FISKUS / Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie - Freibeträge sofort nutzen

Mit Kindergarten und Tagesmutter Steuern sparen

  • Auch die Kosten für die Kindertagesstätte können Eltern künftig steuerlich geltende machen. Im Bild sitzen Kinder um ihren Gruppenkobold. FOTO: dpa
Eltern sollen Beruf und Familie besser vereinbaren können. Rückwirkend zum 1. Januar 2006 können Eltern die Kosten für Kindertagesstätten, Kindergärten, Babysitter und Tagesmütter steuerlich absetzen. Dabei sollte man Freibeträge nutzen, um sofort Steuern zu sparen.Familien werden stärker gefördert. Insbesondere solche, die berufsbedingt auf bezahlte Hilfe bei der Kinderbetreuung angewiesen sind. Nach dem 'Gesetz zur steuerlichen Förderung von Wachstum und Beschäftigung' können Doppelverdiener und erwerbstätige Alleinerziehende für Kinder unter 14 Jahre zwei Drittel der Betreuungskosten - bis zu 6000 EUR pro Jahr und Kind - steuerlich geltend machen.

Den Abzug erhalten auch Eltern, wenn nur ein Elternteil berufstätig und der andere dauerhaft krank, behindert oder in Ausbildung ist. Für behinderte Kinder gelten die Altersgrenzen nicht, wenn die Behinderung vor dem 27. Geburtstag eingetreten ist. Somit können je Kind jährlich bis zu 4000 EUR von der Steuer abgesetzt werden - als Werbungskosten bei Arbeitnehmern oder als Betriebsausgaben bei Selbständigen.

Ist nur ein Elternteil berufstätig, gilt die Förderung nur für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Als berufstätig gelten auch Väter und Mütter mit Minijobs oder in Teilzeit. Auch unverheiratete Lebenspartner erhalten die Förderung. Zum Abzug berechtigt ist in der Regel der Elternteil, auf den die Rechnung über Betreuungskosten ausgestellt ist. Haben beide Elternteile die Kosten gemeinsam übernommen, kann jeder maximal 2000 EUR je Kind beim Fiskus geltend machen.

Beispiel: Betragen die Kosten für eine Tagesmutter pro Kind 6000 EUR, kann die Familie 4000 EUR absetzen. 2000 EUR je Kind trägt sie dann selbst.Die Ausgaben können erstmals in der Steuererklärung für 2006 geltend gemacht werden. Wer sich aber vom Finanzamt einen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eintragen lässt, muss nicht bis nächstes Jahr warten. 'Dieser Freibetrag wird dann ab der nächsten Lohnzahlung mindernd berücksichtigt', informiert der Bund der Steuerzahler in Bayern. Dem Antrag ist die Lohnsteuerkarte für 2006 beizufügen.

Wie viel Steuern Eltern sparen, hängt von ihrem Einkommen und den Betreuungskosten ab. Die Stiftung Warentest nennt ein Beispiel für eine Doppelverdienerehe: 'Überweisen Eltern für ihre fünfjährige Tochter 1200 EUR im Jahr an die Kita, zahlen sie bei 40 000 EUR gemeinsamen Einkommen 230 EUR weniger Steuern inklusive Solidaritätszuschlag. Die Eltern können noch 4800 EUR Betreuungskosten für ihre Tochter ausgeben. Dann erhalten sie weitere 903 EUR vom Finanzamt zurück.' Anderes Beispiel: Eine berufstätige Alleinerziehende mit 25 000 EUR Jahreseinkommen zahlt 2400 EUR Betreuungskosten. 1600 EUR kann sie absetzen - die Steuerersparnis beträgt 493 EUR. 2005 waren es nur 232 EUR.

Wer seine Höchstbeträge schon vor Ende 2006 ausschöpft, sollte mit seinen Betreuungshilfen vereinbaren, dass die nächsten Rechnungen erst in 2007 geschrieben werden. 'Manche Dienstleister sind bereit, die zum Jahresende fällige Bezahlung einer größeren Rechnung auf zwei Jahre zu verteilen', so die Stiftung Warentest. Ist der Dienstleister umsatzsteuerpflichtig, beträgt die Mehrwertsteuer ab Anfang 2007 aber 19 statt zuvor 16 Prozent.

Zu den Betreuungskosten zählen unter anderem die Aufwendungen für Kindergarten oder -tagesstätte, Tagesmütter, Hausaufgabenbetreuung, Babysitter oder für Au-pair-Mädchen. Die entgeltliche Betreuung durch Angehörige erkennt das Finanzamt nur an, wenn eine klare schriftliche Vereinbarung vorliegt, etwa ein 'Geschäftsbesorgungsvertrag'. Das Finanzamt verlangt auch, dass der Kinderbetreuer eine korrekte Rechnung stellt und der Betrag überwiesen wird. Barzahlungen werden nicht akzeptiert.
© Südwest Presse 21.07.2006 07:45
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