KARSTADT / Ex-Manager klagen

Streit um Dienstwagen

Der Streit um die Dienstwagen früherer Karstadt-Quelle-Manager hat gestern das Essener Landgericht erreicht. Ein Urteil soll im Februar ergehen.Vier ehemalige, jetzt pensionierte Führungskräfte von Karstadt-Quelle, wollen ihre Autos nicht zurückgeben. Ex-Konzernchef Walter Deuss, der Dienstwagen und Chauffeur auf Lebenszeit erhielt, fordert dagegen, dass sein früherer Arbeitgeber auch die Kosten für alle Überstunden des Fahrers übernimmt. Die Ex-Manager erschienen nicht zur Verhandlung vor dem Essener Landgericht. Die Entscheidung wird am 10. Februar erwartet.

Karstadt-Quelle hatte angesichts der Krise die Privilegien seiner Pensionäre im vergangenen Jahr eingeschränkt und dabei offenbar auf ein Entgegenkommen der Ex-Manager gesetzt. Während ein Teil der Betroffenen ihre Autos zurückgab oder übernahm, reichten andere Klage ein. Karstadt-Quelle-Anwalt Ferdinand Nielsen fehlt dafür das Verständnis. 'Wir haben immer auf eine gewisse Einsicht gehofft', sagte er im Prozess vor der 5. Kammer für Handelssachen. Schließlich müsse man angesichts der gravierenden Finanzkrise schon vom Gespür her andere Maßstäbe ansetzen als früher.

Für den Chauffeur des ehemaligen Konzernchefs Walter Deuss zahlt Karstadt zurzeit angeblich 198 Arbeitsstunden pro Monat. Darin sind laut Anwalt Ferdinand Nielsen bereits 35 Überstunden enthalten. Bis zur arbeitsrechtlichen Höchstgrenze fehlten demnach nur noch knapp zehn Stunden pro Monat. Genau darauf legt Deuss jedoch Wert. Nach Angaben seines Anwalts Wilhelm Moll bestehen auch entsprechende Verträge.

Zusätzlichen Unmut hatte sich Deuss eingehandelt, als er sich mitten im Streit mit seinem ehemaligen Arbeitgeber einen neuen Dienstwagen bestellt hat. Der Ex-Konzernchef will künftig auf ein Fahrzeug vom Typ Audi A8 zurückgreifen. Bisher stand ihm ein 7er BMW zur Verfügung. Laut KarstadtQuelle-Anwalt Ferdinand Liesen ist der neue Wunsch-Wagen deutlich teurer als das Vorgängermodell. Da es gegen die Vorgehensweise von Deuss aber offenbar keine juristische Handhabe gibt, spielt dieser Aspekt im Essener Prozess keine Rolle. Eine gütliche Einigung im Rahmen eines Vergleiches wurde von beiden Seiten abgelehnt.

Der Dienstwagen-Prozess fand unter großem Zuschauer-Andrang statt. Eine Betriebsrätin machte ihrem Unmut über das Verhalten der Ex-Manager am Rande des Prozesses lautstark Luft. 'Was da abläuft, ist moralisch verwerflich', sagte die Frau auf dem Gerichtsflur. Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Jahren schließlich immer wieder finanziellen Verzicht geübt. Viele stünden heute auf der Straße.
© Südwest Presse 21.01.2006 07:45
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