BAUWIRTSCHAFT / Auftragsplus von 7,5 Prozent

Signal zum Aufbruch

In der Baubranche im Südwesten bahnt sich eine Trendwende an. Die Aufträge sind 2005 um 7,5 Prozent gestiegen. Doch die Lage der Branche bleibt schwierig.Die jahrelange Talfahrt der baden-württembergischen Bau-Branche scheint beendet. Erstmals seit dem Beginn der Baukrise Mitte der 90er Jahre hatten die Betriebe im Südwesten zum Jahreswechsel ein Auftragsplus von 7,5 Prozent. Doch relativiere die langjährige Schrumpfkur das an sich positive Signal, sagte Thomas Schleicher, der Präsident der Landesvereinigung Bau in Stuttgart.

Maßgeblichen Anteil an dem Aufschwung hat der Wirtschaftsbau. Das Plus von 22 Prozent zeige, dass Unternehmen jahrelang aufgeschobene Ersatzinvestitionen nun in Angriff nehmen, erklärte Schleicher. Die Straßenbauer profitieren von einer ungewohnten Fülle von Aufträgen (plus 2,4 Prozent) der öffentlichen Hand, die in der zweiten Jahreshälfte einsetzte. Diese plötzliche Investitionsbereitschaft hat laut Schleicher zum einen mit den reichlich sprudelnden Lkw-Mauteinnahmen zu tun, die zu 60 Prozent in die Verkehrs-Infrastruktur fließen. Zum anderen habe die Deutsche Bahn geplante Investitionen nicht getätigt. Diese Beträge seien ebenfalls in die dringend benötigte Sanierung und den Neubau von Straßen geflossen. Auch der private Wohnungsbau legte um 8,6 Prozent zu, doch dieses Plus führt Schleicher auf das Auslaufen der Eigenheim-Zulage zurück, von einem dauerhaften Schub der privaten Bauherren sei nicht auszugehen.

Insgesamt befinde sich die Branche aber weiterhin in einer schwierigen Lage. Das zeigt sich seiner Meinung nach an den Insolvenzen namhafter Bau-Mittelständler. Anfang der Woche meldete die Fahrion Bau GmbH &Co. KG (Stuttgart) Insolvenz an, die nach den Worten des Geschäfsführenden Gesellschafters Joachim Fahrion letztmals im Jahr 2000 schwarze Zahlen geschrieben hatte. Betroffen von der Insolvenz des 147 Jahre alten Unternehmens sind 145 Mitarbeiter. 2005 mussten 235 Betriebe Insolvenz anmelden, nach 314 im Jahr 2004.

Nach Einschätzung Schleichers leiden viele Firmen unter dem unbefriedigenden Preisen, die - rechnet man die Explosion der Stahl und Ölpreise heraus - auf dem Niveau von 1995 lägen. Schleicher erwartet, daher dass es in diesem Jahr zum Abbau von 3000 Stellen kommt. 2005 sank die Zahl der Mitarbeiter um 5 Prozent auf 85 600. Der Branchen-Umsatz schrumpfte um 0,8 Prozent auf 8,5 Mrd. EUR. Angesichts des guten Auftragseingangs erwartet Schleicher allerdings, dass nun auch beim Umsatz die Trendwende kommt: Er könnte 2006 um 3 bis 4 Prozent steigen.
© Südwest Presse 01.02.2006 07:45
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