VOLKSWAGEN

KOMMENTAR: Mit dem Rotstift

Bernd Pischetsrieder darf bleiben. Das ist die wichtigste Botschaft, die von Volkswagen in diesen Tagen ausgeht. Die Personalie ist deshalb von Bedeutung, weil sie den gesamten Konzern nun schon über Monate hin lähmt.

Nicht nur Ferdinand Piëch, der ungeliebte Aufsichtsratschef, hat sich dabei als Hinderer zu erkennen gegeben, auch die Gewerkschaften trieben ein unwürdiges Spiel. Allein um die Wahrung eigener Interessen bemüht, drohten sie damit, den Autobauer gegen die Wand fahren zu lassen, wie IG-Metall-Chef Jürgen Peters kurz vor der Vertragsverlängerung für Pischetsrieder andeutete.

Dahinter steht die Furcht, der Bayer in Diensten der Norddeutschen könnte im Verbund mit dem Schwaben Wolfgang Bernhard allzu rigide in die Strukturen und damit in die Beschäftigungssituation bei den krisengeschüttelten Wolfsburgern eingreifen.

Nach seiner Vertragsverlängerung wird Pischetsrieder nun, trotz der Drohgebärden, rigoros den Rotstift ansetzen. Täte er es nicht, käme er seinen Aufgaben nicht nach. Und er würde die Zukunftsfähigkeit von VW aufs Spiel setzen. Denn dass die Niedersachsen ein massives Kostenproblem haben, ist hinlänglich bekannt. Dass sie es schnell lösen müssen, sagt der gesunde Menschenverstand. Und falls der nicht hilft, genügt ein Blick in die USA, wo größere Autobauer mächtig wackeln, nur weil sie ihr Lastenheft nicht rechtzeitig abgearbeitet haben.
© Südwest Presse 04.05.2006 07:45
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