GENOSSENSCHAFTEN / Bessere Ertragslage bei Banken in Württemberg

Das Risiko fest im Griff

Kritik an Aufsichtsbehörde Bafin wegen zu vieler Prüfungen
Die 178 Genossenschaftsbanken in Württemberg gehen nach einem zufrieden stellenden Jahr 2005 optimistisch in die neue Periode. Die Institute haben nach Angaben von Verbandspräsident Erwin Kuhn ihre Kosten und das Risiko weitgehend im Griff.Die 178 württembergischen Volks- und Raiffeisenbanken sind mit den Ergebnissen des vergangenen Jahres 'rundum zufrieden'. Das betonte Verbandspräsident Erwin Kuhn vor Journalisten.

Kuhn verwies dabei auf das um knapp 6 Prozent verbesserte Betriebsergebnis nach Steuern. Insgesamt erwirtschafteten die Genossenschaftsbanken 414 Mio. EUR; diese Steigerung ist in erster Linie auf den günstigeren Risikoaufwand zurückzuführen. Die Wertberichtigungen auf das Kreditgeschäft von 36,1 Mrd. EUR verringerten sich um 121 Mio. EUR und halbierten sich damit auf rekordverdächtige 0,16 Prozent des durchschnittlichen Geschäftsvolumens. Das Betriebsergebnis vor Risiko lag nahezu unverändert bei 0,94 Prozent. Kuhn widersprach der These, dass dahinter eine risikoscheue Einstellung sichtbar werde, Unternehmenskunden mit Krediten zu versorgen. In diesem Jahr zieht nach seinen Erkenntnissen das Geschäft mit dem Mittelstand wieder an, nachdem es im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent rückläufig war. 'Es gibt keine Kreditklemme.'

Ihre Verwaltungsaufwendungen hatten die Institute 2005 im Griff. Wohl auch deshalb, weil sie die Zahl der Mitarbeiter im Durchschnitt um knapp 2 Prozent auf zuletzt rund 14 000 weiter verringerten. Kuhn geht davon aus, dass dieser seit Jahren zu beobachtende Trend weiterhin anhalten wird. Das gilt auch für Fusionen. Sechs Institute schlossen sich zusammen; Kuhn rechnet auch für 2006 in etwa mit derselben Größenordnung.

Darunter soll auch, sofern Mitglieder und Aktionäre zustimmen, die der VR-Bank und der Volksbank AG in Stuttgart mit einer künftigen Bilanzsumme von 2,4 Mrd. EUR sein. Dabei muss die angeschlagene VR-Bank von der verbundeigenen Sicherungseinrichtung gestützt werden.

Die Zahl der Zweigstellen verringerte sich per Saldo um 26 auf 1831. Kuhn sprach sich dabei aus Kostenüberlegungen dafür aus, den Trend zu gemeinsamen Filialen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken, wie er nach seiner Schätzung bereits mehr als 50 mal vor allem im ländlichen Raum umgesetzt werde, auch weiterhin im Blick zu haben.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) forderte er auf, die über die gesetzlich erforderlichen Auflagen hinausgehenden Prüfungen der Banken 'deutlich zu reduzieren'. Das Bafin habe den Instituten erfreulicherweise mehr Entscheidungsfreiräume geschaffen; dies dürfe jetzt nicht durch teure und aufwändige Prüfungen unterlaufen werden. Die Behörde nimmt etwa 10 Prozent der Geno-Banken in Württemberg außerplanmäßig unter die Lupe. Auch der Verband selbst gehe mit gutem Beispiel voran, sagte Kuhn. Trotz eines höheren Aufwands sei die Zahl der Prüfungstage gesunken.
© Südwest Presse 24.02.2006 07:45
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