LUFTVERKEHR / Bei 34 von 39 regionalen Airports ist das Passagieraufkommen viel zu gering

Kapitalvernichtung an Flughäfen Deutsche Bank empfiehlt: Schließen oder Privatisieren

  • 34 der 39 deutschen Regionalflughäfen sind laut einer Studie zu klein und unrentabel. Dazu zählt auch der Baden-Airpark in Söllingen. Archivfoto
Der Großteil der deutschen Regionalflughäfen ist ein Subventionsgrab. Nach einer Studie der Deutschen Bank verfügen nur 5 Airports über eine ausreichende Größe, 34 sind zu klein. Die Bank rät Ländern und Kommunen, die Flughäfen zu schließen oder zu privatisieren.Nur fünf der 39 deutschen Regionalflughäfen haben Chancen, sich wirtschaftlich zu tragen und auch Gewinne zu erzielen. Insgesamt kosten sie den Steuerzahler Jahr für Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag an Subventionen. Einer Studie der Deutschen Bank zufolge dürften sich staatlichen Zuschüsse für die kleineren Airports pro Jahr auf mindestens 40 Mio. EUR belaufen.

Viel zu viele Bundesländer, Landkreise und Kommunen wollen nach Ansicht von Deutsche Bank-Volkswirt Eric Heymann das Erfolgsmodell des Flughafens Hahn im Hunsrück kopieren. 'Das kann in wenigen Fällen klappen, etwa in Rostock. Häufig geht es aber nur um teure lokale Prestigeobjekte der Regionalfürsten', sagte Heymann in Frankfurt. Eine Lösung für unrentable Flughäfen sei nur über den Einstieg von privaten Investoren möglich. Wenn nicht, müssten sie eigentlich geschlossen werden.

Das Passagieraufkommen in Hahn, der vor allem vom irischen Billigflieger Ryanair profitiert, ist mit vermutlich 3 Mio. Fluggästen in diesem Jahr höher als in Bremen, Dortmund, Dresden und Leipzig. Als von der Größe noch einigermaßen akzeptabel gelten die Regionalflughäfen in Paderborn (1,3 Mio. Passagiere), Niederrhein (800 000), Karlsruhe (620 000) und Lübeck (580 000). Alle anderen Flughäfen sind viel zu klein, 19 der 39 Regionalairports zählen nicht einmal 10 000 Passagiere im Jahr.

'Das Passagieraufkommen auch für Punkt-zu-Punkt-Flüge ist viel zu gering. Selbst viele Billigflieger konzentrieren sich auf größere Flughäfen wie etwa Köln-Bonn', sagt Heymann. 'Es gibt bereits genügend Airports in Deutschland. 95 Prozent der Deutschen können den nächsten Verkehrsflughafen in weniger als 90 Minuten erreichen.' Der Ausbau etwa des Flughafens in Kassel-Calden sei auch unter diesem Aspekt unsinnig.

Nach Angaben der Deutschen Bank führt der Ausbau der kleineren Airports zu einer massiven Kapitalvernichtung. Sie werden vor allem mit hohen Subventionen am Leben gehalten: Pro Passagier sind es dort jährlich mehr als 9 EUR. 'Das zeigt, dass diese Flughäfen nicht einmal ihre laufenden Betriebskosten erwirtschaften', heißt es in der Studie.

Zum Teil werden sogar die Airlines direkt subventioniert, was Ryanair und Co allerdings nicht vorzuwerfen sei. 'Sie wären ja dumm wenn sie solche Offerten nicht annehmen würden', sagt Heymann.

Wichtiger als immer mehr kleinere Regionalflughäfen aufzupäppeln wäre es nach Ansicht von Heymann, Engpässe an Großflughäfen wie Frankfurt zu beseitigen und sie besser an das ICE-Netz der Bahn anzubinden. Für Entlastung könnten die kleinen Flughäfen nur in wenigen Fällen sorgen, zumal sich großen Airlines in Zukunft noch mehr als heute schon auf die großen Drehkreuze konzentrieren würden.

Um den Ausbau nicht erforderlicher und damit unrentabler Regionalflughäfen zu vermeiden und die Kräfte für die Stärkung der großen Airports zu bündeln, wäre es nach Auffassung Heymann auch wichtig, die Flughafenplanung künftig bundeseinheitlich zu regeln und nicht allein Ländern, Landkreisen und Städten zu überlassen.
© Südwest Presse 05.11.2005 07:45
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