ENBW / Karlsruher setzen als nationaler Sponsor auf Marketingerfolge

WM-Offensive bereits angepfiffen

  • ENBW-Marketingvorstand Detlef Schmidt posiert mit Goleo, dem Maskottchen der Fußball-WM. FOTO: dpa
Der Energieriese ENBW gehört zum Kreis der nationalen Förderer der Fußball-Weltmeisterschaft. Das Sportspektakel im Juni lässt sich der Karlsruher Konzern rund 25 Mio. EUR kosten. Für ENBW-Marketing-Chef Detlef Schmidt hat die WM schon längst begonnen.Für Detlef Schmidt gehen die Uhren anders. Der Zeiger auf dem Ziffernblatt seiner Armbanduhr läuft stets eine halbe Stunde voraus. 'Auf diese Weise bin ich pünktlich und treibe auch die Gesprächspartner ein wenig voran', erklärt das ENBW-Vorstandmitglied, das für den Energiekonzern die Fäden im Bereich Marketing und Vertrieb zusammenhält.

Auch die bevorstehende Fußball- WM ist im Kopf des 61-Jährigen schon lange angepfiffen: 'Als nationaler Sponsor steht unser Programm, die Werbung ist im Kasten, die Weltmeisterschaft kann beginnen', meint Schmidt wenige Wochen vor dem Eröffnungsspiel am 9. Juni. Für ihr Engagement in und um die Fußballstadien muss die Energie Baden-Württemberg AG tief in die Tasche greifen. Als einer der sechs deutschen 'Nationalen Förderer' - neben der Postbank, dem Baumarktriesen Obi, der Hamburg-Mannheimer Versicherung, dem Wettanbieter Oddset und der Deutschen Bahn - hat die ENBW der Fifa 12,7 Mio. EUR überwiesen. 'Aber jeder investierte Euro ist aus Marketingsicht im Ergebnis das Doppelte wert.' Für den tatsächlichen Aufwand durch Werbung und Sachaufwendungen investiert die ENBW 'nochmal in dieser Größenordnung'. Das Unternehmen liege dabei allerdings 'mit diesem Wert unter dem, was der übliche Ansatz ist'. Andere Sponsoren rechneten mit dem Drei- und Vierfachen.

Im Vergleich zu den WM-Sponsoren McDonald's und Coca Cola muss die ENBW das eigene Konzept und die Projekte für ihre Tochterfirmen Yello oder Naturenergie fast komplett auf Werbung und Events aufbauen: 'Wir haben kein Produkt, das man anfassen kann. Wir wollen Wachstum durch Image und Bekanntheit', erläutert Schmidt. Da gibt es viel zu tun: Bei einer Umfrage des Düsseldorfer Marktforschungsinstituts Innofact fiel die ENBW im Februar nur 0,3 Prozent der Befragten als WM-Sponsor ein- das war wenige Wochen nach dem Start der Werbephase.

Allerdings denken die Strategen des Energieriesen für ihr WM-Programm eher regional und national als global. Und viele der geplanten Maßnahmen und Veranstaltungen sind bewusst auf die Wochen vor und während der Weltmeisterschaft konzentriert. sagt Schmidt. Insgesamt will der Konzern 12 000 gekaufte Tickets für die Spiele unter das Volk bringen und Kunden sowie Gäste 'als Multiplikatoren' einladen. Das Unternehmen bewegt sich dabei auf einem schmalen Grat. Sehr schnell entsteht der Verdacht der Vorteilsgewährung ins Haus, wie vor einigen Wochen, als bekannt wurde, dass die ENBW auch Landespolitiker zu WM-Spielen eingeladen hatte.

Neben der Werbung in den Stadien baut Schmidt auf die Rolle des guten Gastgebers und auf Kooperationen. Auch will sich die ENBW als umweltbewusster Konzern beweisen, der die Strommenge aus regenerativen Quellen zur Verfügung stellt, die dem Bedarf der Fußball-Weltmeisterschaft in den Stadien und angrenzenden Bereichen entspricht. Allerdings gehört die ENBW mit mehr als einem Drittel zu den Erzeugern mit dem höchsten Anteil von Atomstrom.
© Südwest Presse 24.04.2006 07:45
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