AUSBILDUNG / Noch 169 000 Plätze fehlen

Kritik an Kürzungsplänen

Lehrstellen-Lücke wird kleiner werden
Der Vorschlag von DIHK-Präsident Braun, das Grundentgelt der Ausbildungsvergütung auf 270 Euro zu senken, stößt auf Kritik - nicht nur bei der Gewerkschaft.Auch in diesem Jahr gibt es für die Schulabgänger nicht annähernd genug Lehrstellen. Zu Beginn des Ausbildungsjahres in mehreren Bundesländern fehlten noch 169 000 Ausbildungsplätze, 8000 mehr als im vergangenen Jahr, teilte die Bundesagentur für Arbeit gestern mit.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, die Bundesagentur und Wirtschaftsvertreter zeigten sich allerdings zuversichtlich, dass die Lücke in den kommenden Monaten zumindest deutlich verringert werden könne. Clement sagte, es seien noch 'erhebliche Spielräume' vorhanden. Es gebe eine Zunahme der auszubildenden Betriebe, allerdings auch eine Abnahme der Lehrstellenzahlen im Handwerk. Insgesamt geht Clement davon aus, dass im Februar der Ausbildungsmarkt rein rechnerisch ausgeglichen sein werde. Zum Vorschlag von DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun, das Lehrgeld auf 270 EUR monatlich zu kürzen, sagte Clement, diese Frage sei Sache der Tarifparteien. Die genannte Summe liege allerdings weit unter dem jetzigen Durchschnitt. Das Niveau der Ausbildungsvergütung sei sehr unterschiedlich.

'Eine Senkung der Lehrlingsvergütung allein greift zu kurz', erklärte der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven. Viele Jugendliche brächten erhebliche Defizite von der Schule mit. Oftmals fehle es ihnen auch an Disziplin und Leistungswillen. Der Verband schlug deshalb die Einführung eines leistungsabhängigen Lehrlingsentgelts vor. Dabei würde eine Grundvergütung von 300 bis 500 EUR im Monat je nach Branche um leistungsbezogene Zuschläge ergänzt.

Als 'absurdes Stück Sommer-Theater' bezeichnete der DGB den DIHK-Vorstoß. Eine generelle Senkung der Ausbildungsvergütungen verschiebe die finanziellen Belastungen auf die Eltern. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks hält den Vorschlag nicht für generell machbar. Manche Branche werbe ausdrücklich mit höheren Ausbildungsvergütungen, um Bewerber anzulocken. AP
© Südwest Presse 02.08.2005 07:45
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