UMWELTSCHUTZ / Die KfW Bankengruppe ist das erste klimaneutrale Großunternehmen in Deutschland

Wasserrohre unter der Decke kühlen heiße Luft

  • Blick auf die Fassade der staatlichen Förderbank KfW in Frankfurt. Firmenfoto
Umweltschutzprojekte spielen eine große Rolle in der Förderpolitik der KfW. Deshalb ist es nur konsequent, wenn die Frankfurter auch an sich selbst an ökologischen Zielen orientieren. Jetzt ist die Kfw das erste klimaneutrale Großunternehmen in Deutschland.30 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) pustet die bundeseigene KfW Bankengruppe durch ihre Geschäfte in diesem Jahr in die Luft. Unter dem Strich werden es aber null Tonnen sein. Die KfW agiert als erstes deutsches Großunternehmen klimaneutral - sie kompensiert die Emissionen des Treibhausgases durch Einsparungen, umweltfreundliches Wirtschaften und den Kauf von Minderungszertifikaten aus Projekten in Entwicklungsländern, die CO2-Emissionen vermeiden, etwa durch Biogas-Anlagen oder durch kleine Wasserkraftwerke.

Fenster öffnen an heißen Tagen ist tabu. Wer dies beherzigt sitzt in einem kühlen Raum - auch ohne energiefressende Klimaanlage. In ihrem neuen, 2003 fertig gestellten Gebäudetrakt am Frankfurter Palmengarten lässt die KfW die Räume im Sommer auf natürliche Art kühlen: Wenn die Luft abends frischer wird öffnen sich die Fenster automatisch, Oberlichter zum Flur gehen auf und im Atrium des Gebäudes heben sich Teile der verglasten Kuppel: Die warme Luft entweicht, kühlere Luft kommt in die Büros. Und wird gespeichert von den Betondecken. 'Die sorgen für rund sechs Grad Unterschied zur Außentemperatur', sagt KfW-Umwelt-Vorstand Detlef Leinberger. Wenn tagsüber die Sonne scheint, gehen automatisch Rollos herunter ohne dass dies den Raum verdunkelt. Und in den Räumen, die sich doch mal stärker aufheizen, hängen unter der verkleideten Decke Rohre, durch die kühles Brauchwasser strömt, um die Temperatur zu drücken.

Die ausgeklügelte Kühltechnik ist Teil eines ehrgeizigen Programms: 2006 wird die Bank das erste Großunternehmen in Deutschland sein, das klimaneutral wirtschaftet. 30 000 Tonnen CO2, die die Bank jedes Jahr in die Luft pustet, werden insgesamt kompensiert. Davon entfallen 12 000 Tonnen auf Flugreisen, 1000 Tonnen auf Fahrten mit Bahn und Auto, 8600 Tonnen auf die Heizung.

Der Kauf von Minderungszertifikaten für 30 000 Tonnen CO2 für etwa 450 000 EUR - den genauen Preis nennt die KfW nicht - mit denen die entsprechenden Emissionsgutschriften verbunden sind, ist der einfache Schritt, um sich der Lasten zu entledigen. Bis 2012 sollen auf diesem Weg 30 Mio. Tonnen weniger in die Luft geblasen werden.

Auf Dauer aber will die KfW ihre Minderungszertifikate weiterverkaufen. 'Wir wollen nicht stehen bleiben, die laufenden CO2-Emissionen sollen kontinuierlich verringert werden', sagt Leinberger. Schon vor Jahren hat die KfW diesen Umwelt-Kurs festgezurrt, auch deshalb, weil die Bank mit ihren Förderkrediten den Umweltschutz unterstützt und von ihren Kunden ökologisches Verhalten verlangt.

Also werden die KfW-Gebäude in Frankfurt, Berlin, Bonn und Köln in Sachen Energieverbrauch optimiert: Natürliche Kühlung, in Frankfurt eine Holzpellet-Heizung oder hochmoderne Jalousien sind nur einige Stichworte. Beim Neubau am Palmengarten hat man es bereits geschafft, den Stromverbrauch pro Jahr und Quadratmeter auf 90 Kilowattstunden zu drücken. Im Schnitt sind es bei neuen Bürogebäuden etwa 150 Kilowattstunden. Bis 2009 sollen alle Gebäude auf dem modernsten Stand sein.
© Südwest Presse 21.07.2006 07:45
763 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?