Strobl (CDU), der von intelligenten Maschinen, dem neuen Mobilfunkstandard 5G, Cybersicherheit und selbstfahrenden Autos berichtete. „Die Frage ist nicht, ob wir das pilotierte Fahren gut finden, sondern, wo diese Autos gebaut werden“, sagte der Minister. Baden-Württemberg wolle die „digitale Leitregion in Europa werden“ und stecke während der aktuellen Legislaturperiode eine Milliarde Euro in den digitalen Wandel.

Strobl hatte denn auch gleich Förderbescheide in Höhe von vier Millionen Euro für das Backbone-Glasfasernetz des Ostalbkreises im Gepäck, die er Landrat Klaus Pavel überreichte. Forschung, Schulen und Gewerbe hätten beim Netzausbau Prioriät, so Strobl: „90 Prozent unserer Breitbandförderung fließen in den ländlichen Raum.“

Das sei angesichts einer „Rosinenpickerei der Telekom“ beim Netzausbau auch nötig, merkte Grünen-Landtagsabgeordneter Martin Grath an. Auf dem Land sei digitale Technik für Themen wie Mobilität, ressourceneffiziente Landwirtschaft und Telemedizin unabdingbar. Abgeordneter Andreas Stoch (SPD) nannte es „ärgerlich, dass mit Steuermillionen gefördert wird, was für den Markt unattraktiv ist“. Netzausbau sei Teil der Daseinsvorsorge. Es gelte, den Privaten nicht hinterherzulaufen. Strobl hielt dagegen: Die EU habe entschieden, dass der Netzausbau zunächst ein Thema des privaten Marktes sei. Auch die Unternehmen selbst seien gefragt, merkte Landrat Klaus Pavel kritisch an. So zahle der Kreis jedes Jahr drauf, weil Unternehmen zwar mit Glasfaserkabel angefahren würden, die Anbindung aber nicht nutzten: „Wenn einem Unternehmen 5000 oder 10.000 Euro dafür zu teuer sind, habe ich kein Verständnis“, sagte Pavel.

Riesenproblem: Es fehlt an Personal für den Netzausbau

90 Prozent unserer Breitbandförderung fließen in den ländlichen Raum.

Thomas Strobl
Landesinnenminister

Heidenheims Landrat Thomas Reinhardt beklagte das Nebeneinander von Landes- und Bundesförderung: Der Bund solle den Ländern die Fördergelder zuteilen, die diese dann verteilten. Auf eine solche Zuteilung werde der Bund nicht einlassen, entgegnete Strobl. Frank Hose, Vorstand des Ellwanger Versorgers EnBW ODR, sprach in der Diskussionsrunde ein weiteres „Riesenproblem“ an: Selbst, wenn Gelder bewilligt seien, fehle es an Fachpersonal bei den Baufirmen, um die die Netze auszubauen. Das treibe auch die Preise immer weiter nach oben – „eine ungute Entwicklung“, räumte Strobl ein.

Sowohl Landtagsabgeordneter Winfried Mack (CDU) als auch Prof. Dr. Gerhard Schneider, Rektor der Hochschule Aalen, sprachen sich für eine verstärkte Förderung der Hochschulen in Ostwürttemberg aus. Es gelte, eine Abwanderung, hoch qualifizierter Fachkräfte in die Ballungsräume zu verhindern, so Schneider.

Die IHK stellte den Teilnehmern ihr Positionspapier „Digitale Agenda“ vor. Ausgearbeitet wurde es vom IHK-Digitalisierungsausschuss unter Vorsitz von Michael Belko, Leiter der Zeiss-Konzern-IT. „Das soll nicht nur ein Wunschzettel, sondern eine Arbeitsagenda sein“, betonte Markus Maier, Präsident der IHK Ostwürttemberg.

Schwerpunkte des Papiers sind Forderungen und Anregungen zu Infrastrukturausbau, neue Wege in der Aus- und Weiterbildung sowie Bürokratieabbau. „Damit haben wir auch für unser Haus ein engagiertes Programm entwickelt, an dem wir kontinuierlich und messbar weiter arbeiten werden“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle, die die Agenda im einzelnen vorstellte.

© Wirtschaft Regional 13.07.2018 15:58
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