BANKEN / Branche fasst neuen Mut - Mehr Kredite für Unternehmen

Nach überwundener Krise sprudeln die Gewinne

  • Schattenriss eines Mitarbeiters der Dresdner Bank. Nach dem Abbau von 80 000 Stellen haben die Gewinne der deutschen Banken stark zugenommen. FOTO: dpa
Die deutschen Banken und Sparkassen haben im internationalen Vergleich deutlich aufgeholt. Ihre Gewinne haben sie von 2003 bis 2005 um mehr als 31 Mrd. EUR erhöht, vor allem wegen des massiven Stellenabbaus. Gleichzeitig fließen die Kredite an Unternehmen wieder üppiger.Die Krise scheint überwunden: Der Mittelstand leidet kaum noch unter Finanzierungsengpässen, Banken und Sparkassen buhlen wieder um Kreditkunden. Noch vor ein, zwei Jahren klagten viele Unternehmer: Kaum eine Bank wollte Geld für Investitionen geben, die Vorsicht war übergroß. Von Risiko keine Spur.

Die gut laufende Konjunktur, vor allem die Sanierung und der Umbau in den eigenen Reihen, verbunden mit massiven Kostensenkungen machen die Bank- und Sparkassen-Manager nun wieder zuversichtlicher. Die Stabilität des Bankensystems habe sich weiter gefestigt, sagt Bundesbank-Präsident Axel Weber. Große deutsche Banken hätten deutlich zur internationalen Konkurrenz aufgeschlossen.

Auch aus sonst kritischen Branchen kommen versöhnliche Töne. Die Banken hätten auch bei der Betreuung kleinerer Firmen Punkte gutgemacht, sagt Maschinenbau-Präsident Dieter Brucklacher.

Es verwundert nicht, dass Banken und Sparkassen wieder mehr Mut zeigen. Die Branche hat in den vergangenen Jahren eine spektakuläre Wende vollzogen: Während die Institute laut Bundesbank 2003 insgesamt nur 1,8 Mrd. EUR als Nettogewinn verbuchen konnten, waren es 2005 unter dem Sprich satte 33,2 Mrd. EUR. 2006 dürfte es noch mehr sein. Experten feiern die Wiederauferstehung der Branche.

Bundesbank-Präsident Weber warnt vor Euphorie. Die Wende erkläre sich vor allem aus einem massiven Kosten- und damit Stellenabbau. Seit Ende der 90er Jahre sind bei Banken und Sparkassen etwa 81 000 Arbeitsplätze gestrichen worden. 2006 und 2007 werden weitere Jobs wegfallen. Schon jetzt sind rein rechnerisch fast zwei Großbanken von der Bildfläche verschwunden.

Zum anderen wurden die Gewinne im vergangenen Jahr, so Weber, vor allem im Investmentbanking erzielt. Grundlage dafür war auch die gut laufende Börse. Wenn es dort weniger gut läuft, fallen auch die Gewinne im Investmentbanking niedriger aus. Weber fordert deshalb von den Banken mehr Engagement und neue Ideen im Bankgeschäft.

Marktnischen sind da, wie die Erfolge der Direktbanken zeigen. Auch ausländische Wettbewerber machen hierzulande gute Geschäfte mit Ratenkrediten. Nicht zuletzt gibt es in der Vermögensverwaltung beträchtliches Potenzial. Die Erbengeneration besitzt immer mehr Geld, das sinnvoll angelegt sein will. Ende 2005 verfügten private Haushalte in Deutschland über ein Vermögen von 4260 Mrd. EUR, rund 80 Prozent mehr als 1995. Auch der Kapitalmarkt bietet neue Chancen. Viele Mittelständler wollen diese Quelle zur Finanzierung anzapfen. Ohne die Hilfe von Banken und Sparkassen allerdings kommen sie nicht weit.

Als Hindernis für bessere und effizientere Geschäfte gilt vor allem den privaten Banken der zersplitterte deutsche Markt mit den drei Säulen Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die fünf deutschen Großbanken kommen im Geschäft mit Privatkunden nur auf einen Anteil von 15 Prozent. Durch mehr Fusionen könnten Banken und Sparkassen auch ihre Kosten weiter drücken. International hinken sie hinterher: Im Schnitt müssen sie für jeden EUR Umsatz 63 Cent ausgegeben, heißt es beim Bundesverband deutscher Banken. Bei der Postbank spricht man von 80 Cent. International sind es zum Teil unter 50 Cent.
© Südwest Presse 27.09.2006 07:45
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